Gemeinsam Schritt für Schritt

Mitarbeiter des Willkommen-in-Arbeit-Büro Spandau
Michael Arri (v.l.), Hashmatullah Safi und Ibrahim Hassan vom Willkommen-in-Arbeit-Büro Spandau
Bild: WiA-Büro Spandau

Seit fast eineinhalb Jahren gibt es mitten in der Altstadt von Spandau das Willkommen-in-Arbeit-Büro (WiA-Büro). Geflüchtete Frauen und Männer können sich hier kostenfrei über Bildungs- und Jobangebote informieren. Dabei werden sie unterstützt von einem engagierten Team aus Beraterinnen und Beratern sowie Dolmetscherinnen und Dolmetschern externer Einrichtungen. Im Auftrag und finanziert durch die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales setzt die Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ e.V.) das WiA-Büro um. Die Büros arbeiten auf der Grundlage eines Fachkonzeptes, das für alle aus der Abteilung Arbeit und Berufliche Bildung geförderten Projekte ein gemeinsames Verständnis und fachliche Standards sicherstellt. Die Finanzierung der Beratungsangebote kommt aus Mitteln des Landes für die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter.

Neben Spandau gibt es noch ein Büro in Lichtenberg, das WiA-Büro in Tempelhof wurde Anfang September 2017 wieder geschlossen. Während die Büros anfangs direkt an Flüchtlingsunterkünfte angedockt waren, funktionieren sie mittlerweile unabhängig davon. Die Beraterinnen und Berater gehen stattdessen in die Unterkünfte und sprechen die Bewohnerinnen und Bewohner direkt an, erklären ihnen, welche Unterstützung sie im Spandauer Büro geben können. So können Frauen und Männer gleichermaßen erreicht werden. Denn Frauen, sind aus verschiedenen Gründen schwerer erreichbar als Männer.

Mittlerweile kommen Geflüchtete aller Altersgruppen und Nationen in das Büro. Hier finden sie Beratung zu Sprachkursen, Berufsorientierung und -qualifizierungen, Ausbildung, Studienwahl, Weiterbildung und Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Außerdem werden ihre Kompetenzen erfasst und sie erhalten Unterstützung bei Bewerbungsschreiben und Bewerbungsgesprächen sowie bei der Nutzung von Online-Stellenmärkten und Jobbörsen.

Unterstützung in mehr als zehn Sprachen

„Oft ist es ein ganzer Korb voller Anliegen, mit denen die Menschen zu uns kommen“, sagt Ibrahim Hassan, Dolmetscher für Arabisch. Er und sein Kollege Hashmatullah Safi, Dolmetscher für Farsi und Dari, sind die „Aushängeschilder des Büros“. Die Beratungen sind individuell, vertraulich und werden in mehr als zehn Sprachen angeboten. Zudem werden sie auf Grundlage eines von der für Arbeit zuständigen Senatsverwaltung herausgegebenen Fachkonzepts durchgeführt.

„Wichtig ist, dass die Chemie zwischen Berater und Besucher stimmt“, sagt Ibrahim Hassan. Sein Ziel sei es, konkrete Hilfe zu leisten, Kompetenzen zu vermitteln und Orientierung zu geben ‒ „ich mag den Gedanken, an der Biografie dieser Menschen mitzuarbeiten“. Oft fehle dem 28-Jährigen aber die Rückmeldung. Manche Besucherinnen und Besucher des WiA-Büros können kontinuierlich über einen längeren Zeitraum begleitet werden: von der ersten Orientierung über die Suche nach einem Deutschkurs bis hin zur Jobvermittlung.

Beratung für geflüchtete Unternehmensgründerinnen

Dabei kooperiert das WiA-Büro mit anderen Organisationen wie der Jobassistenz Spandau, dem Jobpoint Charlottenburg-Wilmersdorf, dem Berliner Jobcoaching für geflüchtete Menschen oder dem Projekt „Work for Refugees“ vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch bei der Beratung werden externe Fachleute hinzugezogen oder auf die Integrationslotsinnen und Integrationslotsen verwiesen. Am Ende soll jede und jeder das Büro mit einer hilfreichen Information verlassen. Dazu gehört auch, von Behörden vorgeschlagene Maßnahmen genau zu betrachten, ob sie zu diesem Zeitpunkt wirklich sinnvoll sind. „Zu uns kam ein junger Mann, der ein sechsmonatiges Praktikum machen sollte. Dabei hätte er die Chance gehabt, seinen Schulabschluss nachzuholen“, erzählt Dolmetscher Ibrahim Hassan. Zudem wollen viele Geflüchtete schnell Geld in die Heimat schicken. „Manchmal bringt es aber mehr, sich erst einmal auf die neue Sprache zu konzentrieren. Deswegen versuchen wir den Ansatz ‚Ich möchte arbeiten, egal was‘ zu ändern“, erklärt der Büro-Koordinator.

Nach knapp 1.700 Beratungen können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Beratung spezifischer gestalten. Denn die Deutschkenntnisse der Geflüchteten in Berlin haben sich verbessert. So passen sie auch ihr Angebot ständig an die neuen Verhältnisse an. Ganz neu dazugekommen ist die Beratung für geflüchtete Unternehmensgründerinnen. Ein Problem können aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WiA-Büros oft nicht lösen: Die Wohnungsknappheit ist auch in Spandau deutlich zu spüren.

Julia Raunick