Kämpfer für Menschenrechte

Yahya Alaous schaut aus dem Fenster
"Ich hatte großes Glück", sagt der syrische Journalist Yahya Alaous Bild: Publiplikator

Gerade in Krisenzeiten wird Journalistinnen und Journalisten eine besondere Rolle zuteil. Sie machen Missstände öffentlich, womit sie sich oftmals auch in Gefahr begeben. Diese Erfahrung musste auch der 43-jährige Yahya Alaous aus Syrien machen.

Seit 1996 arbeitete Yahya Alaous in Damaskus als Journalist für diverse lokale Tageszeitungen. Aufgrund seiner kritischen Äußerungen gegen das Regime von Baschar al-Assad wurde er 2002 verhaftet und saß zwei Jahre im Gefängnis. Anschließend konzentrierte er sich ausschließlich auf Frauen- und Menschenrechte, wurde Chefredakteur eines Online-Magazins, das 2012 aufgrund der politischen Situation in Syrien von der Regierung aufgelöst wurde.

Zeitgleich befand sich der syrische Bürgerkrieg auf seinem Höhepunkt. Tausende Menschen starben, unzählige flüchteten aus dem Land. Doch Yahya Alaous konnte und wollte seine Heimat noch nicht verlassen. Er wurde Korrespondent für die renommierte arabische Zeitung Al-Hayat, ging auf Demonstrationen und schrieb unter Pseudonym für das regimekritische Magazin Syrian Observer.

„Ich hatte großes Glück“

Als sich die Situation mehr und mehr zuspitzte, wurde es für die Familie Alaous zu gefährlich in Damaskus. Eine deutsche Bekannte, die einige Zeit als Auslandsreporterin in Syrien tätig war, vermittelte dem Journalisten 2015 ein Visum über die Organisation „Reporter ohne Grenzen“. „Ich hatte großes Glück“, erklärt Yahya Alaous. „Meine Einreise nach Deutschland lief ganz problemlos ab. Meine Familie und ich kamen mit dem Flugzeug nach Berlin, ganz anders als meine Landsleute, die zu Fuß oder per Schiff hierhergekommen sind.“

Eine Zukunft in Berlin?

Yahya Alaous lebt seitdem in Berlin als freier Journalist, schreibt regelmäßig Kolumnen für Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt. Dort berichtet er von seiner Sicht der Dinge, von seinem Leben in Deutschland, von gesellschaftlichen Unterschieden. Er beobachtet, was in der Stadt passiert, sammelt Stoff für seine Artikel. Die Themen Frauenrechte und Syrien liegen Yahya Alaous weiterhin am Herzen. Seine Texte verfasst der 43-Jährige auf Englisch, Deutsch spricht er nur wenig. „Meine Töchter sprechen die Sprache schon fließend, sie gehen hier zur Schule und haben Freunde“, erklärt er. „Sie sind schon ziemlich gut integriert. Für junge Menschen ist es leichter, in Deutschland neu anzufangen. Sie haben das Leben noch vor sich. Für mich und andere in meinem Alter ist das jedoch nicht so einfach. Wir hatten ein Leben in unserer Heimat, das wir zurücklassen mussten.“

Kreative Projekte für geflüchtete Frauen

Für Yahya Alaous ist der Weg in Berlin noch nicht zu Ende. Er möchte, sobald es geht, zurück nach Syrien, um das Land wiederaufbauen. Doch daran ist jetzt noch nicht zu denken. Deshalb versucht er, Geflüchteten hier in Berlin zu helfen. Zusammen mit seiner Frau unterstützt er geflüchtete Frauen dabei, sich durch kreative Projekte selbst zu verwirklichen. Zum Beispiel stellen sie Taschen aus Leder her. „Dabei entsteht wahre Kunst. Viele der Teilnehmerinnen erkennen so, welche Potentiale sie haben und dass sie diese auch für sich nutzen können. Vielen ist gar nicht richtig bewusst, dass sie nicht nur an einem anderen Ort leben, sondern auch in einer neuen Gesellschaft, in der für sie viel mehr möglich ist.“

Sarah Wiedenhöft