1989


2. Mai

Ungarn beginnt mit dem Abbau der Sperranlagen an der Grenze zu Österreich


7. Mai

Kommunalwahlen in der DDR. Oppositionelle Gruppen weisen nach, dass die Ergebnisse gefälscht sind. Von da an wird an jedem 7. Tag der Folgemonate in Ost-Berlin gegen die Wahlfälschung demonstriert.

4. September

Erste Montagsdemonstration in Leipzig. Vor der Nikolaikirche versammeln sich 1200 Menschen und fordern u.a. Reisefreiheit und Demokratie.


9./10. September

Der Gründungsaufruf des Neuen Forums wird zum Signal für den Aufbruch. Weitere Bürgerbewegungen entstehen.


11. September

Ungarn öffnet offiziell seine Westgrenze für DDR-Bürger und riskiert einen völligen Bruch mit der Führung in Ost-Berlin.


30. September

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher teilt den DDR-Flüchtlingen in der bundesdeutschen Botschaft in Prag mit, dass sie ausreisen dürfen.


3. Oktober

Die DDR-Regierung hebt den pass- und visafreien Verkehr in der Tschechoslowakei auf, um die Ausreisewelle zu stoppen. Sonderzüge mit Botschaftsbesetzern aus Prag und Warschau fahren durch die DDR. Entlang der Strecke kommt es u.a. in Dresden zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Demonstranten
© Robert-Havemann-Gesellschaft/Nikolaus Becker

7. Oktober

40. Jahrestag der DDR: In Berlin demonstrieren einige Tausend vorwiegend junge Menschen vor dem Palast der Republik. Wie in Berlin werden Protestdemonstrationen in zahlreichen Städten der DDR an diesem und am nächsten Tag gewaltsam aufgelöst.

Montagsdemonstration von oben
© Robert-Havemann-Gesellschaft/Aram Radomski

9. Oktober

Trotz Furcht vor einem militärischen Niederschlagen der Montagsdemonstrationen gehen in Leipzig 70 000 Menschen auf die Straße. Polizei, Militär und Betriebskampftruppen greifen nicht ein.

11. Oktober

Die Staatspartei SED fordert zum Bleiben in der DDR auf und bietet einen „Dialog“ über die weitere Entwicklung an.


16. Oktober

In Leipzig verdoppeln sich die Teilnehmerzahlen bei der Montagsdemonstration. Die Sicherheitskräfte greifen nicht ein.


18. Oktober

Erich Honecker muss nach 18-jähriger Amtszeit zurücktreten. Neuer SED-Generalsekretär wird Egon Krenz. In seiner Fernsehrede gebraucht er zum ersten Mal den Begriff „Wende“


24. Oktober

Krenz wird von der Volkskammer auch zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates gewählt. Am Abend demonstrieren 12 000 Menschen in Berlin dagegen.


30. Oktober

300 000 Menschen bei der Montagsdemonstration in Leipzig


4. November

In Berlin findet die größte Demonstration in der Geschichte der DDR statt.


7. November

Die Regierung der DDR, der Ministerrat unter der Führung von Willi Stoph, tritt geschlossen zurück.


8. November

Das Politbüro des Zentralkomitees, das oberste Gremium der SED, tritt zurück. Bundeskanzler Helmut Kohl knüpft wirtschaftliche und finanzielle Hilfe für die DDR an Bedingungen: Zulassung der Opposition, Zusage freier Wahlen, Verzicht der SED auf ihren Führungsanspruch.


9. November

Die Mauer fällt. Auslöser ist die ungenaue Ankündigung einer neuen Reiseregelung auf einer Pressekonferenz. Zehntausende Ost-Berliner strömen zu den Übergängen und erzwingen die Öffnung der Grenze.


17. November

Neuer Ministerpräsident der DDR wird Hans Modrow. Er lehnt eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ab und schlägt eine umfassende Vertragsgemeinschaft vor.


28. November

Bundeskanzler Helmut Kohl legt einen 10-Punkte-Plan zur schrittweisen Vereinigung der beiden deutschen Staaten vor.


4./5. Dezember

Demonstranten besetzen die Gebäude des Staatssicherheitsdienstes im ganzen Land und sichern Waffen und Akten.


7. Dezember

Der Zentrale Runde Tisch tritt zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Verhandlungen um die Demokratisierung der DDR beginnen.


19./ 20. Dezember

Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Modrow treffen sich in Dresden, um über eine Vertragsgemeinschaft zu verhandeln. Von der Bevölkerung wird Kohl auf einer Kundgebung der CDU in Dresden stürmisch gefeiert.


Menschen reißen die Absperrung am Brandenburger Tor ein
Unter dem Jubel von mehr als 100.000 Menschen wird am 22. Dezember 1989, 28 Jahre nach dem Bau der Mauer, das Brandenburger Tor wieder geöffnet. © Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper

22. Dezember

Öffnung der Mauer am Brandenburger Tor. Um 0.30 Uhr wir das erste Betonteil aus der Verankerung gelöst.

23. Dezember

Die DDR-Passierschein-Büros in West-Berlin schließen für immer. Damit entfallen Visum und Zwangsumtausch für Bundesbürger.


1990


Mauerer mauert den Eingang zu
Berlin, 15.1.1990, Besetzung der MfS-Zentrale in der Normannenstraße, zu dieser Aktion hatte das Neue Forum Berlin aufgerufen. © Matthias-Domaschk-Archiv/Rolf Walter

15. Januar

Demonstranten vermauern den Eingang der MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg.

1. Februar

Nach Rückkehr aus Moskau legt Ministerpräsident Modrow seine Vorstellungen zur Vereinigung Deutschlands unter dem Titel „Deutschland einig Vaterland“ vor. In seinem Vier-Stufen-Plan sollen die beiden deutschen Staaten in Form einer Deutschen Föderation oder eines Deutschen Bundes zusammengehen.


10. Februar

Besuch des Bundeskanzlers und des Außenministers der Bundesrepublik in der Sowjetunion. Präsident Gorbatschow erklärt, die Sowjetunion werde die Entscheidung der Deutschen, in einem Staat zu leben, akzeptieren.


12. März

Auf seiner 16. und letzten Sitzung spricht sich der Zentrale Runde Tisch noch einmal gegen einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik durch einfache Übernahme des Grundgesetzes aus. Der Einigungsprozess solle so gestaltet werden, dass das Selbstbestimmungsrecht der Bürger und die Gleichberechtigung beider Staaten gewahrt bleiben.


18. März

Bei der Volkskammerwahl wird die Allianz für Deutschland mit knapp 50 Prozent der Stimmen gewählt.


1. Juli

Die Währungsunion ist vollzogen: Die D-Mark der Bundesrepublik ist in der DDR alleiniges Zahlungsmittel.


31. August

Der Vertrag zur Herstellung der Deutschen Einheit (Einigungsvertrag) wird in Ost-Berlin unterzeichnet.


© Robert-Havemann-Gesellschaft/Andreas Kämper

Sept./Okt. 1990

Mit der Besetzung des Stasi-Akten-Archivs erzwingen Bürgerrechtler die Öffnung der Stasi-Akten.

3. Oktober

Deutschland begeht den „Tag der Deutschen Einheit“


2. Dezember

Erste Bundestagswahl und erste Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im wiedervereinigten Deutschland.