Ein Audiowalk auf Berliner Trümmerbergen mit Erinnerungen von Zeitzeugen an den Zweiten Weltkrieg

Audiowalk auf dem Trümmerberg Humboldthöhe © Kulturprojekte Berlin, Foto: Alexander Rentsch

Vermittlungsprogramm zum Projekt  – Mai`45 – FRÜHLING IN BERLIN

GE(H)SCHICHTEN UNTER UNS: Ein Audiowalk auf Berliner Trümmerbergen mit Erinnerungen von Zeitzeugen an den Zweiten Weltkrieg.

Im Gedenken an 70 Jahre Kriegsende führten ungewöhnliche Entdeckungstouren auf drei Berliner Trümmerberge: den Volkspark Prenzlauer Berg (Oderbruchkippe), den Insulaner in Schöneberg und die Humboldthöhe im Wedding. Ausgestattet mit MP3-Playern, hörten die Teilnehmer Biografien von Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges. Vor Ort waren so die Auswirkungen des Krieges und deren Einfluss auf die Topografie und das Leben in der Stadt unmittelbar nachvollziehbar. Die Hörspaziergänge realisierte die Künstlerin Sonya Schönberger gemeinsam mit dem Rundfunkautor Norbert Lang.

Angebotszeitraum: 15. April bis 15. Juli 2015, Exkursionsangebot für Schulklassen der Sekundarstufe I und II, Montag bis Freitag, Beginn 9 oder 11 Uhr, max. 40 Teilnehmer insgesamt

Über die Projektmittel konnten 34 kostenlose Audiowalks für Schulklassen angeboten werden.

Christel wurde 1933 im ehemaligen Ostpreußen geboren. Nachdem ihr Vater, ein Zollbeamter, nach Berlin versetzt worden war, lebte die Familie bis 1943 in der Hauptstadt im Bezirk Alt-Moabit. Als die Bombenangriffe auf Berlin zunahmen, entschied sich Christels Mutter, mit ihr und ihren Geschwistern zu Verwandten nach Ostpreußen zu ziehen. Zur gleichen Zeit wurde der Vater einberufen und an die Ostfront entsandt. 1944 erhielt die deutschstämmige Bevölkerung Ostpreußens einen Aufruf mit der Aufforderung, das Gebiet zu verlassen. Die Flucht führte Mutter und Kinder zunächst nach Karlsbad, wo Christel die letzten Tage des Krieges erlebte. Später kamen sie mit viel Mühe wieder nach Berlin. 1945 hatte die Familie das letzte Lebenszeichen vom Vater erhalten.


Karl Heinz
wurde 1928 im Prenzlauer Berg in Berlin geboren. 1944 machte Karl Heinz am Humboldthain auf einem der vier Berliner Flaktürme eine Ausbildung zum Flakhelfer. Danach wurde er als Luftwaffenhelfer bei der Flak (Flugabwehrkanone) eingesetzt. Karl Heinz erlebte den Einmarsch der russischen Armee und nahm als Soldat Teil an den Kämpfen, die sich die Truppen in den letzten Tagen des Krieges in den Straßen Berlins lieferten. Am Brandenburger Tor geriet er in Kriegsgefangenschaft, kehrte jedoch nach kurzer Zeit zu seiner Familie zurück. 


Thea
wurde 1928 in der Winsstraße im Prenzlauer Berg geboren, wo ihre Eltern einen Kolonialwarenladen betrieben. Als der Krieg begann, sah sie die deutschen Truppen nach Osten marschieren und freute sich über schulfrei. Später erlebte sie viele Bombenangriffe im Keller des Hauses mit ihrer Mutter, die fast erblindet war. 1943 kam sie, nachdem ihre Schule in Berlin schloss, nach Pommern und wurde dort zwangsverpflichtet, mit vielen anderen Kindern Panzergräben zu schippen. Wieder in Berlin erlebte sie das Kriegsende in der Winsstraße unter großer Angst.