Start with art

Der junge Student Jonas Nipkow sitzt auf einer Bank und schaut in die Kamera.
Jonas Nipkow hat bereits bereits drei Social Businesses gegründet, mit denen er soziale, ökologische oder gesellschaftliche Probleme lösen will. Bild: Publiplikator GmbH

Kunst kann ein Türöffner für gesellschaftliche Teilhabe sein. Warum nicht den Geflüchteten, die in Deutschland Fuß fassen wollen, auf diese Weise helfen, fragte sich Jonas Nipkow. Der Student teilte seine Gedanken mit Freunden in den sozialen Netzwerken und lernte Kunstschaffende kennen. Einen Monat später, am 14. April 2016, eröffnete er mithilfe einer Vielzahl an Freiwilligen die erste Ausstellung mit sechs Künstlerinnen und Künstlern sowie 300 Gästen im Kreuzberger CoworkingSpaceImpact Hub“. Geboren war RESTART, eine Organisation, die geflüchteten Künstlern beim Neuanfang hilft.

RESTART ist bereits Jonas Nipkows drittes Social Business, mit dem er soziale, ökologische oder gesellschaftliche Probleme lösen will. Bereits nach dem Abitur geht der heute 23-Jährige für einen Freiwilligendienst in die Dominikanische Republik, wo sich seine eigenen Probleme relativierten. Danach zieht er von Bonn nach Berlin, um International Business zu studieren.

Dabei lässt ihn aber die Frage nicht los, inwiefern man wirtschaftliches Handeln nutzen kann, um Menschen helfen zu können. Er startet sein erstes Gründungsvorhaben, die AppMyDailyA(i)d“, mit der über Werbeeinnahmen soziale Projekte finanziert werden sollten. „Wir haben zu lange im stillen Kämmerlein gearbeitet, anstatt mit dem innovativen Konzept für eine der ersten sozialen Apps nach draußen zu gehen.“ Jonas Nipkow beschließt, das Projekt zunächst auf Eis zu legen. „Ich habe gelernt, nicht so lange zu warten, bis es perfekt ist. Besser, man teilt seine Vorhaben so früh wie möglich und lernt von dem Feedback und der Unterstützung anderer. Mein Tipp für andere Gründer: einfach machen!“

Treffpunkt im wirklichen Leben

Als unter anderem der Nahost-Konflikt im Sommer 2014 wieder aufbricht, überlegt Jonas Nipkow, was er zu einem Ende der Gewalt in dieser Region beitragen kann. Während er die Ethical Fashion Show Berlin besucht, kommt ihm eine Idee, wie man junge Leute für Politik sensibilisieren kann. Er gründet T/SHARED, ein Modelabel, das umweltfreundlich und zu fairen Preisen T-Shirts produziert. Im Design steckt Jonas Nipkows Idee: Jeweils zwei Kunstschaffende entgegengesetzter Konfliktparteien, etwa aus Israel und Palästina, haben es entworfen.

Das bringt den sozialen Unternehmer das erste Mal in Kontakt mit der Kunstszene. Dabei lässt ihn wieder eine Frage nicht los: Warum in Konfliktregion reisen und Kunstschaffenden helfen, wenn auch in Deutschland Geflüchtete Unterstützung benötigen? „Als ich mich damals in meinem Freundkreis umgehört habe, wollten sich zwar viele für Geflüchtete engagieren. RESTART hat schnell gezeigt, wie man im Rahmen der Kunst die Talente Geflüchteter in den Vordergrund rücken kann und einen Treffpunkt für Menschen im wirklichen Leben schaffen kann“, so der Student.

Mittlerweile umfasst der RESTART-Pool 30 bis 40 Künstlerinnen und Künstler, darunter Maler, Bildhauer und Fotografen. 80 Prozent stammen aus Syrien, die anderen kommen aus Afghanistan, dem Libanon oder Kurdistan. „Viele syrische Künstler kennen sich bereits von daheim, weil die meisten in Damaskus studiert haben. Für manche ist es aber ungewohnt, zusammen mit Hobbykünstlern auszustellen“, sagt der 23-Jährige.

Netzwerke in Deutschland, Österreich und den Niederlanden

RESTART ist in vier Bereichen tätig: Materialien wie Pinsel, Leinwände und Farben besorgen, einen Zugang zu Studios ermöglichen, Workshops organisieren und Künstlerinnen und Künstler untereinander vernetzen. Sieben Teammitglieder bauen in Berlin, Hamburg, Österreich und den Niederlanden Netzwerke auf und organisieren Ausstellungen. Eine Online-Plattform soll bald ebenfalls an den Start gehen, auf der sich die Kunstschaffenden präsentieren und ihre Kunst verkaufen.

Außerdem möchte Jonas Nipkow längerfristig mit Galerien und Auktionshäusern zusammenarbeiten und die Motive auf Poster, Leinwände, Smartphones und Taschen drucken lassen. Damit sich RESTART längerfristig auch finanziell tragen kann, soll die Organisation in eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft umgewandelt werden und 30 Prozent vom Erlös auf der Plattform verkaufter Kunstwerke erhalten.

Denn das große Ziel von RESTART ist, dass die Kunstschaffenden aus Syrien, Afghanistan oder Libanon irgendwann nicht mehr als Geflüchtete gesehen werden, sondern als das, was sie wirklich sind: Künstlerinnen und Künstler.

Julia Raunick