Integration im Dialog in Spandau

Die Gäste in Spandau unterhalten sich angeregt
"Integration im Dialog" in Spandau. Bild: Buddy Bartelsen

EHRENAMT IN SPANDAU

Spandau war die zweite Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin. Am Dienstag, 14. September, diskutierten über 120 Spandauerinnen und Spandauer mit Andreas Germershausen darüber, wie Integration und Partizipation von Geflüchteten gelingen kann. Im Mittelpunkt stand diesmal die Frage, wie Ehrenamtliche unterstützen und unterstützt werden können und wie möglicherweise ehrenamtliches Engagement in dauerhafte Projekte, Vereine, Initiativen überführt werden kann.

Frank Bewig eröffnet die Veranstaltung Integration im Dialog in Spandau.
Frank Bewig, Bezirksstadtrat von Spandau, eröffnete die Dialogreihe im Bezirk. Bild: Buddy Bartelsen

Bezirksstadtrat Frank Bewig eröffnete die Veranstaltung und machte klar, dass es in Spandau eine Selbstverständlichkeit sein muss, Geflüchtete aufzunehmen und zu integrieren. Danilo Segina, der Integrationsbeauftragte des Bezirks, hob das starke ehrenamtliche Engagement in Spandau hervor und begrüßte Andreas Germershausen, der in dem Bezirk geboren und aufgewachsen ist, scherzend als ‘heimgekehrten Sohn Spandaus’.

Link zur Seite des Integrationsbeaftragten von Spandau: Seite des Spandauer Integrationsbeauftragten

Wie aus einer Idee ein tolles Projekt werden kann, schilderte Harutyun Harutyunyan. Er ist Leiter des Refugio in Neukölln. Zwei engagierte Autoren und Reisende, Sven Lager und Elke Naters, hatten die Idee zu einem Gemeinschaftshaus in Südafrika entdeckt, von dort mitgebracht und hier initiiert. Heute ist das Refugio ein Projekt der Stadtmission. Harutyun Harutyunyan erläuterte, wieso das Refugio so gut und beispielhaft für die Integration von Geflüchteten funktioniert: Hier wohnen und arbeiten Einheimische und Geflüchtete zusammen, initiieren gemeinsame Projekte und leben Gemeinschaft an einem Ort.

Link zum Projekt: Refugio

Harutyun Harutyunyan berichtet vom Projekt Refugio. Hinter ihm sieht man ein Bild von jungen Menschen, die ein Boot tragen.
Harutyun Harutyunyan berichtet vom Projekt Refugio. Bild: Buddy Bartelsen

Anschließend hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, an sechs Thementischen darüber zu diskutieren, wie die Integration Geflüchteter besser gelingen kann.

THEMENTISCH 1

Am ersten Gesprächstisch „Der Bezirk in der Verantwortung“ diskutierten der Spandauer Integrationsbeauftragte Danilo Segina und der Koordinator für Flüchtlingsfragen, Öztürk Kiran, darüber, wie bessere Qualitätskontrollen auf allen Ebenen umgesetzt werden können, wie mehr Beratung für Helfende geschaffen und die interkulturelle Kompetenz bei allen Beteiligten erhöht werden kann. Die Einführung eines Wohnführerscheins und ein besseres Beschwerdemanagement in Unterkünften wurden gefordert, im Fokus stand hier, wie auch an vielen anderen Thementischen, der Wunsch nach mehr Transparenz: zwar gebe es zahlreiche Projekte, Beratungs- und Unterstützungsangebote, aber es sei schwierig, die Angebote überhaupt zu entdecken. Mitarbeiterinnen des Willkommenszentrums Berlin wiesen auf den WEGWEISER hin, der heruntergeladen oder direkt genutzt werden kann. Auf 187 Seiten wird eine große Fülle von Institutionen und Organisationen vorgestellt, die Suche nach richtigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern wird in vielen Bereichen erleichtert.

Link zum Wegweiser des Berliner Integrationsbeauftragten: Wegweiser

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 1 stehen
Thementisch 1 "Das geht uns was an - der Bezirk in der Verantwortung" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 2

An Thementisch zwei wurde besprochen, wie Geflüchtete in Arbeit gebracht werden können. Michael Arri vom „Willkommen in Arbeit“-Büro in Spandau (WiA Spandau) berichtete von den Schwierigkeiten: Er habe 40 Innungen angeschrieben, lediglich zwei hätten ihm geantwortet. Um das Engagement auf Seiten der Betriebe zu erhöhen, wurde eine Werbekampagne gefordert, die Erfolgsgeschichten von Geflüchteten, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz bekommen haben, erzählt. Insgesamt wurde kritisiert, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland viel zu zertifikatsgesteuert sei, hier müssten flexiblere Zugangswege gefunden werden. Auch der Weg in die Selbstständigkeit müsse für Geflüchtete vereinfacht werden und die Anerkennung von Qualifikationen solle unbürokratischer sein.

Link zur Facebookseite des “Willkommen in Arbeit”-Büros Spandau: WiA Spandau

An einer Pinnwand stehen die wichtigsten Ergebnisse von Thementisch 2
Thementisch 2 "Arbeit und Ausbildung für Geflüchtete" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 3

Am dritten Thementisch diskutierte Karin Zirkelbach von der VHS Spandau, wie die Bedingungen der Sprachkurse für Erwachsene verbessert werden können. Mehr Kinderbetreuungsangebote, berufsbegleitender Unterricht oder neue Ansätze im Deutschunterricht seien geeignete Maßnahmen, um mehr Geflüchteten die Teilnahme an Deutschkursen zu ermöglichen.

Link zum Angebot “Deutsch und Integration” der VHS Spandau: Deutsch und Integration

An einer Pinnwand stehen die wichtigsten Ergebnisse von Thementisch 3
Thementisch 3 "Deutsch lernen" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 4

Am vierten Tisch ging es darum, wie mehr Wohnungen für Geflüchtete organisiert werden können. Eine ‘Couch-Surfing-Plattform’ wurde vorgeschlagen sowie eine ‘Wohnungstauschbörse für alle’. Kritisiert wurde, dass die finanziellen Anreize für private Vermieterinnen und Vermieter zu gering seien und dass es zu wenig MUF (Modulare Unterbringung für Flüchtlinge) und zu viele Containersiedlungen gebe. Die Spandauer Koordinatorin für das Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit, Hannah Rindler, stellte das Spandauer Modell WOGE (Wohngebietspatenschaften für Geflüchtete) vor, bei dem Geflüchtete mit einer 1:1 Betreuung durch Freiwillige im neuen Wohnumfeld unterstützt werden. Nach Meinung aller Teilnehmenden sollte dieses Modell in allen Berliner Bezirken umgesetzt werden.

Link zum WOGE-Projekt in Spandau: WOGE Spandau

An einer Pinnwand stehen die wichtigsten Ergebnisse von Thementisch 4
Themenisch 4 "Wohnraum für Geflüchtete" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 5

Am fünften Tisch diskutierte Sibylle Behnes, zuständig für die Koordinierung der Willkommensklassen in Spandau, wie bessere Bedingungen für das Lernen in Willkommensklassen geschaffen werden können. Die Schulen und Klassen seien zu voll, es brauche mehr Lehrerinnen und Lehrer. Auch der Einsatz von Geflüchteten als Lehrkräfte sei hilfreich, ebenso ein verstärktes ehrenamtliches Engagement von Eltern.

An einer Pinnwand stehen die wichtigsten Ergebnisse von Thementisch 5
Thementisch 5 "Schulische Bildung" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 6

Um hauptamtliche Hilfe für ehrenamtlich Helfende ging es am sechsten Tisch. Stephanie Corogil vom Verein ‘Hürdenspringer’ und Ingrid Schildknecht von der Gemeindeberatung der evangelischen Kirche besprachen mit den Spandauerinnen und Spandauern, wie ehrenamtliches Engagement weiterhin erhalten, ausgebaut und professionalisiert werden kann. Hier wurde eine zentrale Anlaufstelle gefordert, an die sich Ehrenamtliche wenden können, wenn sie merken, dass sie an Grenzen stoßen. Eine Einstiegsqualifizierung für die ehrenamtliche Arbeit sei sinnvoll, Angebote wie der ‘Hürdenspringer Handwerkskoffer’ müssten eine größere Verbreitung finden.

Link zum Hürdenspringer-Projekt in Spandau: Hürdenspringer

Hauptamtliche Hilfe für Ehrenamtliche sei sehr wichtig, hier müssten stabilere Strukturen durch eine dauerhafte Finanzierung ermöglicht werden. Abschließend wurde von allen Teilnehmenden noch einmal darauf hingewiesen, dass bei der Entwicklung des Gesamtkonzepts zur Integration Geflüchteter unbedingt auch weiterhin darauf geachtet werden soll, Expertinnen und Experten von allen Seiten einzubeziehen. Nur so könne gewährleistet werden, dass wertvolles Wissen und die Erfahrungen aller Beteiligten berücksichtigt werden.

An einer Pinnwand stehen die wichtigsten Ergebnisse von Thementisch 6
Thementisch 6 "Hauptberuf Ehrenamt - wozu brauchen Ehrenamtliche hauptberufliche Hilfe?" Bild: Buddy Bartelsen

Die Ergebnisse aller Thementische und weitere Veranstaltungen finden Sie unter diesem Link: Veranstaltungen und Ergebnisse