Ein Mann mit vielen Talenten

Abdulhamid Kouko sitzt auf einem großen Steinhügel. Er trägt einen blauen Anzug mit Fliege.
Abdulhamid Kouko ist gelernter Elektroingenieur und hat gemeinsam mit Freunden ein Produkt im e-Health-Bereich entwickelt.
Bild: Publiplikator GmbH

Abdulhamid Kouko hat viele Talente: Er ist Schauspieler und steht gerne auf der Bühne, er ist Sänger und hat keine Angst vor Mikrofonen, er erstellt gerne kurze Internetvideos, um Geflüchteten Rat und Hilfestellung zu geben. Vor allem aber ist er Elektroingenieur und hat gemeinsam mit Freunden ein Produkt im e-Health-Bereich entwickelt, das beste Aussichten hat, den 23-jährigen Syrer zum Gründer einer eigenen Firma zu machen.

Aber der Reihe nach. Im Jahr 2015 hat Abdulhamid Kouko sein Studium an der Universität von Aleppo mit dem Bachelor abgeschlossen. Schon in jungen Jahren hatte er dem Vater, einem Maschinenbauingenieur, in dessen Firma geholfen. Sich mit Prozessen, Organisation und Logistik beschäftigt. Die Art, wie elektronische Vorgänge funktionieren, hat ihn immer fasziniert. Doch kaum hatte er sein Studium beendet, wurde die Lage in Aleppo so gefährlich, dass er sich auf den langen Weg nach Deutschland machte. Vater, Mutter und seine beiden Geschwister waren da bereits in Berlin. Der junge Syrer reiste ihnen nach. Ein Weg, von dem er heute sagt, dass er zu seinen schrecklichsten Erinnerungen gehört.

Theater und Projektentwicklung

Nach seiner Ankunft in der deutschen Hauptstadt kommt Abdulhamid Kouko zugute, dass er schon vorher in seiner Heimat Deutsch gelernt hat. In seiner ersten Unterkunft, einer Turnhalle, unterstützt er die Helferinnen und Helfer des Deutschen Roten Kreuzes mit Übersetzungen. Wenig später absolviert er ein erstes Praktikum bei Siemens, lernt anschließend weiter Deutsch, um sich noch besser verständigen zu können. „Die Sprache zu sprechen ist das Wichtigste. Ohne das kommt man nicht weiter“, sagt Abdulhamid Kouko.

Auf der Bühne stehen drei bunt verkleidete Personen.
Abdulhamid Kouko spielte den Staphano bei der Aufführung von "Der Sturm – The Tempest" von William Shakespeare. Das Stück wurde auf Deutsch aufgeführt.
Bild: Abdulhamid Kouko

Im Juli 2017 ist er dann richtig im Stress. Einerseits ist der leidenschaftliche Theaterspieler mit der Produktion „Sanssouci avec Shakespeare“ auf einer kurzen Tournee durch Brandenburg. Studierende der Universität Potsdam hatten gemeinsam mit jungen Migrantinnen und Migranten aus neun verschiedenen Ländern Shakespeares romantische Komödie „Der Sturm“ erarbeitet – in mehreren Sprachen. Unter dem Titel „Der Sturm – The Tempest“ wurde die ungewöhnliche Inszenierung im Potsdamer „Treffpunkt Freizeit“ erstmals aufgeführt. Andererseits wurde Kouko von der gemeinnützige Programmierschule ReDI School of Digital Integration zu einem Wettbewerb eingeladen, den u. a. das IT- und Netzwerkunternehmen Cisco begleitet. Hier müssen verschiedene Teams in wenigen Tagen eine Produktidee für den e-Health-Bereich entwickeln. „Ich habe beides geschafft, Theater und den IT-Hackathon, auch wenn das manchmal hieß, nur drei oder vier Stunden schlafen zu können“, erzählt Kouko.

Wettbewerbssieger

Die Theatertour war ein Erfolg, der Wettbewerb auch. Zusammen mit drei anderen Teilnehmern entwarf Kouko ein Gerät, das in der Altenpflege verwendet werden kann. Es misst alle Vitalfunktionen sowie die Atmosphäre im Raum. „Wir haben in Altenheimen mit Menschen gesprochen. Wir wollten wissen, was sie brauchen, und haben dabei festgestellt, dass oftmals viele einzelne Geräte zum Einsatz kommen und dadurch natürlich Ungenauigkeiten zustande kommen können. Mit unserer innovativen Idee helfen wir den alten Menschen, die dann mit einem Gerät alle notwendigen Daten erfassen können. Und das entlastet auch das Pflegepersonal“, sagt Abdulhamid Kouko.

Abdulhamid Kouko und Mohamad Sakka laeq blicken stolz in die Kamera.
Abdulhamid Kouko und sein Geschäftspartner Mohamad Sakka laeq beim WeWork Creator Award in Berlin.
Bild: Abdulhamid Kouko

Dass seine Idee etwas taugt, zeigte sich auch bei „Start-Up Your Future“, einem Programm der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Als angehender Gründer wird er durch einen Gründerpaten unterstützt, den Start-Up Your Future ihm vermittelt hat. Der Gründerpate agiert als sein Mentor. Als Teilnehmer gab es sogar ein Treffen mit der damaligen Bundeswirtschaftsministerin, Brigitte Zypries, die das Programm fördert. Alexander Kulitz, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland, zur Idee Geflüchtete in der Pilotregion Berlin-Brandenburg zu unterstützen: „Das Projekt zeigt, dass Geflüchtete in Deutschland über die berufliche Selbständigkeit einen Beitrag zu Wachstum und Wohlstand leisten möchten. Dabei stellen wir fest: Die junge Wirtschaft kann Integration, und Geflüchtete können Wirtschaft.“

Abdulhamid Kouko und Brigitte Zypries stehen auf der Bühne bei „Start-Up Your Future“ der Wirtschaftsjunioren Deutschland.
Abdulhamid Kouko und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries auf der Bühne bei "Start-Up Your Future" von den Wirtschaftsjunioren Deutschland.
Bild: WJD_Jens_Jeske

Prototyp soll im Juli fertig sein

Aktuell sind Kouko und Sakka laeq dabei, die Firmengründung voranzutreiben. Einen Firmennamen, der die Initialen der Gründer aufgreift, haben sie bereits gefunden: Abi&Moe. Bei Start-Up Your Future stehen ihnen zwei namhafte Gründerpaten zur Seite, sie helfen bei der Erstellung eines Businessplans und auch bei der Suche nach Geldgebern und Finanzierern. „Bis April kommenden Jahres wollen wir die Gründung geschafft haben. Im Juli soll der erste Prototyp fertig sein.“ Bis dahin verfolgt er in seiner Freizeit ein weiteres, aber eigenes Projekt. In kurzen Videos erklärt er anderen Geflüchteten, was große Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt suchen, welche Anforderungen sie an Geflüchtete stellen und wie man sich bei ihnen bewirbt.

Thomas Reckermann

Weitere Informationen zu Start-Up Your Future: Start-Up Your Future