Die Preisträger des Berliner Präventionspreises 2016

1. Preis - 4.500,- €

Aktionsbündnis gegen Gewalt an gehörlosen Menschen

Link zu: Homepage der Kampagne gegen Gewalt an Gehörlosen
Bild: Ev. Gemeinde der Gehörlosen in Berlin e. V.

Einrichtung: Evangelischer Gemeindeverein der Gehörlosen in Berlin e. V.
Kontakt:
Ansprechpartner: Herr Dr. Roland Krusche
Anschrift: Bernburger Str. 3-5, 10963 Berlin
Tel.: Tel.: 030 2652632
E-Mail: r.krusche@hoer.ekbo.de
Internet: www.taub-gewalt-stop.net

Beratung und Unterstützung von gehörlosen gewaltbetroffenen Opfern, auch in Gebärdensprache

Das Aktionsbündnis unterstützt gehörlose, gewaltbetroffene Menschen dabei, Wege aus der Gewalt zu finden, indem es Beratung, Hilfsangebote und Öffentlichkeitsarbeit vernetzt und in Gebärdensprache zugänglich macht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Schutz- und Hilfsangeboten bei häuslicher Gewalt.

Gewalt ist in der Gehörlosengemeinschaft hoch tabuisiert. Ein öffentliches Gespräch über Gewalt ist daher sehr schwierig. Dazu kommt: Für gehörlose Menschen ist körperliche Berührung selbstverständlich. Die Grenze zwischen gebotener und übergriffiger Berührung wird dabei oft nicht wahrgenommen. Zunächst ist daher wichtig, dass Gewalt als Gewalt wahrgenommen werden kann. Erst mit dieser Wahrnehmung ist überhaupt Selbstschutz oder Hilfesuche möglich.

Das Aktionsbündnis reagiert darauf mit Informationsveranstaltungen, Materialien sowie Hinweisen in Artikeln und auf der Internetseite.

Die Beratung für von Gewalt betroffene taube Menschen wurde bisher von allgemeinen Beratungsstellen für Gehörlose übernommen, wo gebärdensprachkompetente Mitarbeiterinnen für dieses Thema qualifiziert wurden. Diese Beratungsstellen wurden aber von tauben Frauen nicht aufgesucht, weil sie eine weitere Stigmatisierung innerhalb der überschaubaren Gehörlosengemeinschaft fürchteten.

Das Aktionsbündnis gegen Gewalt an gehörlosen Menschen wurde für den Publikumspreis Deutscher Engagementpreis 2017 nominiert.
Weitere Informationen unter www.deutscher-engagementpreis.de

Präsentation des Projektes „Aktionsbündnis gegen Gewalt an gehörlosen Menschen“

PDF-Dokument (307.8 kB)

2. Preis - 4.500,- €

Zeug_innenbegleitung für Mädchen und junge Frauen bis 21 Jahre

Link zu: Homepage des Wildwasser e. V.
Bild: Wildwasser e. V.

Einrichtung: Wildwasser e. V.
Kontakt:
Ansprechpartnerin: Frau Irina Leichsenring
Anschrift: Wriezener Str. 10-11, 13359 Berlin
Tel.: 030 48628232
E-Mail: geschaeftsfuerung@wildwasser-berlin.de
Internet: www.wildwasser-berlin.de/zeuginnenbegleitung

Bildvergrößerung: die Preisträgerinnen vom Wildwasser e. V. im Gruppenbild mit Herrn Staatssekretär Statzkowski
Bild: Landeskommission Berlin gegen Gewalt

Begleitung von betroffenen Zeuginnen und Geschädigten zum Gericht, Aufklärung und Information über das Strafverfahren

Kinder und Jugendliche, die sexuell missbraucht werden, machen Unvorstellbares mit. Zu dem oft traumatisierenden Missbrauch kommt noch die Belastung, im Falle eines Strafverfahrens als Zeugin aussagen zu müssen und dabei häufig auch wieder einem Zusammentreffen mit dem Täter ausgesetzt zu sein.

Gerade in solchen Situationen benötigen von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche auf ihr Alter abgestimmte Betreuung, Aufklärung und Informationen über den Ablauf eines Strafverfahrens sowie unterstützende Begleitung.

Die Mädchenberatungsstellen von Wildwasser e. V. bieten genau diese notwendige Unterstützung im Rahmen der Zeuginnenbegleitung an. Sie begleiten Kinder und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen, entängstigen, beruhigen und stärken, um eine Retraumatisierung durch das Strafverfahren zu verhindern.

Bisherige Rückmeldungen zeigen, dass dies gut gelingt. Die begleiteten Kinder und Jugendlichen sagten danach, dass sie durch die Zeuginnenbegleitung informiert und emotional gestärkt wurden.

3. Preis - 3.500,- €

LANA – Fachberatungsstelle gegen Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der Ehre

Link zu: Homepage des Terre des Femmes e. V.
Bild: Terre des Femmes e. V.

Einrichtung: TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e. V.
Kontakt:
Ansprechpartnerin: Frau Katrin Schwedes
Anschrift: Brunnenstraße 128, 13355 Berlin
Tel.: Tel.: 030 40504699-0
E-Mail: beratung@frauenrechte.de
Internet:
www.frauenrechte.de
www.zwangsheirat.de

Bildvergrößerung: die Preisträgerinnen vom Terres des Femmes e. V. im Gruppenbild mit Herrn Senator Henkel und Herrn Staatssekretär Statzkowski
Bild: Landeskommission Berlin gegen Gewalt

Unterstützung betroffener Mädchen und junger Frauen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen

Die LANA – Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre hat das Ziel, betroffene Mädchen und junge Frauen darin zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt zu führen. Die Fachberatungsstelle berät Bedrohte und Betroffene zielgruppengerecht und erarbeitet mit ihnen Lösungsschritte, um sie bestmöglich vor Gewalt zu schützen.

Darüber hinaus erhalten Mitarbeiter/innen von Berliner Beratungsstellen und Behörden, die mit bedrohten und betroffenen Mädchen und Frauen in Kontakt stehen, Unterstützung durch kollegiale Fallbesprechungen.

Im Bereich der Elternarbeit wurden Berliner Kiez- und Stadtteilmütter speziell zum Thema geschult, um durch sie die Elterngeneration der Betroffenen zu erreichen.

In den letzten drei Jahren haben die Beraterinnen von LANA knapp 400 Frauen beraten. Zum Teil wurden die Frauen über zwei Jahre begleitet und unterstützt. LANA – Fachberatungsstelle gegen Zwangsheirat und Gewalt im Namen der Ehre ist ein Projekt von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e. V.

Sonderpreis der Securitas GmbH Sicherheitsdienste - 1.000,- €

berliner jungs - Mobile Jungenarbeit und Beratung zu sexueller Gewalt

Link zu: Internetauftritt des Projekts „Berliner Jungs“
Bild: Hilfe für Jungs e. V.

Einrichtung: HILFE-FÜR-JUNGS e. V.
Kontakt:
Ansprechpartner: Herr Ralf Rötten
Anschrift: Nollendorfstraße 32, 10177 Berlin
Tel.: 030 21965167
E-Mail: Ralf-roetten@hilfefuerjungs.de
Internet: www.jungen-netz.de

Bildvergrößerung: die Preisträger vom Hilfe für Jungs e. V. im Gruppenbild mit Herrn Senator Henkel, Herrn Staatssekretär Statzkowski und Herrn Salewski von der Securitas GmbH Sicherheitsdienste
Bild: Landeskommission Berlin gegen Gewalt

berliner jungs arbeitet mit Jungen, die sexuelle Gewalt erlebt haben

Die Arbeit orientiert sich an den Strukturen vor Ort. Es wird ein Ring um pädosexuelle Aktivitäten gelegt. Die Arbeit richtet sich an betroffene Jungen, die sexuelle Übergriffe erlebt haben, sowie an Angehörige und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (Polizei, Jugendhilfe, Fachpersonal der Schulen).

Ziel des Projekts ist es, Jungen zu stärken, indem sie Täterstrategien offenlegen. Den Jungen soll klar werden, dass ihr Schweigen und ihre Vereinzelung dem Täter nutzen. Sie sollen lernen, dass man auch Erwachsenen gegenüber klar und deutlich „Nein“ sagen kann und dass es erlernbare Verhaltensweisen gibt, die einen schützen.

Nach einer Studie der Freien Universität Berlin, die sich mit sexuellen Übergriffen auf Jungen im öffentlichen und halböffentlichen Raum befasste, wurde

  • jeder 4. Junge in seinem Freizeitraum sexuell intendiert durch unbekannte Männer angesprochen und
  • jeder 16. Junge in sexuelle Übergriffe mit oder ohne Körperkontakt verwickelt.

In Zahlen bedeutet dies, dass von den ungefähr 200.000 Jungen unter 15 Jahren in Berlin 50.000 Jungen sexuell intendiert angesprochen wurden; rund 16.000 Jungen sexuelle Gewalt mit oder ohne Körperkontakt erlebt haben.

Jungen in Krisensituationen bekommen passende Hilfen vom Projekt berliner jungs und werden ggf. zu den entsprechenden Stellen (Polizei, Rechtsbeistände, Gericht) weitergeleitet oder begleitet.

Sexuelle Gewalt an Jungen wird benannt, sichtbar gemacht und zum öffentlichen Thema.

Sonderpreis der Unfallkasse Berlin - 1.000,- €

Ausstellungen „ECHT STARK“, „ECHT FAIR“, „ECHT KRASS“

Link zu: Internetauftritt zur Ausstellung
Bild: Kooperationsbündnis Pankow

Einrichtung: Kooperationsbündnis von Jugendamt, regionaler Schulaufsicht, SIBUZ, Polizeidirektion 1, Stiftung SPI, Koordinierungsstelle der Kooperation Schule und Jugendhilfe in Pankow, Plan-Leitstelle Gesundheit Bezirksamt Pankow, Erzieher*innen-Schule des SPI, BIG-Prävention, Regionaler Fortbildung, Petze e. V., Strohhalm e. V., Wildwasser e. V. und dem SFBB
Kontakt:
Ansprechpartner: Herr Friedrich Kampmann (Koordinator für schulische Prävention Pankow)
Anschrift: Gleimstr. 49, 10437 Berlin
Tel.: 030 40500558, 0163 9130300
E-Mail: friedrich.kampmann@senbjw.berlin.de
Internet (unter anderem):
www.strohhalm-ev.de/echt-stark!-interaktive-wanderausstellung
www.big-berlin.info/medien/echt-fair

Bildvergrößerung: die Preisträger vom Kooperationsbündnis Pankow im Gruppenbild mit Herrn Senator Henkel, Herrn Staatssekretär Statzkowski und Herrn Laßok von der UKB
Bild: Landeskommission Berlin gegen Gewalt

Ausstellungsreihe mit interaktiven Ausstellungen zur Prävention von sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt

Präventive Themen, wie Schutz vor sexuellem Missbrauch, Schutz vor (häuslicher) Gewalt, Prävention von (sexueller) Gewalt in Beziehungen zwischen Jugendlichen, anzusprechen und mit Schülerinnen und Schülern zu behandeln, ist nicht ganz einfach – aber wichtig. Die ECHT! – Ausstellungen von Petze e. V. in Kiel haben da einen interaktiven Zugang gefunden, auf den die Kinder und Jugendlichen sich einlassen, der sie ins Gespräch bringt und zum Nachdenken anregt.

Die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher werden darin bestärkt,

  • auf ihre innere Stimme, die sie vielleicht warnt, zu hören,
  • gute und schlechte Geheimnisse zu unterscheiden,
  • darüber nachzudenken, wer ihnen helfen könnte und sich zu trauen, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen,
  • das Sprechen auch über scheinbar peinliche Themen zu versuchen und zu merken, dass auch andere Menschen ähnliche Probleme kennen und dass Reden hilft,
  • dass sie Freundinnen und Freunden helfen können und sich selbst Unterstützung holen können, wenn sie helfen wollen,
  • sich zu informieren über Gewaltphänomene,
  • auf ihre Rechte zu bestehen.
  • ihren eigenen Weg, jenseits der Rollenzuschreibungen für Mann und Frau, zu gehen.

Der Pankower Ausstellung „ECHT STARK!“ In 2014 für die 1. – 5. Klassen zur Prävention von sexuellem Missbrauch folgte im darauffolgenden Jahr die Ausstellung „ECHT FAIR!“ zur Prävention von häuslicher Gewalt für die 5. – 8. Klassen. Im Januar 2017 ist eine weitere Ausstellung „ECHT KRASS!“ zur Prävention von sexueller Gewalt in Beziehungen zwischen Jugendlichen ab der 8. Klasse geplant. Dabei werden nicht nur Schulklassen einbezogen, sondern auch die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und mit „ECHT KRASS“ auch Jugendhilfeprojekte sowie Willkommensklassen.