Dieses Netzwerk lässt keine Fragen offen

Cornelia und Henriette von den Wefugees stehen vor einer Wand. Hinten sieht man Bilder die mit Faden verbunden sind.
Cornelia Röper und Henriette Schmidt möchten die Fragen beantworten, die Geflüchteten und Newcomern unter den Nägeln brennen.
Bild: Publiplikator GmbH

Wie können Menschen, die aus einem fremden Land nach Deutschland kommen, mit den Informationen versorgt werden, die sie brauchen? Das war die Frage, die Wefugees-Gründerin Cornelia Röper im Jahr 2015 durch den Kopf ging, als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen. Viele Menschen, viele Fragen, doch die klassischen Strukturen, wie Beratungsstellen und Behörden waren der Nachfrage damals nicht gewachsen. Es gab nicht genügend Angebote und die Informationen erreichten oftmals nicht die Personen, die sie benötigten. Zudem waren die Informationen, die online zur Verfügung standen, statisch und konnten nicht in allen Fällen die richtigen Antworten liefern.

Fragen und Antworten

Ein neuer Ansatz musste her, der sich daran orientierte, wie Menschen heutzutage Informationen suchen. Cornelia Röper arbeitete zu diesem Zeitpunkt bei dem Start-up Enabee, das eine Software entwickelt hatte, mit der Kunden anderen Kunden Fragen beantworten konnten. Diese wollte sie für die Fragen von Newcomerinnen und Newcomern nutzen. Auch Henriette Schmidt, die nach ihrem Studienabschluss eine Hilfsgruppe für geflüchtete Frauen gegründet hatte, bemerkte immer wieder, dass es vor allem an Informationen fehlte. Darum taten sich beide Frauen zusammen und erarbeiteten in zahlreichen Co-Design-Workshops ein ausgefeiltes Konzept, das die Informationslücke schließen sollte. Das Erfolgsrezept: Austausch, Expertise und die Nutzung des Internets.

So entstand Wefugees, eine Plattform, auf der jeder Fragen stellen kann und Antworten aus der Community erhält. “Wir haben in den Unterkünften Workshops gegeben, wie man die Seite benutzt und immer den direkten Kontakt zu Geflüchteten gesucht. Auch die Vernetzung mit anderen Initiativen war von Anfang an enorm wichtig für uns, denn das sind unsere Multiplikatoren. Natürlich haben wir aber auch gezielte Facebook-Kampagnen gestartet, um die Menschen zusätzlich online erreichen zu können”, berichtet Henriette Schmidt von den anfänglichen Bemühungen, Nutzer auf die Plattform zu holen. Ein voller Erfolg, denn das Netzwerk wuchs schnell und wird immer größer. Aktuell verzeichnet die Seite monatlich rund 3.500 Nutzer, So können immer mehr Menschen mit den Informationen versorgt werden, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigen. Neben Personen, die bereits lange in Deutschland leben, bringen auch Geflüchtete ihre persönlichen Erfahrungen ein und helfen so anderen. Um zusätzlich gewährleisten zu können, dass die Antworten auch eine entsprechende Qualität haben und fachlich richtig sind, arbeitet Wefugees mit Experten, wie Anwälten oder Initiativen zusammen.

Cornelia Röper sitzt am Schreibtisch.
Die Wefugees arbeiten mit einer Software, mit der Fragen und Antworten gebündelt zur Verfügung stehen.
Bild: Publiplikator GmbH

Über die Wefugees sind Newcomerinnen und Newcomer jederzeit in der Lage, sich selbstständig Informationen zu beschaffen. Auch Fragen, die zu einem späteren Zeitpunkt eine Rolle spielen, etwa wie eine Steuererklärung funktioniert, sollen auf der Plattform bereitgestellt werden. “Wir möchten aber auch die Arbeit der Beratungsstellen erleichtern und effizienter gestalten, indem Antworten auf allgemeine Fragen an einer Stelle zentral zur Verfügung stehen. So wird mehr Raum für individuelle Anliegen geschaffen”, so Schmidt.

Wachstum und Professionalisierung

Das Team stellt nicht lediglich die Plattform, das Start-up trägt auch dafür Sorge, dass Experten und Kooperationspartner ins Boot geholt werden. Zudem werden die Beiträge von ihnen moderiert und die Informationen über Facebook und einen eigenen Newsletter nach außen getragen. Immer häufiger gibt es auch Informationsveranstaltungen, bei denen Geflüchtete direkt Fragen an einen Experten stellen können. Auch die dort gesammelten Informationen werden auf der Wefugees Plattform bereitgestellt.

Ein großer Knackpunkt ist jedoch noch immer die Sprache. Ziel ist es, dass die Nutzer ihre Fragen langfristig auf Deutsch stellen, denn darin liegt auch ein Teil des integrativen Ansatzes. In den Co-Workshops stellte sich schnell heraus, dass es im Umfeld immer jemanden gibt, der mit der Sprache helfen kann. Es gibt aber dennoch sehr häufig Fragen auf anderen Sprachen. Die Antworten der Experten werden dann entsprechend von freiwilligen Helfern übersetzt. Für professionelle Übersetzer fehlt das Geld. Das erschwert es jedoch, die Richtigkeit der Antworten zu gewährleisten. Besonders positiv zeigt sich hier jedoch die Kraft der Community, in der oftmals die Nutzer sich als Übersetzer bereitstellen.

Wefugees ist inzwischen zu einer festen Größe herangewachsen, wenn es um Fragen im Bereich Integration geht. Oft erreichen sie auch Fragen aus dem Ausland. Damit haben die jungen Gründerinnen ihr Ziel, möglichst vielen Newcomerinnen und Newcomern passgenaue Antworten zur Verfügung zu stellen, erreicht.
Mehr Informationen zu den Wefugees finden Sie unter diesem Link: Webseite der Wefugees

Sarah Wiedenhöft

In diesem Video erklären die Wefugees ihr Netzwerk

Formate: video/youtube