Veranstaltungsreihe "Der 17. Juni"

Machtkämpfe. Der 17. Juni 1953 - ein Aufstand im Kalten Krieg

Veranstaltungsreihe 2013

Der Kalte Krieg war mehr als die politische und militärische Konfrontation der Supermächte. Auch das wirtschaftliche und kulturelle Leben musste sich ihm lange unterordnen. Er begann mit dem Ende der Anti-Hitler-Koalition 1945. Dem sowjetischen Expansionsdrang setzten die USA 1947 die Truman-Doktrin entgegen, “alle freien Völker zu unterstützen.” 1948 folgte der Marshall-Plan.
Berlin wurde zum Kulminationspunkt des Kalten Krieges in Europa. Blockade und Luftbrücke markierten 1948/49 einen Höhepunkt. Parallel dazu vollzog sich die Spaltung der Stadt und Deutschlands. Der Kalte Krieg wurde zu dieser Zeit auch von den Geheimdiensten geführt, die wechselseitig hinter dem “eisernen Vorhang” agierten. Ein “heißer Konflikt” blieb Europa vor dem Hintergrund eines möglichen nuklearen Infernos aber erspart.
Stattdessen kam es in Korea 1950 zu einem verlustreichen Stellvertreterkrieg, der nach drei Jahren dort endete, wo er begonnen hatte. Für die Deutschen hatte er die Wiederbewaffnung in zwei gegeneinander gerichteten Militärblöcken zur Folge. Ein militärischer Konflikt in Europa wäre vor allem in Deutschland ausgetragen worden. Die SED-Diktatur stand Freiheit und Demokratie im Westen unversöhnlich gegenüber.
Der 1952 verkündete “Aufbau des Sozialismus” in der DDR führte zur Kommandowirtschaft, der Verstaatlichung fast aller Betriebe und dem Beginn der Kollektivierung auf dem Lande. Gleichzeitig erhöhte die SED den politischen Druck auf die Bevölkerung derart, dass sogar Moskau zur Mäßigung mahnte. Der 17. Juni 1953 war eine Reaktion darauf. Er entwickelte sich zum ersten Volksaufstand im Kalten Krieg.

23. Januar 2013

Als der Kalte Krieg begann …
Ein Expertengespräch

Zwei Experten der Geschichte des Kalten Krieges diskutieren über dessen Anfänge. Erörtert wird, wie aus den Siegern über Hitler-Deutschland erbitterte Gegner wurden. Nicht nur die historischen Ereignisse, sondern auch die Intentionen der Akteure kommen zur Sprache. Die Handlungsspielräume der Beteiligten im nuklearen Zeitalter sollen umrissen und die Konsequenzen für den Umgang mit Deutschland offengelegt werden.

Teilnehmer:

  • Prof. Dr. Bernd Greiner (Hamburger Institut für Sozialforschung)
  • Prof. Dr. Rolf Steininger (Universität Innsbruck)

Moderation:
Dr. Ulrich Mählert (Leiter des Arbeitsbereiches Wissenschaft der Bundesstiftung Aufarbeitung)

In Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

27. Februar 2013

Berlin im Kalten Krieg

Der Kalte Krieg begann schleichend. Schon 1946 stritten die Alliierten über die Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die SPD konnte im Ostsektor nicht verboten werden. 1948 verließen die Sowjets den Alliierten Kontrollrat. Als die Westmark 1948 auch in den Westsektoren eingeführt wurde, reagierte Stalin mit der Blockade. Die Westalliierten antworteten mit der Luftbrücke. In West-Berlin wurden aus den Besatzern nun Schutzmächte. Am 6. September 1948 spaltete sich das Berliner Stadtparlament. Drei Tage später appellierte Ernst Reuter an “die Völker der Welt”. Am 4. Dezember 1948 wurde die Freie Universität Berlin gegründet. Am 12. Mai 1949 endete die Blockade. Elf Tage später konstituierte sich die Bundesrepublik und am 7. Oktober 1949 die DDR. Berlin war zum Kulminationspunkt des Kalten Krieges geworden …

Dokumentarfilm: “Operation Luftbrücke” des RBB von Daniel und Jürgen Ast (Auszüge)

Kurzvortrag:
Dr. Burghard Ciesla (Historiker, Berlin)

Diskussion:

  • Dr. Burghard Ciesla
  • Prof. Dr. Stefan Creuzberger (Historiker, Rostock)
  • PD Dr. Peter Hoeres (Historiker, Gießen)

Moderation:
Dr. Gundula Bavendamm (Historikerin, Direktorin des Allierten Museums)

In Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Museum und dem Alliertenmuseum

27. März 2013

Die 2. Parteikonferenz der SED und der Aufbau des Sozialismus

Auf der 2. Parteikonferenz der SED vom 9. bis 12. Juli 1952 verkündete Ulbricht den “Aufbau des Sozialismus”. Die Vergesellschaftung der Industrie sollte vollendet und die Kollektivierung der Landwirtschaft vorangetrieben werden. Wirtschaftlich wurde auf die Schwerindustrie orientiert. Gleichzeitig verschärfte sich der Kampf der SED gegen die Opposition und die Kirchen. Hinzu kam eine umfassende Verwaltungsreform mit Bezirken anstelle der aufgelösten Länder. Die einschneidenden und hektisch umgesetzten Veränderungen führten bald zu einer ökonomisch-politischen Krise: Die Versorgung verschlechterte sich und Konsumgüter fehlten. Hinzu kam der wachsende politische Druck. Immer mehr Menschen flüchteten in den Westen.

Kurzvortrag:
Dr Stefan Wolle (Historiker, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums)

Diskussion:

  • Prof. Dr. Daniela Münkel (Historikerin beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen)
  • Dr. Norbert Podewin (Historiker und Ulbricht-Biograf)
  • Dr. Gerhard Wettig (Historiker und Kenner der sowjetischen Archive)
  • Dr. Stefan Wolle

Moderation:
Dr. Torsten Diedrich (Historiker, wissenschaftlicher Direktor am Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam)

In Kooperation mit dem DDR-Museum

25. April 2013

“Keine Gnade für die Volksfeinde!” –
Die Justiz als Geburtshelfer beim Aufbau des Sozialismus

Bei dieser Veranstaltung schildern Experten, wie die Justiz von der SED für die Rechtfertigung ihrer Herrschaft eingesetzt wurde. Jutta Braun berichtet über die Zentrale Kommission für Staatliche Kontrolle (ZKK) der SED, die bei angeblichen Wirtschaftsdelikten Schauprozesse durchführte. Die ZKK nahm dabei sogar staatsanwaltschaftliche Befugnisse wahr.
Petra Weber behandelt die “neue Justiz” in der DDR. Ihr Rückgrat bildeten in Schnellkursen ausgebildete “Volksrichter”. Zur politischen Verfolgung wurde ein Artikel der Verfassung von 1949 missbraucht, der keine Strafvorschrift war.
Roman Grafe schildert den Fall Itting. Jener hatte ein E-Werk und ein Volkshaus in Probstzella errichtet und damit die Situation der Arbeiter in sozialdemokratischer Tradition verbessert. Doch 1948 ließ ihm die SED den Prozess machen.

Kurzvorträge und Podiumsdiskussion:

  • Dr. Jutta Braun (Historikerin, Berlin)
  • Dr. Petra Weber (Historikerin, München)
  • Roman Grafe (Schriftsteller, Frankfurt/Main)

Moderation:
Dr. Falco Werkentin (Soziologe, Berlin)

In Kooperation mit dem Forum Recht und Kultur im Kammergericht e.V.

29. Mai 2013

Der 17. Juni 1953: Die Ereignisse in Berlin und der DDR

Schon seit dem 13. Juni 1953 kam es vielerorts in der DDR zu offenem Widerstand. Berliner Bauarbeiter diskutierten bei einer Dampferfahrt auf dem Müggelsee den Ausstand. Bauern verließen die LPG. SED-Funktionäre erhielten Prügel. Das Volk eroberte die Straßen. Haftanstalten wurden gestürmt und Gefangene befreit. Auf den Protest gegen die Normerhöhungen folgte die Forderung nach freien Wahlen und das Verlangen nach der deutschen Einheit. An mindestens 700 Orten wurde demonstriert. Mancherorts übernahmen die Aufständischen die Macht. Dann rollten am 17. Juni 1953 sowjetische Panzer. Der erste Aufstand im Kalten Krieg endete blutig.
Bei unserer Veranstaltung wird aus erster Hand über die Geschehnisse vor 60 Jahren berichtet.

Begrüßung:

  • Thomas Heilmann (Senator für Justiz und Verbraucherschutz)
  • Jutta Kaddatz (Stadträtin für Bildung, Kultur und Sport des Bezirks Tempelhof-Schöneberg)

Kurzvortrag:
Dr. Jens Schöne (Historiker, Stellvertretender Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen)

Podiumsdiskussion:

  • Dr. Fred Ebeling (damals Henningsdorf / Berlin)
  • Klaus Gronau (damals Berlin)
  • PD Dr. Siegfried Heimann (damals Görlitz)
  • Dr. Walter Schöbe (damals Leipzig)
  • Dr. Jens Schöne

Moderation:
Sven Felix Kellerhoff (Journalist und Autor)

In Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Museum und der Gedenkstätte Berliner Mauer

7. August 2013

Vom 17. Juni zum Mauerbau

Beim ersten Aufstand im Kalten Krieg am 17. Juni 1953 war die SED-Führung mit Hilfe der sowjetischen Panzer an der Macht geblieben. Nach dem zunächst verkündeten “neuen Kurs” wurde der Aufbau des Sozialismus fortgesetzt. Die Justiz ging brutal gegen Widersacher vor. Der Kampf gegen die Kirchen setzte sich fort. Die Kollektivierung auf dem Lande trieb Hunderttausende zur Flucht in den Westen. Das Regime konnte sich nur mit dem Mauerbau stabilisieren.

Vortrag:
Prof. Dr. Manfred Wilke (Soziologe, Berlin)

Podiumsdiskussion:

  • Prof. Dr. Stefan Karner (Historiker, Graz)
  • Dr. Michael Kubina (Historiker, Berlin)
  • Prof. Dr. Michael Lemke (Historiker, Berlin)
  • Prof. Dr. Manfred Wilke

Moderation:
Harald Asel (Journalist beim rbb-Inforadio)

In Kooperation mit der Gedenkstätte Berliner Mauer und dem rbb-Inforadio

25. September 2013

1956 – Der Ungarische Aufstand

In Ungarn kam es 1956 zum zweiten Volksaufstand im Kalten Krieg. Als die Regierung am 23. Oktober auf eine friedliche Großdemonstration schießen ließ, folgten gewalttätige Auseinandersetzungen. Binnen weniger Tage wurde eine neue Regierung gebildet und der Austritt aus dem Warschauer Pakt erklärt. Am 4. November rollten sowjetische Panzer in Budapest ein. Der bewaffnete Widerstand hielt eine Woche an und forderte 3.000 Tote. Der Westen griff nicht ein.

Kurzvorträge:

  • Prof. Dr. Andreas Oplatka (Historiker, Zürich)
  • Krisztián Ungváry (Historiker, Budapest)

Podiumsdiskussion:

  • Prof. Dr. Andreas Oplatka
  • Dr. Andreas Schmidt-Schweizer (Historiker, Budapest)
  • Krisztián Ungváry

Moderation:
Boris Kálnoky (Politologe und Journalist, Istanbul)

In Kooperation mit dem Collegium Hungaricum

30. Oktober 2013

1968 – Der “Prager Frühling”

Die Übernahme des Parteivorsitzes durch Alexander Dubcek im Januar 1968 markierte den Beginn der Veränderungen in der Tschechoslowakei 1968. Reformkommunisten und kritische Intellektuelle wollten einen “Sozialismus mit menschlichem Antlitz”. Wirtschaftsreformen, Informationsfreiheit und die Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie standen auf dem Programm. Die Aufhebung der Zensur führte zu einer “Informationsinflation”. Prag wurde ein Zentrum der rebellierenden Jugend. Der konservative Flügel der Partei und Machthaber wie Ulbricht und Schiwkow drängten Breschnew zum Eingreifen. Mit dem Einmarsch am 21. August 1968 machten sowjetische, polnische, ungarische und bulgarische Truppen dem “Prager Frühling” ein Ende. Der Westen griff nicht ein. Der Kalte Krieg setzte sich fort.

Begrüßung:
Dr. Rudolf Jindrák (Botschafter der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland)

Vortrag:
Dr. Oldrich Tuma (Direktor des Instituts für Zeitgeschichte Prag)

Diskussion:

  • Jan Faktor (Schriftsteller und Übersetzer, Berlin)
  • Dr. Tobias Weger (Historiker, Oldenburg)
  • Dr. Oldrich Tuma

Moderation:
Dr. Eva Hahn (Historikerin, Oldenburg)

In Kooperation mit der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin

20. November 2013

1980/81 – Solidarnosc und Kriegsrecht in Polen

Nach Preiserhöhungen kam es im August 1980 überall in Polen zu Streiks. In Danzig bildete sich die unabhängige Gewerkschaft “Solidarnosc” (Solidarität), die bald bis zu 9,5 Millionen Mitglieder zählte und das Geschehen im Land mitbestimmte. Doch am 13. Dezember 1981 verhängte General Jaruzelski das Kriegsrecht – angeblich, um einer sowjetischen Intervention zuvorzukommen. Solidarnosc arbeitete im Untergrund weiter und spielte 1988/89 wieder eine entscheidende Rolle.

Begrüßung:
Dr. Jerzy Marganski (Botschafter der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland)

Kurzvortrag:
Basil Kerski (Leiter des Europäischen Solidarnosc-Zentrums Danzig)

Podiumsdiskussion:

  • Prof. Dr. Hans-Henning Hahn (Historiker, Oldenburg)
  • Basil Kerski
  • Andrzej Stach (Journalist, Berlin)

Moderation:
Prof. Dr. Michael Müller (Historiker, Halle)

In Kooperation mit der Botschaft der Republik Polen in Berlin

4. Dezember 2013

1989/90 – Die Friedliche Revolution in der DDR und das Ende des Kalten Krieges

Die Veranstaltung soll ein Resümee der Reihe ziehen. Vor allem wird es um die veränderten Rahmenbedingungen gehen, die 1989/90 die deutsche Einheit und das Ende des Kalten Krieges ermöglichten. Welche internationalen Entwicklungen waren dafür maßgeblich? Welche Rolle spielte der Vier-Mächte-Status von Berlin? Was bedeutete er für die Herstellung der deutschen Einheit, den europäischen Einigungsprozess und das Ende der weltweiten Blockkonfrontation?

Einführung:
Prof. Dr. Wilfried Loth (Historiker, Essen-Duisburg)

Podiumsdiskussion:

  • György Dalos (Schriftsteller, Budapest / Berlin)
  • Prof. Dr. Jürgen Kocka (Historiker, Berlin)
  • Markus Meckel (letzter DDR-Außenminister, Berlin)
  • Prof. Dr. Wilfried Loth

Moderation:
Harald Asel (Journalist, rbb-Inforadio)

In Kooperation mit der Bundesstiftung für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem rbb-Inforadio