„Selbstbehauptung, Widerstand und Verfolgung. ‚Die Sozialistische Jugend Deutschlands - DIE FALKEN’ in Berlin 1945 bis 1961“

Die Ausstellung

Falken-Ausstellung 2008
Bild: Plakat LStU Berlin

Die Ausstellung betrifft ein fast vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte: In Berlin kämpften junge Leute für die Freiheit. Die Akteure waren demokratische Sozialisten – und damit Gegner der SED. Die Restauration im Westen lehnten sie ebenso ab wie die neue Diktatur im Osten. Sie zählten zur „Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD) – Die FALKEN.“

1947 hatte die Alliierte Kommandantur die FALKEN für ganz Berlin zugelassen. Als SPD-nahe Jugendorganisation bestanden sie auf ihrem Recht, auch in Ost-Berlin tätig zu sein. Damit waren die FALKEN ein Stachel im Fleisch der SED. Die sowjetische Besatzungsmacht bekämpfte die FALKEN ebenso wie die Volkspolizei und die Staatssicherheit mit ihren Vorläuferorganisationen.

Die Ausstellung dokumentiert die Arbeit der FALKEN in Berlin zwischen 1947 und 1961: Spieleabende in Jugendheimen, Ausflüge in die Umgebung, politische Schulungen, Diskussionen und Demonstrationen bis hin zur Durchführung selbstverwalteter Ferienlager. Es wurde versucht, in Ost-Berlin präsent zu bleiben. Die Konflikte dort spitzten sich aber immer weiter zu.

Dabei stellten die FALKEN sich auch der Verfolgung junger Christdemokraten entgegen und verteilten Sonderausgaben der SPD-nahen Tageszeitung „Telegraf“. Der absolute Herrschaftsanspruch von SED und FDJ wurde zu keinem Zeitpunkt akzeptiert. Die FALKEN klebten Plakate mit der Parole „… leben wollen wir und arbeiten. Und freie Menschen wollen wir sein!“

Stasi, Vopo und SED-Justiz gingen immer brutaler gegen die FALKEN vor. Nach dem Mauerbau 1961 mussten die FALKEN ihre Aktivitäten in Ost-Berlin einstellen. Eine freie Jugendarbeit im Ostsektor war nicht mehr möglich. Viele FALKEN flohen nach West-Berlin. Andere überlebten das SED-Regime.

Sechs FALKEN verloren ihr Leben – in sowjetischen Internierungslagern, durch Schüsse der Volkspolizei auf friedliche Demonstranten und bei den Hinrichtungen angeblicher Spione in Moskau. Über 70 FALKEN wurden zu zum Teil hohen und höchsten Freiheitsstrafen verurteilt. Den Opfern der politischen Verfolgung ist die Ausstellung gewidmet.

Umfang der Ausstellung:

  • 30 selbststehende Tafeln, 1×2 m
  • 3 weitere selbststehende Tafeln, dito ca. 1 × 2 m, die historische Plakate zeigen
  • Eine zusammenhängende Wand von insgesamt 6,40 m Länge zum Schicksal von 32 verurteilten Falken
  • Eine hochstehende Vitrine, die Wimpel von Ost-Berliner Falkengruppen enthält
  • Zwei Vitrinen mit Falken-Publikationen

Macher der Ausstellung:

Die Ausstellung erarbeitete Dr. Falco Werkentin. Er wurde 1944 in Tangermünde geboren und überwand im November 1961 die Grenze nach West-Berlin. Dort studierte er ab 1964 Soziologie an der FU Berlin. Danach war er als Assistent und Lehrbeauftragter tätig. 1982 promovierte Werkentin über die Geschichte der Polizei in der Bundesrepublik. Als Redakteur der Zeitschrift „Bürgerrechte & Polizei/CILIP“ zählte er zu den schärfsten Kritikern polizeistaatlicher Tendenzen und wurde vom Verfassungsschutz überwacht. Seit 1990 erforschte er die Justizgeschichte der DDR und verfasste die wichtigste Darstellung über „Politische Strafjustiz in der Ära Ulbricht“. Von 1993 bis 2007 war er stellvertretender Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Begleitprogramm der Ausstellung:

Als Begleitprogramm zur Ausstellung werden Vorträge und ein Film zur Ausstellung angeboten. Referenten sind Priv.-Doz. Dr. Siegfried Heimann und Dr. Falco Werkentin. Ihre Themen lauten: „Die Berliner FALKEN im Kampf für die Freiheit“ und „Die Berliner FALKEN als Feindobjekt der Staatssicherheit“. Weiterhin kann ein 22minütigen Begleitfilm zur Ausstellung mit Interviews Berliner FALKEN eingesetzt werden.

Eine Ausstellung des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen
Ansprechpartner für die Ausstellung: Dr. Klaus Bästlein
Scharrenstr. 17, 10117 Berlin-Mitte, Tel.: 030 / 24 07 82 21