Aufbruch

Unter dem Dach der protestantischen Kirchen und in privaten Nischen entwickelt sich in der DDR der 1980er Jahre eine politische Opposition. Gruppen und Netzwerken gelingt es zunehmend an die Öffentlichkeit zu treten, um über Themen wie Menschenrechte, Militarisierung, Umweltzerstörung, Bildungspolitik oder Städteverfall aufzuklären. Die Aufdeckung der Wahlfälschung im Mai 1989 wird zu einem Schlüsselereignis. Die wachsende Unzufriedenheit zeigt sich vor allem unter jungen Menschen, die sich mehr und mehr den staatlich verordneten Zwängen verweigern.

Für Reformen und Demokratie: Großes Finale am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin. © Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper

Revolution

Ausreise und Flucht sind wesentliche Beiträge zum Zusammenbruch des SED Regimes. Exemplarisch hierfür stehen die Öffnung der Grenzen in Ungarn und der Weg in den Westen über die Prager Botschaft.
Während die einen die DDR verlassen, wollen andere die Gesellschaft reformieren. Bürgerbewegungen und Parteien werden gegründet. Der Veränderungswille wird vermehrt in die Öffentlichkeit getragen. Am 7. Oktober, dem 40jährigen Gründungsjubiläum der DDR, knüppeln Sicherheitskräfte die Proteste noch nieder; am Tag der Entscheidung, dem 9. Oktober in Leipzig, verläuft die Demonstration trotz hohem Sicherheitsaufgebot gewaltfrei. Die SED versucht ihren Machtverlust zu stoppen, indem sie die führenden Köpfe austauscht, die Demonstrationswelle weitet sich jedoch immer weiter aus. Am 4. November 1989 kommt es auf dem Berliner Alexanderplatz zur größten Demonstration in der Geschichte der DDR. Wenige Tage später fällt die Mauer. Beim Kampf um die Macht verliert die SED zusehends an Boden: das Volk demonstriert weiterhin, unzählige neue Bewegungen, Parteien und Initiativen entstehen und stellen immer offener die Machtfrage. Am Runden Tisch schließlich werden die rechtlichen Voraussetzungen für die Demokratisierung des Landes geschaffen. Dass die kommunistische Führung ihre Macht nicht freiwillig und kampflos abgibt, wird beispielhaft an der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit dargestellt.

Demonstranten mit einem großen Transparent
Über eine halbe Million Menschen auf der Zielgeraden: Großdemonstration für Reformen und Demokratie auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin (4. November 1989). © Robert-Havemann-Gesellschaft/Jose Giribas

Einheit

Bereits während der Demonstrationen Ende des Jahres 1989 werden erste Forderungen nach der staatlichen Einheit Deutschlands laut. Der Wahlkampf zur ersten freien Wahl in der DDR ist vom Einheitsthema geprägt. Die Wahl geht zugunsten der „Allianz für Deutschland“ aus, die eine schnelle Vereinigung verspricht. Die Begleitumstände der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion sind dabei genauso relevant wie die Auswirkungen der neuen demokratischen Möglichkeiten. Die traditionellen Hierarchien zerbrechen und die Neuen sind noch nicht etabliert. Die Ostdeutschen entwickeln zunehmend ein neues Lebensgefühl. Sie verändern ihr Land und spüren dies drastisch.


Die 1961 errichtete Berliner Mauer teilte die Stadt mehr als 28 Jahre und war Symbol der über vier Jahrzehnte andauernden deutschen Teilung.

Die Chronik der Friedlichen Revolution finden Sie hier