Matthias Lilienthal mag keine „Kunstkacke“. Das ist nämlich für Intendanten der aus den Häusern Hebbel-Theater, Theater am Halleschen Ufer und dem kleinen Theater am Ufer gebildete Kombinat Hebbel am Ufer, kurz HAU 1-3, das herkömmliche Theater, seine alte, so gefeierte Wirkungsstätte Volksbühne übrigens eingeschlossen.
Der Mittvierziger reibt sich lieber an der „Realitätskacke“ und führt seine Häuser in neue, experimentelle und nach herkömmlichem Maßstab theaterfremde Gefilde. Diese Verjüngungskur gilt inzwischen als gelungen, auch weil Lilienthal und sein Team mit einem ungeheuren Kraftakt und mit einem Produktionsetat, der vorher nur für ein Haus reichte, dem Kombinat Programm, Profil und Dynamik verleihen. Gleichzeitig beleben sie die vielleicht toteste Ecke Kreuzbergs. 2004 wurde das Theater des Senkrechtstarters von Kritikern zum „Theater des Jahres“ gekürt.
Das HAU 1 war als Hebbel-Theater einer der bedeutendsten Berliner Veranstaltungsorte für junge, internationale, experimentelle und innovative darstellende Kunst. Von 1989 bis 2003 verband es sich unter der effektiven Intendanz Nele Hertlings zu einem flexiblen Netzwerk mit ähnlich profilierten Häusern und pflegte den regen Kontakt mit Künstlern wie Robert Wilson, Wooster Group (mit Hollywood-Star Willem Dafoe), Laurie Anderson, Steve Reich, Robert Lepage, Jan Fabre, Heiner Goebbels und Peter Sellars. Davor stand das 1907/08 errichtete Theaterhaus an der Stresemannstraße jahrelang leer, bis es anlässlich von Berlins 750-Jahr-Feier 1987 renoviert und wieder eröffnet wurde.
Auch das Theater am Halleschen Ufer, jetzt HAU 2, hat eine große Geschichte. Es war Spielort der legendären Schaubühne am Halleschen Ufer. Nachdem sie 1981 in ihre neue Spielstätte am Lehniner Platz umgezogen war, verlor die Bühne im Fünfziger-Jahre-Bau der Arbeiterwohlfahrt schnell an Bedeutung. Mit einem kräftig angestaubten Brecht-Theaterkonzept produzierte die Theatermanufaktur am Halleschen Ufer zwischen 1981 und 1993 vor allem künstlerischen Leerlauf. Als Haus der Freien Gruppen wurde erst unter dem künstlerischen Leiter Zebu Kluth für andere Sichtweisen gesorgt. Kluth schärfte das Profil durch die programmatische Präsentation von Grenzgängern zwischen den Genres, wie den Protagonisten des „postdramatischen“ Theaters aus der sogenannten Gießener Schule des Professors Andrzej Wirth.
Später avancierte die Spielstätte zu einer der besten Adressen für zeitgenössischen Tanz in der Stadt. Nicht unschuldig daran war der Tanzdramaturg Björn Dirk Schlüter, der nach Kluths Weggang sein Nachfolger wurde. HAU 3 war als Theater am Ufer die Wirkungsstätte des Teatr Kreatur von Andrej Woron, dessen Ansatz lange zu den aufregendsten der freien Szene gehörte. Einladungen zum Theatertreffen, umjubelte Tourneen um die halbe Welt und Fernsehfassungen der Stücke zeugen davon. Zuletzt war das Teatr Kreatur allerdings nur noch ein Schatten seiner selbst.
| Adresse: |
Hebbel am Ufer
Stresemannstr. 29
10963
Berlin
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|---|---|
| Telefon: | 030 259004 0 |
| Internet: | www.hebbel-theater.de |
| Nahverkehr: | Bus:
U-Bahn:
U Hallesches Tor: U1, U6 |

