Ein Geflüchteter, der Geflüchteten hilft

Alan Ibo sitzt vor einem Computer
Am Vormittag paukt Alan Ibo Deutsch, am Nachmittag arbeitet er in der Gastronomie oder berät andere Geflüchtete Bild: Publiplikator

Wer an die Tür zu Zimmer 15 des Bezirksamts Mitte, am Mathilde-Jacob-Platz 1, klopft und öffnet, hat oft Probleme mit dem Ausfüllen von Formularen und Anträgen, Fragen zu staatlichen Leistungen oder zur Integration allgemein.

Die Geflüchteten, die sich hier vorstellen und um Rat suchen, treffen auf Integrationslotsinnen und -lotsen, darunter den 21-jährigen Alan Ibo. Er empfängt jeden sehr freundlich und hilft, wo immer er kann. Dass der junge Mann vor gar nicht allzu langer Zeit selbst als Geflüchteter in Berlin angekommen ist, weiß kaum jemand.

Deutsch im Eiltempo

Der Kurde aus Syrien, darauf legt er Wert, ist im September 2015 nach Deutschland gekommen. Über seine Flucht, die ihn von der Türkei und Griechenland nach Berlin führte, spricht er nur ungern. In Syrien hatte er schon in jungen Jahren als Verkäufer in einem Supermarkt gearbeitet und parallel Hotelfach studiert. „In Berlin angekommen, ging bei mir alles ganz schnell“, sagt Alan Ibo in sehr gutem Deutsch.

Die Sprache seiner neuen Heimat lernte er im Eiltempo. Am Vormittag wird Deutsch gepaukt, am Nachmittag arbeitet er in der Gastronomie verschiedener Hotels. „Die Grammatik habe ich bei den Sprachkursen gelernt, die eigentliche Sprache bei der Arbeit.“ Die Minijobs machen Spaß und sorgen schnell dafür, dass er nicht mehr auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen ist. Sein eigenes Geld verdienen, auf eigenen Beinen stehen, ist ihm enorm wichtig.

Früher Klient, heute Kollege

Im März 2016 ist er als „Klient“ im Lotsenbüro an der Beusselstraße. Als er sechs Monate später wieder dort ist, fällt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf, wie fließend er bereits Deutsch sprechen kann. Der Zufall will, dass für ein neues Büro des Projekts, am Mathilde-Jacob-Platz 1, eine Sprachmittlerin oder ein Sprachmittler gesucht wird. Die Integrationslotsinnen und -lotsen motivieren Alan Ibo, sich doch zu bewerben. „Ich konnte das gar nicht glauben, dass ich so schnell eine Chance bekommen sollte. Aber es hat tatsächlich geklappt.“

Seit dem 1. September ist Ibo jetzt selbst als Integrationslotse angestellt. „Ich kenne die Sorgen und Probleme der Geflüchteten sehr gut und weiß, wie ich helfen und unterstützen kann.“ Er hat sich vom Klienten zum Kollegen entwickelt, sagt eine seiner Kolleginnen und lobt seine hohe Motivation und seine enormen Sprachkenntnisse.

Das Ziel: Eine Ausbildung im Hotel

Alan Ibo bildet sich stetig weiter, erhält unter anderem ein Zertifikat zu den „Grundlagen des Sozialgesetzes und zum Ausländerrecht“. Doch der junge Mann, der gerade auch noch seinen Führerschein macht, ist noch nicht am Berufsziel angekommen. „Mein Wunsch ist es, als Stadtführer zu arbeiten und eine entsprechende Ausbildung zu machen. Ich komme aus dem Tourismus, und da möchte ich auch gerne wieder hin.“ Bevor er das angeht, will er seine Deutschkenntnisse noch weiter verfeinern und parallel Englisch lernen.

Wer ihn beobachtet, wie er die Geflüchteten im Bezirksamt Mitte lotst, berät und unterstützt, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass Alan Ibo auch diese Hürde mit Leichtigkeit nehmen wird.

Thomas Reckermann