Was bewegt junge Geflüchtete?

29.01.2017 08:00

Cornelia Geigulat und ihre Schülerinnen und Schüler
Cornelia Geigulat und ihre Schülerinnen und Schüler
Bild: Buddy Bartelsen

Sie heißen Ludmila, Maura, Nour, Viktoria, Ahmad, Mohammad, Silvio und Ahmad, sind aus Moldawien, Rumänien, dem Libanon, Polen, Syrien und zwischen 15 und 17 Jahre alt. Sie sind im Schnitt seit rund einem Jahr in Berlin und haben schon Erstaunliches geschafft.

Alle Acht starteten am Leonardo-da-Vinci Gymnasium in Buckow bei Null, sprachen kein Wort Deutsch, schafften aber nach einem dreiviertel Jahr in der Willkommensklasse bei Cornelia Geigulat den Sprung in eine Regelklasse.

Das Knifflige mit den Artikeln

„Eine tolle Lehrerin. Sehr streng, aber das mochte ich. Das hat mir geholfen. Mir hat das Malen besonders viel Spaß gemacht. Und das Tolle: Wir können mit jedem Problem zu ihr kommen, sie hat immer ein offenes Ohr und hilft auch bei den Hausaufgaben“, schwärmt die 17 Jahre alte Ludmila aus Moldawien in einem (noch) vom Akzent durchsetzten Deutsch.

„Es war schon schwierig, so schnell eine neue Sprache zu lernen. Das Knifflige ist die Sache mit den Artikeln“, ergänzt Mohammad, 16 Jahre und aus dem syrischen Damaskus. „Und die Literatur, wie ‚Frühlings Erwachen‘ von Wedekind. Das ist sehr anspruchsvoll“, merkt die 15-jährige Maura aus Rumänien an.

Erdkunde und Geschichte machen Probleme

Jetzt sind die Acht in der neunten Klasse, einer Regelklasse, zusammen mit deutschen Mitschülern und Mitschülerinnen. Erdkunde und Geschichte seien schwierig, sagen einige, und in Deutsch ist gerade Storms Novelle „Schimmelreiter“ dran. Mit dem haben schon deutsche Schülergenerationen ihre Schwierigkeiten gehabt.

Der 16 Jahre alte Ahmad aus Damaskus, der mit seiner 17-jährigen Schwester Nour, weiteren Geschwistern und den Eltern vor über einem Jahr nach Berlin kam, ist selbstbewusst und spricht schon fließend Deutsch. Das intensive Lernen, 22 Stunden pro Woche, trägt Früchte.

Oben (v.l.): Silvio, Mohammed, Ahmad und Ahmad. Unten: Viktoria, Maura, Ludmila und Nour
Oben (v.l.): Silvio, Mohammed, Ahmad und Ahmad. Unten: Viktoria, Maura, Ludmila und Nour
Bild: Buddy Bartelsen

Autodesignerin, Übersetzerin, Architekt oder Lehrerin

Ahmad hat in der Schule schon viele deutsche Freunde gefunden und fühlt sich richtig wohl in Berlin. Auch einen konkreten Berufswunsch hat er schon. Ingenieur für Autos möchte Ahmad werden. „Am liebsten bei Mercedes“, grinst er. Der 16-Jährige sieht seine Zukunft und seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland. Träumt aber auch davon, einmal den höchsten Turm der Welt, den Burj Khalifa, in Dubai zu sehen.

Auch die anderen haben schon relativ konkrete Berufswünsche. Ludmila möchte Autodesignerin oder Übersetzerin werden. Sie ist ein Sprachentalent, spricht Russisch, Bulgarisch, Französisch und nun auch Deutsch.

Maura will Medizin studieren, Ahmad aus dem Libanon interessiert sich für Architektur. Nour möchte Lehrerin werden. Inspiriert von ihrem Vorbild, ihrer Lehrerin aus der Willkommensklasse, Cornelia Geigulat.

In Deutsch träumen

Einen eher ungewöhnlichen Wunsch hat der 15 Jahre alte Silvio aus Rumänien, der übrigens auch Griechisch spricht: „Ich möchte Gamedesigner werden und Rollenspiele entwickeln“.

Da wächst eine neue, wissbegierige Generation für Berlin und Deutschland heran. Und eines Tages werden sie alle so gut Deutsch sprechen, dass sie auch in Deutsch träumen werden. „Wenn man anfängt, in einer Sprache zu träumen, ist man angekommen“, fügt Lehrerin Cornelia Geigulat hinzu. Diese Schüler und Schülerinnen sind auf dem besten Wege dahin.

Daniel Gäsche