„Arbeit ist der Schlüssel zur Integration“

29.01.2017 08:00

Der Diplom-Psychologe hat einen Verein gegründet, der Firmen aus der Region mit Geflüchteten zusammenbringt
Der Diplom-Psychologe hat einen Verein gegründet, der Firmen aus der Region mit Geflüchteten zusammenbringt
Bild: Publiplikator

Und wieder klingelt das Telefon. Herr Abdullah ist am Apparat. Der Mann aus Syrien möchte gern unbefristet und in Vollzeit in einem Supermarkt arbeiten. Das Problem: Seine Aufenthaltserlaubnis ist nur noch drei Monate gültig. Parham D. Afshar bleibt gelassen, erklärt dem Familienvater wieder und wieder, dass die Firma gern einen Job mit langfristiger Perspektive geben möchte, aber einen Angestellten braucht, dessen Aufenthaltsstatus sicher ist. Als beide auflegen, weiß Parham D. Afshar: Es wird heute nicht das letzte Gespräch dieser Art gewesen sein.

Jeden Tag versucht der 46-jährige Diplom-Psychologe, Berliner und Brandenburger Unternehmen mit Geflüchteten zusammenzubringen. Seine feste Überzeugung: „Arbeit ist der Schlüssel zur Integration“. Nach zwölf Jahren als selbstständiger Unternehmensberater und zahlreichen Schulungen von Beschäftigten und Führungskräften wollte er seinem Leben einen neuen Sinn geben und sein ehrenamtliches Engagement ausbauen.

Deswegen gründete Parham D. Afshar im Sommer 2015 die Initiative FairWelcome, die mittlerweile ein gemeinnütziger Verein ist. „All die Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen, tragen so viel Potenzial in sich. Das möchte ich sichtbar machen und dabei helfen, dass auch Firmen es erkennen.“

Parham D. Afshar steht vor einer Wand, an der Zeitungsartikel angeheftet sind
Die Eltern von Parham D. Afshar kommen aus dem Iran
Bild: Publiplikator

Auch Banker und Ingenieure kommen zu FairWelcome

In Workshops arbeiten Parham D. Afshar und sein Team gemeinsam mit den Teilnehmenden deren Motivation, Persönlichkeit, Intelligenz und Kenntnisse heraus. Die Ergebnisse münden in ein Profil, mit dem sie sich bei Unternehmen bewerben können. „Oft ist es das erste Arbeitsdokument in deutscher Sprache, das diese Menschen in den Händen halten“, sagt der FairWelcome%-Leiter, der auch Dari und Farsi spricht und die Bewerber zu Vorstellungsgesprächen begleitet. Mittlerweile befinden sich im Netzwerk etwa 60 Firmen unter anderem aus den Bereichen %[en]IT, Dekoration, Apotheke, Logistik und Haustechnik.

In den knapp anderthalb Jahren haben seitdem etwa 100 Geflüchtete aus Syrien, dem Iran und Irak, Afghanistan und Afrika an Workshops teilgenommen – darunter auch Börsenmakler, Banker und Ingenieure. In enger Zusammenarbeit mit Kammern, Verbänden sowie der Bundesagentur für Arbeit fanden 50 bis 60 Teilnehmende ein Praktikum, 15 erhielten eine Ausbildung oder Festanstellung. Teilnehmen kann jeder, der über fortgeschrittene Deutschkenntnisse verfügt. Und die Nachfrage ist ungebrochen groß.

Parham D. Afshar wächst im München der 1970er Jahre auf

Warum er sich so für Geflüchtete engagiert? Wahrscheinlich habe es mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Parham D. Afshar wuchs als Kind iranischer Eltern im München der 70er Jahre auf. „Die Leute sagten damals: Ausländer gehen nicht aufs Gymnasium.“ Doch Parham D. Afshar machte sein Abitur und fing an, Jura zu studieren.

Seine Aufenthaltserlaubnis wurde aber immer nur um ein Jahr verlängert, „mit diesem Status hätte ich nie eine reelle Chance gehabt, jemals Richter zu werden“. Deswegen wechselte er in die Psychologie. Und mit Anfang 30 erhielt er schließlich auch die doppelte Staatsbürgerschaft. „Deswegen kann ich mich sehr gut in die Menschen hineinversetzen, die mit ihrem Aufenthaltsstatus zu kämpfen haben.“

Für die Zukunft wünscht sich Parham D. Afshar natürlich, dass noch mehr Geflüchtete den beruflichen Einstieg in Deutschland schaffen. „Vielleicht wird es irgendwann auch gemischte Kurse geben, in denen Geflüchtete und Einheimische gemeinsam nach Arbeit suchen.“

Julia Raunick