Hass mit Humor bekämpfen

Firas Alshater sitzt mit einem aufgeklappten Notebook an einem Tisch, auf dem sein Buch steht. Er spricht in ein Mikrofon.
Mit seinem ersten Buch gibt Firas Alshater deutschlandweit Lesungen Bild: Publiplikator GmbH

In fast perfektem Deutsch hallen die Worte Firas Alshaters durch das Gewölbe der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg. Der junge Syrer sitzt an einem Tisch auf dem Altarraum und liest vor geladenen Gästen aus seinem gerade veröffentlichten Buch „Ich komm auf Deutschland zu“. Seit 2013 lebt und arbeitet er in Berlin. Er kam mit einem Arbeitsvisum, um den Film eines Freundes fertigzustellen, der im Syrien-Krieg gestorben war, und entschied sich, in Deutschland zu bleiben. Dabei hätte er auch so jeden Grund gehabt, Syrien zu verlassen. Als Aktivist, Filmemacher und Teil der Revolutionsbewegung wurde er in Syrien sowohl im Auftrag des Assad-Regimes als auch von islamistischen Gruppen mehrfach festgenommen und gefoltert.

Formate: video/youtube

Die eigene Geschichte ist nur eine von vielen

Diese Erlebnisse entschärft der 26-Jährige in seinen Erzählungen durch Humor, um sie leichter erfahrbar zu machen für andere. „Mit Humor kann man viel mehr schaffen, als man denkt. Hass mit Humor zu bekämpfen ist auf jeden Fall besser, als Hass mit Hass zu bekämpfen. Seitdem ich mit Humor arbeite, habe ich viele Leute erreicht, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie erreichen könnte.“

Und das merkt man. Das erste Video auf seinem YouTube-Kanal „Zukar“ wurde 2015 zu einem großen Erfolg und erzielte innerhalb weniger Tage über eine halbe Million Klicks in den sozialen Medien. In seinen YouTube-Videos setzt er sich mit der Identität der Deutschen, ihren Ansprüchen an Eingewanderte und seinen eigenen Erfahrungen in der Bundesrepublik auseinander. Dabei ist ihm bewusst, dass seine Geschichte nur eine von vielen ist, die syrische Geflüchtete in den letzten Jahren erlebt haben. „Ich möchte einfach, dass die Menschen eine von Millionen Geschichten kennen. Wenn wir eine Geschichte öffentlich machen, verstehen vielleicht mehr Menschen, warum wir geflüchtet sind und was wir erlebt haben. Dann könnte es sein, dass wir damit vielen die Augen öffnen und dass die Leute ein bisschen mehr nachdenken, mehr Mitgefühl zeigen und verstehen, was bei anderen Menschen, in einer anderen Welt, passiert.“

Firas trägt ein ein olivfarbenes Hemd und rote Hosenträger. Er steht vor einem schwarzen Hintergrund und schaut direkt in die Kamera.
Firas Alshater ist Filmemacher, YouTuber und Autor Bild: Firas Alshater

Firas Alshater kommt auf Deutschland zu

Ein Buch schreiben, das wollte Firas Alshater schon immer. Später irgendwann mal. Doch immer wieder kamen Verlage auf ihn zu und fragten, ob er nicht bei ihnen veröffentlichen wolle. Das nicht enden wollende Interesse an seiner Person und der eigene Antrieb, seine Geschichte öffentlich zu machen, bewegten ihn letztlich dazu, ein autobiografisches Buch zu schreiben. Mit Humor, versteht sich. „Ich komm auf Deutschland zu“ erzählt in Anekdoten von seiner Ankunft und dem Einleben in Deutschland. Beispielsweise wie sehr er sich über den ersten Brief seines Lebens – in Syrien gibt es kein vergleichbares Post-System – freute, den er vom Berliner Finanzamt erhielt. Seine Freude darüber war riesig. Der Brief aber war auf Deutsch, obwohl sein damaliger Aufenthaltsstatus ihm den Besuch eines Deutschkurses untersagte. „Wie bitte? Ich darf nicht arbeiten und kriege eine Steuernummer? Ich darf keinen Sprachkurs besuchen und kriege Briefe auf Deutsch? Willkommen in Deutschland!“

Von oben sieht man die Zuschauer, die Firas bei seiner Lesung zuhören.
Alshaters' Lesung in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg Bild: Publiplikator GmbH

Längst hat er eine eigene Wohnung und studiert an der Filmuniversität Babelsberg Filmschnitt. Objektiv betrachtet, scheint Firas Alshater also sehr gut integriert zu sein. Spricht man ihn darauf an, fragt er: „Was bedeutet Integration?“ Für ihn selbst scheint dieser Terminus keine Rolle zu spielen, fühlt er sich durch seine offene Art anderen Menschen gegenüber doch immer integriert, egal wo er ist. Um gesellschaftliche Barrieren zu lockern und Sensibilität für das Schicksal der vielen Geflüchteten zu wecken, die in den letzten Jahren in die Bundesrepublik kamen, wird er sicher auch in Zukunft mit viel Humor auf Deutschland zugehen.

Josefine Jacob