Bis der Funke überspringt

29.01.2017 08:00

Rebekka Meyer und Dorothee Kolschewski engagieren sich bei "Schritt für Schritt"
Rebekka Meyer (l.) und Dorothee Kolschewski engagieren sich bei "Schritt für Schritt"
Bild: Buddy Bartelsen

„Es ist eine große Herausforderung, die die Welt zu meistern hat. Hierbei mitzuhelfen, Vielfalt in Deutschland möglich zu machen und Vorurteilen etwas entgegenzuhalten, darin sehe ich meine Aufgabe“, sagt Dorothee Kolschewski. Ihre Kollegin Rebekka Meyer nickt zustimmend.

Beide vermitteln bei dem Projekt „Schritt für Schritt“ der INTEGRA GmbH, das von der AKTION MENSCH gefördert sowie vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und vom Sozialverband VdK Deutschland unterstützt wird, ehrenamtliche Mentoren und Mentorinnen für geflüchtete Menschen. Seit sechs Monaten ist „Schritt für Schritt“ am Start.

„Persönliche Hilfe ist unglaublich wichtig“

„Mentoren und Mentorinnen können so viel bewirken und helfen. Der Staat kann nicht alles leisten. Jeder kann dazu etwas beitragen. Wirklich jeder. Und wir bringen Leute miteinander in Kontakt. So haben Geflüchtete die Möglichkeit, mit den Mentoren Deutsch zu lernen und andere Menschen kennen zu lernen. Die persönliche Hilfe ist unglaublich wichtig“, sagt Rebekka Meyer, und ihre Leidenschaft für das, was sie tut, nämlich Menschen miteinander zu „vernetzen“, ist spürbar.

Meyer, 34 Jahre, hat Politikwissenschaften und Iberoamerikanische Geschichte studiert, in Brasilien gelebt, neue Lebenswelten ausprobiert, nie aus Not, sondern gewollt. Es ist ihr Interesse an Menschen, das sie für dieses Projekt begeistert. Sie habe nur positive Erfahrungen gemacht, sagt sie.

Rebekka Meyer und Dorothee Kolschewski engagieren sich bei dem Hilfsprojekt "Schritt für Schritt"
Bringen Geflüchtete und Mentoren zusammen
Bild: Buddy Bartelsen

Begleitung von der Berufswahl bis zum Job

„Ich bin begeistert von den jungen Leuten, die hierher geflüchtet sind. Die Kraft dieser Menschen geht auch auf mich über“, sagt Meyer und strahlt dabei. Das Projekt sei so gut angelaufen, es werden weiter Ehrenamtliche gesucht, die ihre Lebens- und Berufserfahrungen einbringen möchten und so den Geflüchteten zwischen 18 und 35 Jahren aus Syrien, dem Irak, dem Iran, Afghanistan, dem Libanon oder Eritrea helfen wollen.

Es gebe kein vergleichbares Projekt, das den Fokus so sehr auf die berufliche Orientierung legt, merkt Dorothee Kolschewski an. „Jede Patenschaft ist auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Mentee zugeschnitten. So unterstützt der Mentor oder die Mentorin diesen dann beim Erlernen der deutschen Sprache, dem Kennenlernen der lokalen Arbeitskultur und dem Ablauf von Bewerbungsprozessen.“ Auf diese Weise werden Mentoren und Mentorinnen von der Berufswahl bis zur erfolgreichen Eingliederung in den Arbeitsmarkt wichtige und verlässliche Beraterende, die vermitteln und zuhören.

Je größer eine Stadt, desto weniger Zeit bleibt füreinander

Für die 53 Jahre alte Diplom-Pädagogin Kolschewski, die ursprünglich aus der Schauspielerei kommt und seit drei Jahren auf dem Gebiet der „Patenschaften“ unterwegs ist, ist es einfach erfüllend, das Verbindende zwischen Menschen zu suchen und das Trennende zu überwinden. Sie möchte die Menschen „anstecken“ mit ihren Ideen.

Gelingt ein erfolgreiches „Matching“, passen also Mentor, Mentorin und Mentee gut zusammen, mache das auch sie, als Vermittlerin, glücklich. Mit ihrer Tätigkeit erntet sie im Bekannten- und Familienkreis positive Resonanz. „Meine Tochter ist begeistert. Mit 19 aber noch etwas zu jung, um selbst als Mentorin mitzumachen.“

Wie funktioniert denn die Integration in Berlin? „Je größer eine Stadt ist, desto weniger Zeit hat man füreinander. Viele powern sich einfach aus“, findet Rebekka Meyer. Hier Hilfe anzubieten, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen – Ehrenamtliche und Geflüchtete – und diesen Prozess zu begleiten, ist ihr eine Herzenssache.

Daniel Gäsche