Hand in Hand für gelungene Integration

Ali Hassan und Jens Orthman arbeiten halten ein Paket vor einem Kleinbus in der Hand.
Ali Hassan und Jens Orthman arbeiten seit Februar 2017 als Job-Tandems in Lichtenberg. Bild: Publiplikator

Mit einer guten Idee fing alles an: Dr. Martin Pätzold, Mitglied des Deutschen Bundestages, Abgeordneter für den Wahlkreis Lichtenberg, hat gemeinsam mit dem Jobcenter Berlin-Lichtenberg das Tandem-Job-Projekt ins Leben gerufen. Ziel dieses Pilotprojektes ist es, langzeitarbeitslosen und geflüchteten Menschen gemeinsam eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt im Stadtbezirk Lichtenberg zu geben.

Mit einer Veranstaltung im August 2016 wurde, neben anderen Arbeitgebern, das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH (KEH) auf das Projekt aufmerksam und das Interesse war geweckt. Für die Akquise und Vorbereitung der Teilnehmenden zeichnete das Jobcenter verantwortlich. In Abhängigkeit des jeweiligen Arbeitsbereiches, der Kompetenzen und Fähigkeiten über die die Teilnehmenden verfügen, wurden geeignete Tandem-Paare gebildet und das Vorstellungsverfahren bei den jeweiligen Arbeitgebern begann.

Die Arbeitgeber richten sozialversicherungspflichtige Doppelarbeitsplätze für jeweils einen langzeitarbeitslosen und geflüchteten Menschen als untrennbares Duo ein. Das Jobcenter Berlin-Lichtenberg gewährt einen Lohnkostenzuschuss in Höhe von 75 Prozent für die Dauer eines Jahres.

Rücksichtnahme und Dankbarkeit

Seit dem 1. Februar 2017 beschäftigt das KEH zwei Tandem-Paare, eines im Bereich Landschafts- und Gartenpflege, das andere im Hol- und Bringedienst. „Zunächst einmal haben wir beschlossen, das Projekt in unserem Haus auf zwei Jahre zu befristen, um den Teilnehmenden zu ermöglichen, in unserem Haus richtig „Fuß zu fassen“, erklärt Ina Franke, Personalleiterin des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge. „Wir haben bewusst Arbeitsbereiche ausgewählt, in denen ein besonders empathisches und kollegiales Umfeld besteht. Bereiche, in denen wir gute Erfahrungen im Umgang mit Menschen, die in bestimmten Lebenssituationen Hilfe benötigen, gemacht haben.“ So arbeitet das KEH im Bereich der Landschafts- und Gartenpflege seit vielen Jahren mit Hilfeträgern zusammen und unterbreitet Patientinnen und Patienten Therapienagebote im geschützten Umfeld.

Das große Engagement, die Unterstützung und Begleitung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den jeweiligen Bereichen tragen wesentlich zum Erfolg des Tandem-Projektes im KEH bei.

Die Rückmeldungen von beiden Seiten sind durchweg positiv. „Das Schönste ist jedoch die Dankbarkeit, die uns die Tandem-Paare selbst entgegenbringen“, erzählt Evelyn Strehmann, Leiterin der Abteilung für Wirtschaft und Versorgung im KEH. „Die Kolleginnen und Kollegen nehmen viel Rücksicht auf die Tandems, die zum Teil auch gesundheitlich beeinträchtigt sind.“

Eine neue Chance

Fünf Monate arbeiten Ali Hassan und Jens Orthmann nun schon gemeinsam im Hol- und Bringedienst für das KEH in Lichtenberg. Sie versorgen jede Abteilung des Krankenhauses mit Dingen, die gerade benötigt werden. Eine tagesfüllende Aufgabe, denn das Gelände ist rund 95 Hektar groß. Ali Hassan war im Irak Viehzüchter und kam 2010 auf der Flucht vor dem Krieg nach Deutschland. Mit einer festen Anstellung hat sich der 63-Jährige bis jetzt schwergetan. Die Chance, die ihm das Tandem-Programm bietet, will er deshalb unbedingt nutzen. Jens Orthmann ist 47 Jahre alt und gelernter Matrose. Früher heuerte er bei der Weißen Flotte an, bis er aufgrund von Sparmaßnahmen seine Anstellung verlor. „Ich bin hier sehr zufrieden“, verrät Jens Orthmann. „Meinen alten Beruf vermisse ich inzwischen gar nicht mehr.“ Für beide ist das Tandem-Projekt eine neue Chance. Die gute Nachricht, die ihnen Evelyn Strehmann überbringt, freut die zwei Männer sehr. „Beide haben die Probezeit bestanden! Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“

Das Tandem-Projekt in Berlin-Lichtenberg ist ein Pilotprojekt. Vielleicht weckt es die Neugierde auch in anderen Bundesländern.

Sarah Wiedenhöft