Sage niemand, Theater bewirke nichts. Einst hatte es sogar das Zeug dazu, am Sturz eines ganzen Staatssystems mitzuwirken. 1989: Heiner Müller probt am Deutschen Theater (DT) seine achtstündige Montage „Hamlet/Maschine“. Draußen bricht derweil die „erste friedliche, deutsche Revolution von unten“ aus.
Shakespeares „Hamlet“ wird plötzlich zum Subtext der Revolte, der klaffende Riss zwischen zwei Epochen fordert die Auseinandersetzung: Vorbereitung und Erfolg der inzwischen legendären regimekritischen Großdemonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 geht wesentlich auf das Konto der Theaterleute aus der Schumannstraße.
Solch heroische Zeiten sind inzwischen lange vorbei. Bernd Wilms, vormals Intendant am Maxim Gorki Theater, übernimmt es 2001 vom zuletzt glücklosen Intendanten Thomas Langhoff und führt das Theater mit Chefregisseur Michael Thalheimer zunehmend erfolgreich. Thalheimers Inszenierungen der „Emilia Galotti“ und des „Faust“ sind Repertoirerenner. Stattliche Klassikerpflege – das ist halt Arbeitsauftrag in diesem deutschen Staatstheater.
Große Namen des Theaters sind mit der Geschichte des 1850 als Friedrich-Wilhelm-Städtisches Theater eröffneten Staatstheaters in der Schumannstraße verbunden: Prinzipale wie Otto Brahm, Max Reinhardt, Heinz Hilpert und Wolfgang Langhoff. Regisseure wie Heiner Müller, Frank Castorf, Thomas Langhoff, Jürgen Gosch und Alexander Lang. Schauspieler wie Jörg Gudzuhn, Ulrich Mühe, Dieter Mann, Christian Grashof, Jürgen Holtz und Ulrich Matthes, Schauspielerinnen wie Dagmar Manzel, Inge Keller, Käthe Reichel und Nina Hoss. Mit seinem Ensemble erstrangiger Schauspieler protzt das DT nach wie vor gerne, das nach seinem Selbstverständnis zur Crème de la Crème der deutschen Schauspielkunst gehört.
(Anm. der Red. 10/2011) Ulrich Khuon hat im Sommer 2009 die Intendanz des Deutschen Theaters übernommen. Er hat Regisseure mit prägnanten Regiestilen ans Haus geholt: Andreas Kriegenburg, Stephan Kimmig, Michael Thalheimer, Dimiter Gotscheff und Nicolas Stemann. Außerdem bilden die kontinuierliche Zusammenarbeit mit wichtigen und jungen Dramatikern und das Vertrauen auf die Kraft eines lebendigen und starken Ensembles die Grundlagen seines künstlerischen Konzeptes.
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