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Schlagworte der Integrationsdebatte

Sind die Schulen mit einem hohen Migrantenanteil die schlechteren Lernorte?


Auch für Schulen mit einem hohem Migrantenanteil gilt die Binsenweisheit: es gibt gute und weniger gute Schulen. Die Guten wurden vor einigen Jahren in einer Broschüre des Berliner Integrationsbeauftragten (PDF-Download) hervorgehoben. Sie liegen im Norden Neuköllns, in Kreuzberg und im Wedding. In den Kiezen Berlins also, in denen es, dem gängigen Vorurteil folgend, keine brauchbaren Schulen geben dürfte. Jüngstes Beispiel für den Wandel einer sogenannten Problemschule in einen vorbildlichen Lernort ist die Rütlischule im Neuköllner Reuterkiez. Vor fünf Jahren noch als Synonym für das Scheitern des deutschen Bildungssystems gebrandmarkt, ist Campus Rütli mittlerweile zu einer modernen Vorzeigeschule geworden, in der viele Ansätze umgesetzt werden, die Pädagogen seit langem fordern: gebundener Ganztagsschulbetrieb, kleine Lerngruppen, Kooperation mit Projekten im Sozialraum, kleinere Klassenfrequenzen, frühzeitige Berufsorientierung etc.

Gerade auf Grund des hohen Handlungsdrucks haben viele Schulen in den sozialen Brennpunkten Berlins bereits seit längerem einen Reformkurs eingeschlagen – oftmals unbeachtet von der Öffentlichkeit. Sie binden Eltern stärker ein, bilden das Lehrerpersonal gezielt fort und legen großen Wert auf Sprachförderung. Den rechtlichen Rahmen bietet das Berliner Schulgesetz aus dem Jahr 2004, das zu den modernsten in Deutschland gehört.

Die ergriffenen Maßnahmen müssen ausgebaut und verstärkt werden. Dass immer noch ein Drittel aller Migrantenkinder vor der Einschulung nicht ausreichend Deutsch spricht, zeigt, wie viel noch getan werden muss. Das Berliner Kindertagesförderungsgesetz von 2005 sowie das 2008 in Kraft getretene Gesetz zur vorschulischen Sprachförderung setzen den rechtlichen Rahmen. Seit 2008 ist die Sprachstandsfeststellung 15 Monate vor der Einschulung für alle Kinder verpflichtend. Eine intensive einjährige Sprachförderung, für die Kinder, die den Anforderungen nicht genügen, schließt sich an. Es ist davon auszugehen, dass sich die Sprachkenntnisse zum Zeitpunkt der Einschulung bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, auf Grund dieser Maßnahmen in den nächsten Jahren deutlich verbessern werden.
Die bereits relativ hohe Quote bei Migrantenkindern zwischen drei und sechs Jahren von zwischen 85 und 90 % (genauere Zahlen liegen nicht vor), die Kindertagesstätten besuchen, ist zudem ein positives Zeichen für die Bildungsorientierung von Einwandererfamilien.

Gerade im Hinblick auf die interkulturelle Ausgestaltung des Unterrichts, die im Berliner Schulgesetz festgelegt wurde, sind weitere Reformen an Schulen notwendig. Denn auch die Sprachforschung zeigt: in einem Umfeld, das interkulturelle Bildung ganzheitlich versteht, erzielt die Sprachförderung bessere Ergebnisse. Sie ist dann kein Sonderfach für Migrantenkinder mehr, sondern fließt als fester Bestandteil in den Fachunterricht ein.

Schulen, die einen solchen ganzheitlichen interkulturellen Ansatz verfolgen, haben einen besonderen Vorteil. Sie stellen sich bereits frühzeitig auf einen demographischen Trend ein, der vor Berlin nicht Halt machen wird. Im Jahr 2020 werden deutlich mehr als 50 % der Kinder an Berliner Schulen einen Migrationshintergrund haben. Die interkulturelle Gestaltung schulischer Vielfalt ist, angesichts dieser Bevölkerungsentwicklung, alternativlos. Sie erfordert Kreativität und langen Atem. Sie muss in Kooperation mit Vereinen, Betrieben und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft geschehen, es braucht Streitschlichter, Konfliktberater und Sozialarbeit. Vor allem aber müssen engagierte Eltern, mit und ohne Migrationshintergrund, bereit sein, an diesem Gestaltungsprozess mitzuwirken, anstatt in die sozial homogeneren Stadtteile und Schulen zu „fliehen“.

Kontakt

Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration
Potsdamer Straße 65
10785 Berlin - Mitte
Telefon: (030) 9017-2351
Telefax: (030) 9017-2320

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