Humor und Herzenswärme helfen

29.01.2017 08:00

Franziska Menzel sucht auch „Wohnpaten“ für Geflüchtete
Franziska Menzel sucht auch „Wohnpaten“ für Geflüchtete
Bild: Buddy Bartelsen

„Wenn ich könnte“, verrät Franziska Menzel, „wäre ich wahrscheinlich jetzt am Mittelmeer oder an der Balkanroute, um zu helfen.“ Aber mit zwei kleinen Kindern stellt sich die Frage für die 40-Jährige nicht. Was nicht bedeutet, dass sie weniger aktiv ist.

Seit 2015 engagiert sich die studierte Sozialpädagogin im Zehlendorfer Flüchtlingsnetzwerk. Los ging es fast über Nacht, als es darum ging, die Turnhallen der Schweizerhof-Grundschule für Geflüchtete herzurichten. Franziska Menzel war von Anfang an begeistert vom Engagement der Zehlendorferinnen und Zehlendorfer. Sie wurde schnell zur festen Größe im Team der Helfenden. Diese Hilfe reichte vom Bettenaufbau bis hin zum Besorgen von Waschmaschinen oder der Organisation von Arzt- und auch Behördengängen.

Oase außerhalb der Flüchtlingsunterkunft

Schnell wurde der jungen Frau klar, hier geht es um mehr als das. Ihr kam die Idee, für jede Familie eine Patenfamilie zu suchen. Den Geflüchteten so eine Art Oase zu schaffen, außerhalb der Flüchtlingsunterkunft, die von ihr und den Bewohnern und Bewohnerinnen kurz und knapp „Camp“ genannt wird.

Für das erste Treffen der Familien hatte sich Franziska Menzel etwas Besonderes ausgedacht. Um die Sprachhürde zu nehmen, besorgte sie kurzerhand ein deutsch-arabisches Bilderwörterbuch. Und so gab es schon beim gegenseitigen Aussprechen der einzelnen Begriffe erste Sympathielacher. Das erste Eis war, bis auf einen Fall, gebrochen.

Ein Stück Normalität zurückgewinnen

Mittlerweile sind viele Freundschaften entstanden, man unternimmt gemeinsame Ausflüge, spielt, lacht und verbringt Zeit miteinander. Eines erfreut die Familien aus dem Irak und Syrien ganz besonders: das gemeinsame Grillen.

Die Freundschaften gehen mittlerweile so weit, berichtet Franziska Menzel, dass einige deutsche Patenfamilien ihre Flüchtlingsfamilie während des Urlaubs in ihren Häusern wohnen lassen. Das sei das Tollste, verrät die 40-Jährige, denn das heißt für die geflüchteten Familien, sich regenerieren zu können.

Vorurteile erschweren die Wohnungssuche

Von langweiligem Alltag kann Franziska Menzel nicht berichten. Kein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Herausforderung auf sie wartet. Inzwischen seien die hilfsbereiten Zehlendorfer und Zehlendorferinnen so gut vernetzt, dass es nur darum ginge, die einzelnen Stationen zu aktivieren.

Aber die Arbeit von Franziska Menzel und den anderen freiwilligen Helfenden verändert sich zunehmend. Mittlerweile geht es vor allem darum, Wohnungen für die Familien zu finden und damit verbunden Behördengänge zu erledigen.

“Eine große Herausforderung, denn noch immer gibt es Vorurteile und Ängste gegenüber Geflüchteten”, bedauert Franziska Menzel. “Viele haben noch immer ein falsches Bild von Großfamilien vor Augen. Das erschwert eine erfolgreiche Wohnungssuche.” Aktuell sucht Franziska Menzel „Wohnpaten“, die je einer Person oder Familie bei der WG- beziehungsweise Wohnungssuche helfen.

Glücksmomente motivieren zum Weitermachen

Große Freude bereitet der gebürtigen Wannseerin, wenn sich Geflüchtete untereinander helfen, wie zum Beispiel beim Umzug von der Notunterkunft in ein eigenes Zuhause. “Natürlich gibt es auch Momente, die mich nachdenklich und traurig machen, etwa wenn Familien auseinandergerissen werden”, sagt Franziska Menzel. “Bei diesen Schicksalen kann ich nicht mal eben schnell helfen.”

Aber es sind die Glücksmomente, die sie jeden Tag aufs Neue zum Weitermachen und Helfen motivieren. Zwar muss sich ihre eigene Familie manchmal in Geduld üben, aber sie hat das Glück, berichtet sie freudig, dass sie in ihrem Umfeld nur auf Verständnis und Unterstützung trifft.

Von den Familien lernen

Auf die Frage, welcher Moment zu den ganz besonderen in ihrer Flüchtlingsarbeit gehört, nennt Franziska Menzel sofort ihren 40. Geburtstag. Denn nicht nur ihre deutschen Freunde, auch viele geflüchtete Familien, die sie inzwischen zu ihren lieb gewonnenen Freunden zählt, waren gekommen. Am Ende waren es die Familien aus dem Irak, Syrien und auch Afghanistan, die ihre Feier tanzend zu einer Party werden ließen.

„So viel Charme, Humor und Herzenswärme“, schwelgt Franziska Menzel in Erinnerung, „das ist das, was wir hier in Deutschland und hier in Berlin von den Familien lernen können.“

Denise Gross