Newcomer für die Digitalwirtschaft

Manaf Af Maftah und Stephan Bayer stehen in einem Hofeingang
Bei den Devugees werden internetaffinen Newcomerinnen und Newcomer Programmier- und Webentwicklungskentnisse vermittelt.
Bild: Publiplikator GmbH

Als Manaf Af Maftah vor etwas mehr als zwei Jahren nach Berlin kam, kannte er sich einigermaßen mit dem Internet aus. Zu Hause in Syrien hatte er bis 2010 englische Literatur studiert. Dann kam die syrische Terrororganisation IS und mit ihr der Bürgerkrieg, und die Universität, in der Manaf studierte, wurde von Raketen zerstört. In seinem Dorf kümmerte er sich fortan darum, die umliegenden Häuser mit WLAN zu versorgen, den Menschen damit ein Tor zur Welt offen zu halten. Als der Druck zu groß wurde, entschloss sich der heute 31-Jährige sein Land zu verlassen. So kam Manaf nach Berlin, lebte sich in der deutschen Hauptstadt ein, lernte die Sprache und wollte unbedingt etwas tun. Jetzt ist er einer der ersten Absolventen des Projekts Devugees und hat damit gute Aussichten einen Job zu finden. Denn Manaf Af Maftah hat sich zum Webentwickler fort- und weitergebildet.

Manaf Af Maftah blickt direkt in die Kamera. Er hat die Arme überkreuzt und trägt ein blaues Hemd
Manaf Af Maftah ist einer der ersten Absolventen des Projekts Devugees und hat damit gute Aussichten einen Job zu finden.
Bild: Publiplikator GmbH

Die Projektidee

Stephan Bayer hat mit dem Internet eine Menge Erfahrungen gesammelt. Das von ihm gegründete Unternehmen, die Online-Lernplattform sofatutor.com, beschäftigt heute mehr als 100 Festangestellte und noch einmal rund 150 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu einer Zeit, 2015/2016, als viele Unternehmen Hilfe für Geflüchtete anboten, dachte er darüber nach, ein wirklich nachhaltiges Projekt ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit Steffen Zoller, Geschäftsführer von Kununu, Angelo Juric, dem Geschäftsführer des Instituts für berufliche Fortbildung und Adiba Salloum, der Personalverantwortlichen bei Sofatutor, wurde Devugees erdacht, geplant und umgesetzt.

Stephan Bayer lächelt in die Kamera. Er steht vor einer Backsteinmauer.
Stephan Bayer ist Gründer der Online-Lernplattform sofatutor.com. Um Geflüchteten zu helfen, entwickelte er mit zahlreichen Mitstreitern das Devugees-Programm.
Bild: Publiplikator GmbH

Refugees und Developer werden zu Devugees

Nach vielen Gesprächen mit Internetfirmen entwickelten Bayer und seine Mitstreiter einen Lehrplan, der die neuesten Kenntnisse und Methoden berücksichtigte. Der Projektname, zusammengesetzt aus Refugees und Developer, steht für ein Fort- und Weiterbildungsprogramm, das den Newcomern, wie Stephan Bayer die Geflüchteten nennt, ermöglicht, eine berufliche Qualifikation zu erwerben und sich anschließend zu bewerben. „Wir wollten den vielen internetaffinen Menschen, die durch die Flucht um die Chance einer Ausbildung oder die Ausübung ihres Berufs gebracht worden sind, etwas bieten, was auf dem deutschen Arbeitsmarkt tatsächlich gebraucht wird.“ Denn Webentwicklerinnen und Webentwickler oder Menschen mit Programmierkenntnissen werden von allen großen, mittleren und kleinen Unternehmen gesucht. Der Bedarf an Fachkräften ist enorm und kann nicht gestillt werden.

Vorkenntnisse sind nicht notwendig

Devugees bildet die Newcomer innerhalb eines Jahres aus, damit sie anschließend sofort einsetzbar sind. Vorkenntnisse sind nicht nötig, nach einem vierwöchigen Orientierungskurs wissen alle Beteiligten, woran sie sind, und wer das Potential besitzt, die Fortbildung erfolgreich zu absolvieren. Manaf Af Maftah war Teilnehmer des ersten Kurses. Über eine Anzeige hatte er von Devugees erfahren und ist heute froh, zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus Afghanistan, Pakistan und aus Nordafrika, dabei gewesen zu sein. „Wir haben täglich 8 Stunden gelernt, programmiert und gearbeitet. Das war eine sehr intensive Zeit, die mich enorm weitergebracht hat.“ Auch die Projektverantwortlichen haben eine Menge hinzugelernt. „Das Programm ist toll, aber damit allein ist es nicht getan. Wir haben sehr schnell gelernt, dass die Newcomer viele eigene Themen haben, um die wir uns hier mit kümmern müssen. Nur so bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Kopf frei, sich auf die Fortbildung zu konzentrieren“, erzählt Stephan Bayer.

Manaf Af Maftah und Stephan Bayer stehen vor einem Devugees-Banner.
Während der Ausbildung lernen, programmieren und arbeiten die Teilnehmenden über ein Jahr täglich 8 Stunden lang.
Bild: Publiplikator GmbH

Devugees will wachsen

Aktuell können zwanzig Absolventinnen und Absolventen an dem einjährigen Kurs teilnehmen. Die Nachfrage aus der Digitalwirtschaft ist ungleich höher. Internetgrößen wie trivago, Zalando oder auch die Humboldt-Universität haben ihr Interesse angemeldet und unterstützen Devugees bereits. Stephan Bayer träumt davon, das Projekt auch in anderen deutschen Städte anbieten zu können. „Der Bedarf ist da, das wird sich so bald auch nicht ändern.“ Manaf Af Maftah ist ein gutes Beispiel, was mit Devugees möglich ist. Ab dem 1. November 2017 hat er ein dreimonatiges Praktikum bei der Deutschen Telekom in der Tasche. Läuft das erfolgreich, macht er einen großen Schritt, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Thomas Reckermann

Weitere Informationen zum Projekt Devugees:

Formate: video/youtube