Jeden Tag ein bisschen besser werden

29.01.2017 08:00

Porträtfoto von Mohammed Sukari
Mohammed Sukari hilft es, mit arabischen Mitschülern und Mitschülerinnen nur Deutsch zu sprechen
Bild: Buddy Bartelsen

„Hallo, ich bin Mohammed. Wie geht’s?“ Der 20-Jährige grüßt in perfektem Deutsch. 2014 kam er mit seiner ganzen Familie nach Berlin – Eltern und drei Geschwister. Geflüchtet aus dem umkämpften und vom Assad-Regime bombardierten Homs. Zunächst lebten sie in einer Flüchtlingsunterkunft, seit einem Jahr hat die syrische Familie eine Wohnung in Siemensstadt. Ihr Asylantrag wurde genehmigt. Das gibt zusätzliche Sicherheit.

Mit den Eltern als Rückhalt sei es für ihn leichter gewesen, in einer zunächst fremden Stadt ein neues Leben zu beginnen, erzählt Mohammed. „Zum Glück muss ich auch auf die leckere syrische Küche nicht verzichten. In Berlin findet man alles, was es zum Kochen braucht, und meine Mutter ist eine hervorragende Köchin.“

Von der Willkommens- in die Regelklasse

Die ganze Familie beschäftigt sich täglich mit der deutschen Sprache. Das Lernen bereitet Mohammed keine Probleme. „Klar, die Grammatik, die Länge der Wörter, die Artikel – das hat es schon in sich. Aber die Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagt er. In seiner Willkommensklasse im Hannah-Arendt-Gymnasium in Rudow wurde nur Deutsch gesprochen. Zusätzlich lernt er täglich sechs Stunden außerhalb der Schule die neue Sprache.

Im ersten Semester hätten die Lehrer und Lehrerinnen noch Fehler in der Grammatik „durchgehen“ lassen. Jetzt aber, im mittlerweile dritten Semester in einer ganz normalen Regelklasse, werden auch Rechtschreibfehler in Klausuren angestrichen und führen dann zu Punktabzügen.

Es sei für ihn ein Ansporn, jeden Tag immer besser zu werden, erzählt er. Das glaubt man sofort, wenn man erlebt, wie er versucht, wohltemperiert und grammatikalisch möglichst korrekt die Sätze zu wählen. Da ist einer, der diese schwierige Sprache eines Tages beherrschen möchte.

Von Schule bis Weltpolitik

Es helfe, so Mohammed Sukari, selbst mit arabischen Mitschülern und Mitschülerinnen nur Deutsch zu sprechen. Außerdem hat ihm eine Lehrerin den Kontakt zu einem pensionierten Physiker hergestellt. Das passt, denn Mohammeds Leistungsfächer auf dem Weg zum Abitur sind Mathematik und Physik. „Wir treffen uns zweimal pro Woche und reden über alles – von Schule bis zur Weltpolitik. Und natürlich auch über Syrien.“ Er erzählt seinem Mentor dann von seiner Heimatstadt und seinen Freunden, die er vermisst.

Kontakt in die alte Heimat hält er über soziale Netzwerke: Facebook, Messenger, WhatsApp. Und trotzdem, Mohammed sieht seine Zukunft in Deutschland, in Berlin. „Ich finde die Stadt toll, spüre keinen Rassismus, mag die vielen Kulturen, die hier miteinander leben. Berlin hat es mir leicht gemacht, mich hier wohlzufühlen.“

Zukunft in Berlin oder Homs?

Nach dem Abitur will er Maschinenbau studieren, am liebsten an der Technischen Universität. Und dann eine eigene Firma gründen. Wenn möglich im Bereich der Automobilbranche. Auch mit dem Auto kann er Berlin erkunden, seit zehn Monaten hat Mohammed seinen Führerschein.

Hält er denn eine Rückkehr nach Homs für völlig ausgeschlossen? „Ich möchte mir hier in Berlin meine Träume erfüllen. Meine Zukunft sehe ich auf alle Fälle in Deutschland. Nach Homs kann ich ja, wenn hoffentlich bald Frieden einzieht, immer zu Besuch kommen.“

Daniel Gäsche