Sprachkurse und Kinofreikarten

29.01.2017 08:00

Majdi Alachkar zeigt die Internetseite des Projektes. Er sammelt für sein Programm Informationen darüber, was Geflüchtete benötigen
Majdi Alachkar sammelt für sein Programm Informationen darüber, was Geflüchtete benötigen Bild: Buddy Bartelsen

In Berlin zu leben bedeutet für Majdi Alachkar Freiheit. Der 29-Jährige sieht seine Zukunft in diesem Land. Dass von Geflüchteten gefordert wird, sich in Deutschland zu integrieren, sieht er positiv. Durch Integration könne das Leben für Geflüchtete einfacher werden, findet er. Um sich zu integrieren, müsse allerdings nicht nur die deutsche Sprache erlernt werden, sondern man müsse auch die Kultur und den Alltag der Deutschen begreifen, fügt er hinzu. Das Praktikum bei “HiMate”, einem Social Start-up, ist für ihn ein Teil seiner Integration.

Majdi Alachkar hat in Damaskus Wirtschaft studiert und arbeitete dort zunächst bei einer Bank. Nach Deutschland kam er vor zwei Jahren, um hier weiter zu studieren. Als sich der Bürgerkrieg in Syrien auch in seine Heimatstadt Suweida ausweitete, beantragte er in Deutschland Asyl. Suweida liegt im Südwesten von Syrien, Majdi Alachkar gehört einer religiösen Minderheit an, den syrischen Drusen. Religion ist für Majdi Alachkar etwas Privates, ihr gebührt jedoch Respekt.

Video: Ein Start-up, das hilft

Majdi Alachkar und sein Chef, Start-up-Gründer Thomas Noppen
Majdi Alachkar und sein Chef, Start-up-Gründer Thomas Noppen Bild: Buddy Bartelsen

Angebote, die Flüchtlinge brauchen und wollen

Seit fast einem Jahr lernt er Deutsch, teilt sich mit einem anderen Geflüchteten eine Wohnung in Berlin-Weißensee. Seine Eltern leben in den Emiraten, einer seiner Brüder lebt in Syrien, ein weiterer als Flüchtling in den Niederlanden.

Majdi Alachkar macht seit Mitte Oktober 2016 ein Praktikum bei HiMate. Thomas Noppen, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, ist sein Chef, beide verstehen sich gut. HiMate ist ein Social Start-up, seit einem Jahr gibt es die Plattform. Von Kinofreikarten über Sprachkurse bis hin zu Sachspenden können Geflüchtete per App reservieren und sie vor Ort einlösen. Die Gutscheine werden zuvor von Firmen, Institutionen oder Vereinen gespendet.

„Für uns war es von vornherein sehr wichtig, dass wir Geflüchtete im Team haben. Einerseits, um die Angebote zu übersetzen, wir haben jetzt neben Deutsch und Englisch auch Farsi und Arabisch auf der App. Und andererseits natürlich auch, um ein Feedback zu bekommen, welche Angebote die Geflüchteten brauchen und wollen. Durch die Mitarbeit von Geflüchteten wissen wir, wo wir helfen müssen“, sagt Thomas Noppen.

"Durch die Mitarbeit von Geflüchteten wissen wir, wo wir helfen müssen“, sagt Thomas Noppen
"Durch die Mitarbeit von Geflüchteten wissen wir, wo wir helfen müssen“, sagt Thomas Noppen Bild: Buddy Bartelsen

Anderen helfen können

Mit der Arbeit von Majdi Alachkar ist er bislang sehr zufrieden. Man habe von ihm nur profitiert, findet Thomas Noppen. Nicht nur, weil er Arabisch spricht, sondern weil er ein kulturelles Verständnis hat. HiMate kann inzwischen auf ein großes Unterstützernetzwerk zählen. Über 30 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer stützen die Plattform mit ihrem Knowhow.

Zwei Partner, Delodi und Project A Ventures, waren von Anfang an dabei. Delodi hat pro bono die App gebaut. Zudem können die HiMate-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter kostenlos die Räumlichkeiten von Delodi nutzen. Majdi Alachkar und weitere fünf Mitarbeitende sitzen täglich im Großraumbüro.

Zu den Aufgaben als Praktikant zählt auch der direkte Kontakt zu anderen Flüchtlingen. Majdi Alachkar sammelt Informationen darüber, was die Geflüchteten benötigen, damit die Angebote auf der App landen, die tatsächlich von ihnen gebraucht werden. Beruflich mit Flüchtlingen zu arbeiten, ist etwas ganz Neues in seinem Leben. Er selbst habe als Geflüchteter viel Hilfe erfahren und jetzt könne er anderen helfen, darüber freue er sich sehr, erzählt Majdi Alachkar mit einem Lächeln.

Ismahan Alboga