Interkulturelle Öffnung in der Personalratsarbeit

Pressemitteilung vom 13.07.2017

Die Verwaltung Berlins sucht neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Jahrelang bestimmten Einsparungen und Einstellungsstopp die Beschäftigungspolitik im öffentlichen Dienst der Stadt. Das ändert sich zurzeit. In allen Bereichen werden neue Beschäftigte eingestellt. Das bringt bessere Voraussetzungen, wesentliche Ziele des Partizipations- und Integrationsgesetzes umzusetzen, nämlich die interkulturelle Öffnung der Verwaltung, vor allem aber Chancengleichheit und Teilhabe aller Menschen unabhängig ihrer Herkunft herzustellen. In der Praxis bedeutet das zu allererst, Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt einzustellen, um sie gemäß ihrem Anteil in der Bevölkerung zu beschäftigen.
Ein wichtiger Partner sind dabei die Personalvertretungen. Wie sind beispielsweise Personalräte auf die interkulturelle Öffnung vorbereitet?

Die Mitglieder des Personalrats der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen bzw. jetzt der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales haben sich intensiv mit den Fragen auseinandergesetzt, wie sich interkulturelle Öffnung konkret in der Personalratsarbeit implementieren lässt. Das Ergebnis dieses Prozesses liegt jetzt gedruckt vor: „Interkulturelle Öffnung in der Personalratsarbeit“, herausgegeben von Berlins Integrationsbeauftragtem Andreas Germershausen.

Das Ziel der Arbeit umreißt Ulrich Schenk, Personalratsvorsitzender in der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales:

  • „Wir geben mit dieser Broschüre einen Teil der Geschichte mit unseren Erfahrungen aus der Auseinandersetzung mit Themen der interkulturellen Öffnung den anderen Personalräten an die Hand. Und das ist neu, das gibt es zumindest in Berlin noch nicht. Berlin ist an vielen Stellen Vorreiter, u. a. beim Partizipationsgesetz. So ein Gesetz muss mit Leben gefüllt werden und um das zu tun, ist die IKÖ, die interkulturelle Öffnung, ein Vehikel. Das gilt auch für uns als Personalräte. Wenn wir dann die entsprechende Erweiterung des Aufgabenbereiches der Personalvertretungen im Rahmen des Personalvertretungsgesetzes durchsetzen können, haben wir schon viel gewonnen.“

Es gibt allerdings auch in den Personalräten noch Vorbehalte, die zu überwinden sind. Selbst das Personalvertretungsgesetz ist nicht auf der Höhe der Zeit. In §72 des Berliner Personalvertretungsgesetzes ist immer noch von „ausländischen Dienstkräften“ die Rede, die es einzugliedern gilt.

Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Andreas Germershausen, begrüßt, dass die Diskussion darüber, wie interkulturelle Öffnung auch in der Personalratsarbeit verankert werden kann, Fahrt aufnimmt:

  • „Ich sehe es als Meilenstein, dass der Personalrat sich so deutlich für die interkulturelle Öffnung positioniert hat und hoffe, dass diese Arbeit sich zum Motor entwickelt, die interkulturelle Öffnung fester zu verankern. Auch Gewerkschaften und Personalvertretungen brauchen auf diesem Handlungsfeld Unterstützung und Rückenstärkung. Einen wesentlichen Schub aber, denke ich, bringen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf eine Einwanderungsgeschichte verweisen können; wenn es gelingt, sie zu motivieren, sich stärker in die Personalratsarbeit einzubringen oder sich bei Wahlen aufstellen zu lassen.“

Die Herausforderungen, die Ziele des Partizipations- und Integrationsgesetzes in der Personalpolitik umzusetzen, umreißt Daniela Ortmann, Vorsitzende des Hauptpersonalrats für die Behörden, Gerichte und nichtrechtsfähigen Anstalten des Landes Berlin:

  • „Der Hauptpersonalrat begrüßt die Initiative unserer Personalratskolleginnen und -Kollegen, das PersVG hinsichtlich des § 72 zu ändern. Wir fordern insbesondere in der Diversitätsdiskussion schon lange, dass der öffentliche Dienst die Zusammensetzung der Berliner Bevölkerung widerspiegeln soll. Hier ist der Senat gefordert, gezielt bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund für die vielfältigen Tätigkeiten im öffentlichen Dienst zu werben. Sollte dies erfolgreich gelingen, wird die interkulturelle Öffnung der „Bestandbeschäftigten“ wie der neuen Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund die neue Herausforderung sein. Es gilt, sich wechselseitig zu öffnen und zu interessieren für die jeweils vorhandenen Kulturen, Erfahrungen und Werte.“

Dabei spielt sicher auch eine wesentliche Rolle, welches Augenmerk die Gewerkschaften auf die interkulturelle Öffnung legen. Dazu Susanne Stumpenhusen, Landesbezirksleiterin ver.di Berlin-Brandenburg:

  • „ver.di setzt sich ein für eine pluralistische Gesellschaft, in der Toleranz und gleiche Rechte gelten – unabhängig von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, vom Alter oder der sexuellen Identität! Und ganz persönlich finde ich es wichtig, dass der Öffentliche Dienst der Bundeshauptstadt die Vielfalt unserer Einwohner*innen in jeder Hinsicht widerspiegelt!“

Zusammengestellt hat die aktuelle Bestandsaufnahme Christian Raschke, Autor und Leiter von „Vielfalt gestalten“:

  • „Ich halte es für eine blauäugige Hoffnung, dass sich die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den Gremien unserer Interessenvertretungen und im Öffentlichen Dienst von alleine signifikant erhöhen wird, sondern denke, dass wir in allen Organisationen eine Organisationsentwicklung zur interkulturellen Öffnung durchführen sollten, wobei ähnliche Fragen gestellt werden müssen, wie die denen sich der Personalrat gestellt hat. Und dann muss man sicher über geeignete Instrumente der Organisationsentwicklung nachdenken. Ich schlage in dieser Veröffentlichung Fokusgruppen für Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund vor, die die Verwaltungen bei ihrer interkulturellen Öffnung unterstützen, aber auch über Fördermaßnahmen wie Mentoring und Coaching, Einstellungskorridore und sogar über Quoten muss man nachdenken.“

Bezugsmöglichkeit

Die Veröffentlichung „Interkulturelle Öffnung in der Personalratsarbeit“
ist in der Reihe „Berliner Hefte zur interkulturellen Verwaltungspraxis erschienen“, die der Integrationsbeauftragte herausgibt.

Das Heft ist dort kostenlos erhältlich. Bestellungen sind möglich unter E-Mail: integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de

Außerdem ist es als Download abrufbar unter:

http://www.berlin.de/lb/intmig/veroeffentlichungen/interkulturelle-oeffnung/

Interkulturelle Öffnung, Definition

Interkulturelle Öffnung zielt darauf ab, dass alle Bevölkerungsgruppen einen chancengleichen Zugang zu öffentlichen Leistungen und sozialen Diensten erhalten. Interkulturelle Öffnung ist ein Prozess, mit dem die jeweilige Organisation Veränderungen in Gang setzt, um sich auf die wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich aus einer heterogenen Bevölkerung ergeben, einzustellen.

Für Verwaltungen bedeutet das insbesondere:

  • Wahrnehmung von Veränderungen im Hinblick auf Nutzer/innen, Klienten/innen und Kunden/innen,
  • Überprüfung der existierenden Strukturen, Konzepte, Dienstleistungen etc. im Hinblick auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen im jeweiligen Verantwortungsbereich,
  • Ggf. die Neuausrichtung/Modifizierung der bisherigen Strukturen, Angebote etc., um gleichberechtigte Teilhabe und einen chancengleichen Zugang aller Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten.