Mit Stolz und Stärke

29.01.2017 08:00

Mohamed und Suheer Merey mit einem ihrer Kinder, Sohn Kamal
Mohamed und Suheer Merey mit einem ihrer Kinder, Sohn Kamal
Bild: Buddy Bartelsen

„Kann ein Land Heimat sein, wenn man dort nicht geduldet ist, man keinerlei Rechte hat? Die Kinder zwei Jahre nicht zur Schule gehen können und man tagtäglich Angst um sein Leben haben muss?“, fragt Mohamed Merey und liefert die Antwort gleich selbst: „Nein.“

Der Palästinenser sah für sich und seine Familie nur eine Möglichkeit: die Flucht aus Libyen. Zehn Tage dauerte sie und führte die Familie über die Balkanroute nach Deutschland. Zu den Mereys gehören Mohameds 38-jährige Frau Suheer und sieben Kinder. Die jüngsten, Zwillinge, waren zum Zeitpunkt der Flucht gerade einmal sechs Jahre alt.

Den Kindern Halt und Geborgenheit geben

Mittlerweile sind sie angekommen, in Sicherheit. Suheer, eine Frau mit klaren, offenen Augen, ist sogar in Berlin erneut Mutter geworden. Das jüngste Familienmitglied ist jedoch in Obhut des Jugendamtes, bis die Familie ein eigenes Zuhause hat, berichten die Eltern. So ist verständlich, dass eigene vier Wände der größte Wunsch der palästinensischen Großfamilie sind.

Momentan haben sie, nach einigen Stationen innerhalb Berlins, in einer Turnhalle eine vorübergehende Unterkunft gefunden. Für die Familie kein leichter Zustand. Immer wieder gibt es Momente der Hoffnungslosigkeit. Dennoch: Mit Stolz und Stärke meistert sie ihre Situation, und es ist vor allem die Kraft der Eltern, die den Kindern Halt und Geborgenheit gibt. Schließlich sind sie nach Berlin gekommen, um sich ein neues Leben aufzubauen, frei zu sein und arbeiten zu können. „Vielleicht sogar als Restaurator, in meinem erlernten Beruf“, erklärt der Familienvater.

Erst Abitur, dann Krankenschwester oder Ärztin werden

Bis zur endgültigen Klärung ihres Aufenthaltsrechts in Berlin lernt das Ehepaar gemeinsam und hochmotiviert Deutsch. In einer Kirchengemeinde, mithilfe pensionierter Deutschlehrerinnen und -lehrer. Es gibt schon erste Fortschritte, und so gehen beide Elternteile seit kurzem nicht nur zwei-, sondern gleich dreimal in der Woche zum Kurs, um schneller zum Erfolg zu kommen.

Samira, mit 17 Jahren die älteste unter den Geschwistern, spricht schon sehr gut Deutsch. Sie trägt das Amulett einer Moschee um den Hals. „Ein Glücksbringer“, erzählt sie. Das ist es auch, was sie sich für ihre Familie wünscht: Glück. Für sich persönlich wünscht sie sich, in Berlin Abitur machen zu können, um dann Kinderärztin oder Krankenschwester zu werden.

Erste zarte Freundschaften werden geknüpft

Die junge Palästinenserin ist auf einem guten Weg, sie besucht inzwischen ein Gymnasium. Auch ihre Geschwister gehen allesamt zur Schule und finden sich in der deutschen Sprache schon sehr gut zurecht. Erste zarte Freundschaften konnten geknüpft werden, berichtet Samira zaghaft, und man spürt, dass sie insgeheim gerne mehr Freunde hätte.

Ein guter Weg dorthin sind bestimmt die Hobbys, die alle sechs Geschwister mittlerweile gefunden haben. Der älteste Sohn Samir spielt Fußball und träumt sogar von einer Karriere als Profi. Ein anderer Bruder, Faris, liebt die Musik und spielt in einem Jugendzentrum Beatbox und Schlagzeug. Fest steht: Sie alle, die Eltern und auch ihre Kinder, haben Träume. Und sie alle versuchen, ihnen jeden Tag ein Stückchen näher zu kommen.

Denise Gross