Mit Vokabelheft zum Industriekaufmann

Vor einem bunten Bild stehen Nariman Malkari, Mahmoud Asad und Mamadou Tounkara, drei GASAG-Azubis.
Mamadou Tounkara, Nariman Malkari und Mahmoud Asad (v.l.n.r.) haben im Berliner Arbeitsmarkt Fuß gefasst. Bild: GASAG/Thomas Ecke

Nariman Malkari, Mahmoud Asad und Mamadou Tounkara haben es geschafft – sie absolvieren eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Die drei Männer bilden den ersten internationalen Jahrgang, der seit September 2016 bei der GASAG ausgebildet wird.

„Ich wollte etwas machen in Deutschland, nicht nur die Sprache lernen, sondern auch arbeiten und einen Beruf ausüben“, sagt der 25-jährige Mahmoud Asad, der bereits zwei Jahre Betriebswirtschaft in Syrien studiert hatte. „In Deutschland wollte ich gern in einem großen Unternehmen arbeiten.“

Gemeinsam mit anderen Auszubildenden lernen sie nun zwei Tage in der Berufsschule und drei Tage im Unternehmen. Dabei helfen ihnen elektronische Übersetzer und zusätzliche Sprachkurse. Denn gerade in der Berufsschule war es schwer für sie, Fuß zu fassen und dem Unterricht zu folgen.

Nariman Malkari schaut nach oben. er trägt eine Brille.
Nariman Malkari hat im Iran auch als Kaufmann gearbeitet. Bild: GASAG/Thomas Ecke

Erst Praktikum, dann Ausbildung

Doch die drei Auszubildenden sind von Anfang an mit viel Enthusiasmus bei der Sache. Wie die beiden anderen hat Nariman Malkari immer ein Vokabelheft dabei, in das er fremde Begriffe schreibt – mittlerweile fast 400. „Ich habe im Iran auch als Kaufmann gearbeitet. Die Inhalte hier sind ähnlich, nur die Sprache braucht Zeit“, sagt der 27-jährige Kurde aus dem Iran, der heute in Henningsdorf lebt. Bevor er den Ausbildungsplatz bekam, hatte er 20 bis 30 Bewerbungen geschickt, alle waren zurückgekommen.

Sein Kollege Mamadou Tounkara aus Guinea besuchte den regionalen Energieversorger im Rahmen einer Veranstaltung – und war sofort begeistert. Er fragte einen GASAG-Mitarbeiter, was er tun müsse, um hier zu arbeiten, schrieb eine Bewerbung, wurde zum zweiwöchigen Praktikum eingeladen und erhielt im Anschluss den Ausbildungsplatz. „Erst in dieser Zeit habe ich wirklich Deutsch gelernt“, so der 21-Jährige, der seit fast zwei Jahren in Deutschland lebt.

 Mahmoud Asad trägt ein blaues Hemd.
Mahmoud Asad studierte bereits zwei Jahre Betriebswirtschaft in Syrien. Bild: GASAG/Thomas Ecke

Sprache ist der Dreh- und Angelpunkt

Voraussetzung für die Ausbildung bei der GASAG sind neben fachlicher Eignung und Motivation grundlegende Deutschkenntnisse. „Es war uns wichtig, dass sich ihre Ausbildung, wenn möglich, nicht von denen der anderen unterscheidet. Wir haben aber nach einem Jahr Ausbildung gemerkt, dass der Dreh- und Angelpunkt die Sprache ist. Deswegen sind zusätzliche Sprachkurse für den Erfolg im Unternehmen und der Berufsschule sehr wichtig“, sagt GASAG-Ausbildungsleiterin Carolin Marggraff. Gemeinsam mit ihrem Team steht sie auch bei Fragen und Problemen außerhalb der Ausbildung unterstützend zur Seite, setzt etwa Schreiben für Verwaltungsstellen auf oder hilft bei der Wohnungssuche.

Mamadou Tounkara lächelt fröhlich.
Mamadou Tounkara besuchte die GASAG im Rahmen einer Veranstaltung – und war sofort begeistert. Bild: GASAG/Thomas Ecke

„Wir erhalten immer interessante Aufgaben, auch wenn wir manchmal nicht alles sofort verstehen. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben aber immer die Geduld, uns alles genau zu erklären. Dafür wollen wir uns ausdrücklich bedanken!“, betont Mamadou Tounkara. Sein Kollege Mahmoud Asad fragt immer nach, wenn er etwas nicht versteht oder weiß – wie zum Beispiel die weibliche Form von „Auszubildender“ lautet. „Auch die anderen Auszubildenden bei der GASAG helfen uns immer gern weiter“, so der gebürtige Syrer.

Diesen Herbst beginnt ein neuer internationaler Jahrgang seine Ausbildung beim Berliner Energieversorger. Nariman Malkari, Mahmoud Asad und Mamadou Tounkara sind dann schon im zweiten Lehrjahr.

Julia Raunick