Alleinerziehend in Berlin

Die 33-jährige Syrerin Medea Daghstani steht auf einem Spielplatz. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen.
Die 33-jährige Syrerin arbeitet in Deutschland als freie Journalistin und will sich politisch engagieren Bild: Privat

Alleinerziehende Mütter und Väter brauchen ein Höchstmaß an Energie, Kreativität und Ausdauer – ganz besonders dann, wenn sie aus einem Kriegsgebiet fliehen und in einem fremdem Land Fuß fassen müssen.

2014 kamen Medea Daghstani und ihre Tochter Zia nach Deutschland. Nachdem ihr Asylantrag genehmigt wurde, zogen sie von ihrer Erstaufnahmestation Meiningen nach Berlin. Hier leben nicht nur viele Freunde der 33-jährigen Syrerin, auch zahlreiche politische Organisationen und Vereine haben hier ihren Sitz. Denn auch in Deutschland möchte sich Medea Daghstani politisch engagieren.

„Angela Merkel war sehr tapfer“

Bei der Friedrich-Naumann-Stiftung machte sie bereits ein Praktikum, interviewte ein Mitglied der syrischen Hilfsorganisation „Weißhelme“ und sprach auf Panels des „Tagesspiegels“ und des Instituts für Auslandsbeziehungen. Irgendwann möchte Medea Daghstani für eine gemeinnützige Organisation arbeiten, die die politischen Ambitionen von Frauen unterstützt. Sie bewundert das demokratische System in Deutschland, wie es sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat ‒ und Angela Merkel. „Sie war sehr tapfer, als sie sich für uns Geflüchtete einsetzte“, sagt die Syrerin.

Als sie noch in Homs lebte, beteiligte sich die studierte Lehrerin an Demonstrationen gegen das Regime. Nachdem ihr Haus aber mehrmals attackiert wurde und sie auch ihre Stelle an einer Schule verlor, siedelte Medea Daghstani mit ihrem Kind über in die Türkei. Dort arbeitete sie für internationale NGOs und organisierte Fortbildungen für syrische Blogger und Aktivisten. „Aber nach drei Jahren drohte der Pass meiner Tochter abzulaufen. Mein geschiedener Mann lebte noch immer in Syrien, und es ist sehr schwierig einen Pass ohne den Kindsvater zu verlängern. Ich wollte nicht mit ihr in der Türkei ohne Papiere festsitzen. Deswegen kamen wir nach Deutschland.“

„Deutschland gibt mir so viel“

Seit Anfang März 2017 besucht Medea Daghstani einen Deutschkurs in ihrer neuen Heimat Berlin, täglich drei Stunden Einzelunterricht. Im Moment pauken sie den Genitiv. Und die 33-Jährige arbeitet als freie Journalistin. Vor kurzem erschien in einem Berliner Stadtmagazin ihre Titelgeschichte über Syrer, die das Berliner Nachtleben erkunden. Genau wie ihre Landsleute trifft sich auch die alleinerziehende Mutter gern mit Freunden, vor allem in Kreuzberger Bars und Cafés. „In Berlin gibt es eine große und offene Gesellschaft, jeder kann hier denken, sprechen und leben, wie er mag. Ich fühle mich hier sehr willkommen und bin glücklich“, sagt Medea Daghstani, „Deutschland gibt mir so viel, ich bin sehr dankbar!“

Auch die neunjährige Zia hat sich gut eingelebt. Sie besucht eine internationale Grundschule, spielt Schach und Klavier, tanzt oder übt Taekwondo. Vor kurzem haben sich Mutter und Tochter eine schwarze Katze gekauft und ihr den Namen „Fuzzy“ gegeben. Schwierigkeiten in Deutschland habe Medea Daghstani bisher nicht gehabt. Nur an die deutsche Bürokratie müsse sie sich noch gewöhnen. „Es ist nicht immer leicht, vor allem als Alleinerziehende, aber ich möchte in Berlin bleiben – vor allem für meine Tochter“, sagt Medea Daghstani.

Julia Raunick