Gemeinsam Schritt für Schritt

Mitarbeiter des Willkommen-in-Arbeit-Büro Spandau
Michael Arri (v.l.), Hashmatullah Safi und Ibrahim Hassan vom Willkommen-in-Arbeit-Büro Spandau
Bild: WiA-Büro Spandau

Seit gut einem Jahr gibt es mitten in der Altstadt von Spandau das Willkommen-in-Arbeit-Büro (WiA). Geflüchtete Frauen und Männer können sich hier kostenfrei über Bildungs- und Berufsangebote informieren. Dabei werden sie unterstützt von einem engagierten Team aus Dolmetscherinnen und Dolmetschern sowie Beraterinnen und Beratern von externen Facheinrichtungen. Es ist eines der Bildungs- und Integrationsprojekte der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben (GIZ e.V.) und wird von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales finanziert.

Neben Spandau gibt es noch ein Büro in Lichtenberg, die Stelle in Tempelhof wurde mittlerweile wieder geschlossen. Während die Büros anfangs direkt an Flüchtlingsunterkünfte angedockt sein sollten, funktioniert es in Spandau unabhängig davon. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WiA-Büros gehen stattdessen in die Unterkünfte und sprechen die Bewohnerinnen und Bewohnern direkt an, erklären ihnen, welche Unterstützung sie im Spandauer Büro geben können. So könne man Frauen und Männer gleichermaßen erreichen. Denn Frauen, so Büro-Koordinator Michael Arri, fällt es aus verschiedenen Gründen schwerer, sich um eine Beratung zu bemühen.

Mittlerweile kommen Geflüchtete aller Altersgruppen und Nationen in das Büro. Hier finden sie Beratung zu Sprachkursen, Berufsorientierung und -qualifizierungen, Ausbildung, Studienwahl, Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Außerdem werden ihre Kompetenzen erfasst, und sie erhalten Unterstützung für Bewerbungsschreiben, Bewerbungsgespräche, Online-Stellenmärkte und Jobbörse.

Hilfe in mehr als zehn Sprachen

„Oft ist es ein ganzer Korb voller Anliegen, mit denen die Menschen zu uns kommen“, sagt Ibrahim Hassan, Dolmetscher für Arabisch. Er und sein Kollege Hashmatullah Safi, Dolmetscher für Farsi und Dari, sind die „Aushängeschilder des Büros“, wie Michael Arri sagt. Die Beratungen sind individuell, vertraulich und werden in mehr als zehn Sprachen angeboten. Soweit es möglich ist, soll im WiA-Büro aber Deutsch gesprochen werden.

„Wichtig ist, dass die Chemie zwischen Berater und Besucher stimmt“, sagt Ibrahim Hassan. Sein Ziel sei es, konkrete Hilfe zu leisten, Kompetenzen zu vermitteln und Orientierung zu geben ‒ „ich mag den Gedanken, an der Biografie dieser Menschen mitzuarbeiten“. Oft fehle dem 28-Jährigen aber die Rückmeldung. Manche Besucherinnen und Besucher des WiA-Büros können kontinuierlich über einen längeren Zeitraum begleitet werden: von der ersten Orientierung über die Suche nach einem Deutschkurs bis hin zur Jobvermittlung.

Beratung für geflüchtete Unternehmensgründerinnen

Dabei kooperiert das WiA-Büro mit anderen Organisationen wie der Jobassistenz Spandau oder dem Projekt „Work for Refugees“ vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Auch bei der Beratung werden externe Fachleute hinzugezogen oder auf die Integrationslotsinnen und Integrationslotsen verwiesen. Am Ende soll jede und jeder das Büro mit einer hilfreichen Information verlassen, so Michael Arri. Dazu gehört auch, von Behörden vorgeschlagene Maßnahmen genau zu betrachten, ob sie zu diesem Zeitpunkt wirklich sinnvoll sind. „Zu uns kam ein junger Mann, der ein sechsmonatiges Praktikum machen sollte. Dabei hätte er die Chance gehabt, seinen Schulabschluss nachzuholen“, erzählt Dolmetscher Ibrahim Hassan. Zudem wollen viele Geflüchtete schnell Geld in die Heimat schicken. „Manchmal bringt es aber mehr, sich erst einmal auf die neue Sprache zu konzentrieren. Deswegen versuchen wir den Ansatz ‚Ich möchte arbeiten, egal was‘ zu ändern“, erklärt der Büro-Koordinator.

Nach knapp 1.700 Beratungen können Michael Arri und seine Kolleginnen und Kollegen die Beratung spezifischer gestalten. Denn die Deutschkenntnisse der Geflüchteten in Berlin haben sich verbessert. So passen sie auch ihr Angebot ständig an die neuen Verhältnisse an. Ganz neu dazugekommen ist die Beratung für geflüchtete Unternehmensgründerinnen. Ein Problem können aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WiA-Büros oft nicht lösen. Die Wohnungsknappheit ist auch in Spandau deutlich zu spüren.

Julia Raunick