Aufgeben kommt nicht infrage

29.01.2017 08:00

Alen und Jasmina Cevic mit ihrer Tochter Ajna
Alen und Jasmina Cevic mit ihrer jüngsten Tochter Ajna
Bild: Buddy Bartelsen

Es sind exakt 14,85 Quadratmeter, aufgeteilt in zwei Zimmer. Eines davon mit einer kleinen Küchenzeile, einem Esszimmertisch mit vier Stühlen und einem Sofa. Im Nebenraum stehen ein großes Doppel- und ein Gitterbett. Seit April 2015 lebt hier die bosnische Familie Cevic.

Kaum einer kann sich ein Leben in einem Containerdorf vorstellen. Für die vierköpfige Familie allerdings ist es ein Ort der Sicherheit geworden. Mit einfachen Mitteln haben sie sich ihre kleine, gemütliche Oase geschaffen, mit Spielzeug für die beiden Töchter, einem Fernseher und Bildern an der Wand.

Auch ein großes Stoffposter von Hertha BSC schmückt ihr Wohn- und Esszimmer. Strahlend berichtet der 35-jährige Alen von seiner Zeit als Profifußballer in Bosnien. Hertha-Kapitän und Landsmann Vedad Ibišević kennt er noch von früher. Doch seitdem ist viel passiert.

Nachts wurde ihr Haus angezündet

In seiner bosnischen Heimat habe man versucht, ihn als Soldat für den syrischen Krieg zu rekrutieren, erzählt Alen. Für ihn war das zu keinem Zeitpunkt eine Option. Doch durch diese klare Haltung änderte sich für die damals dreiköpfige Familie alles, berichtet Alens Frau Jasmina. Eines Nachts wurde ihr Haus angezündet, in dem sie mit ihrer Tochter lebten. Ein Schock für die Familie, die sich seither nicht mehr sicher fühlte.

Nachdem sie zunächst bei Jasminas Eltern Zuflucht gefunden hatten, beschlossen sie, nach Deutschland zu gehen. Das war keine leichte Entscheidung, schließlich mussten sie Freunde und Familie zurücklassen. Doch rückblickend sind sie froh, diesen Weg gewählt zu haben.

Eine kleine Berlinerin

Im Frühjahr 2015 kamen sie mit dem Bus nach Berlin. Sieben Monate später erblickte ihre Tochter Ajna das Licht der Welt. Sie ist eine kleine Berlinerin, auch wenn sie durch ihre Geburt in der Hauptstadt nicht automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt.

Ihre älteste Tochter Ajla hat bereits zwei Monate nach Ankunft in Berlin einen Platz in einem internationalen Kindergarten bekommen. Sie hat sich sehr gut eingelebt, Freunde und Freundinnen gefunden und spricht bereits Deutsch. Ihre Mutter Jasmina ist froh darüber, denn sie weiß, wie wichtig die Sprache ist.

Sie sind nicht wegen des Geldes gekommen

So schnell wie möglich möchte Jasmina den angebotenen Deutschkurs in der Unterkunft besuchen. „Sobald meine kleine Tochter mir die Ruhe dafür gibt“, sagt sie lächelnd. Bis dahin sind die vierjährige Ajla und das deutsche Fernsehprogramm ihre Lehrer. Aber auch das Zusammensein mit anderen Eltern des Kindergartens und die damit verbundenen zaghaften Freundschaften empfindet sie als eine gute Hilfe.

Alen ist schon ein wenig weiter, er spricht bereits einige Worte Deutsch. Das größte Ziel haben sie noch nicht erreicht: einen Job finden – eigenständig sein, um zu beweisen, dass sie nicht wegen des Geldes nach Berlin gekommen sind.
Alles braucht seine Zeit.

Der Anfang ist gemacht, eine wichtige Hürde genommen: Seit Anfang Oktober 2016 haben beide eine Arbeitserlaubnis. Ein wichtiges Dokument für das Ehepaar. Doch für den gelernten Automechaniker und die 24-jährige Buchhalterin erweist sich die Arbeitssuche als schwierig.

Aufgeben kommt für beide allerdings nicht infrage. Doch alles braucht seine Zeit, das wissen Alen und Jasmina. Schritt für Schritt, da sind sie sich sicher, wird Berlin ihre neue Heimat werden.

Denise Groß