Integration im Dialog in Reinickendorf

Diskussion am Thementisch 1, die Teilnehmenden sitzen im Halbkreis und sprechen mit Andreas Germershausen.
Diskussion am Thementisch 1, die Teilnehmenden sprechen mit Andreas Germershausen über die Situation in Reinickendorf. Bild: Buddy Bartelsen

AUFTAKT IN REINICKENDORF

Die vom Berliner Integrationsbeauftragten Andreas Germershausen initiierte Veranstaltungsreihe ‘Integration im Dialog’ ist am vergangenen Dienstag, 05. September 2017, erfolgreich in Reinickendorf gestartet. Über 150 Personen waren gekommen, um bei ‘Integration im Dialog’ im Hermann-Ehlers-Haus darüber zu diskutieren, wie Integration und Partizipation Geflüchteter gelingen kann.

Andreas Germershausen stellte gleich zu Beginn die Bedeutung der Ideen und Praxiserfahrungen der vielen engagierten Reinickendorferinnen und Reinickendorfer für die Entwicklung des Gesamtkonzepts zur Integration und Partizipation heraus: “Wir planen im März 2018 ein neues Senatskonzept und wollen die Vorschläge, Kritikpunkte und Ideen derjenigen einfließen lassen, die sich vor Ort engagieren.” Eröffnet wurde die Veranstaltung vom stellvertretenden Bezirksbürgermeister und Sozialstadtrat Uwe Brockhausen (SPD), der die Initiative des Integrationsbeauftragten sehr begrüßte. Auch der Integrationsbeauftragte des Bezirks, Oliver Rabitsch, hält ‘Integration im Dialog’ für eine gute Idee: “Es ist spät losgegangen, aber jetzt bewegt sich Vieles und das müssen wir positiv hervorheben.”

Dr. David Schiefer hält sein Impulsreferat vor den Anwesenden
Dr. David Schiefer stellt erste Ergebnisse der Studie "Von der Aufnahme zu gesellschaftlicher Teilhabe: Die Perspektive der Flüchtlinge auf ihre Lebenslagen in Deutschland" des SVR vor. Bild: Buddy Bartelsen

Ein Impulsvortrag von Dr. David Schiefer vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) stellte erste Ergebnisse der Studie “Von der Aufnahme zu gesellschaftlicher Teilhabe: Die Perspektive der Flüchtlinge auf ihre Lebenslagen in Deutschland” vor. Dafür hatte er 60 Geflüchtete nach Wünschen und Vorstellungen befragt. Die Studie wird Ende des Monats auf der Internetseite des SVR veröffentlicht.

Link zur Studie: www.svr-migration.de

Anschließend hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, an sechs Thementischen darüber zu diskutieren, wie die Integration Geflüchteter besser gelingen kann.

THEMENTISCH 1

Am ersten Gesprächstisch “Der Bezirk in der Verantwortung” wurde vor allem thematisiert, wie das Zusammenspiel von Bezirk und Senat verbessert werden kann. Vertreter von Initiativen und Vereinen, Bezirks- und Senatsmitarbeiter sowie Mitarbeiter des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten diskutierten zahlreiche Themen. Es zeigte sich, dass die Arbeit der Verwaltung nach Meinung vieler Diskutanten noch immer sehr verbesserungswürdig ist. Kritisiert wurden bspw. unklare Zuständigkeiten der Behörden oder die Verteilung der Geflüchteten auf die Bezirke.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten ERgebnisse von Tisch 1 stehen
Thementisch 1 "Der Bezirk in der Verantwortung" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 2

Am Thementisch zwei besprach das Willkommensnetzwerk Reinickendorf (WiR) mit dem Integrationsbeauftragten vor allem die Rolle Ehrenamtlicher: “Wann können wir originär staatliche Aufgaben wieder zurückdelegieren?”, fragte Hansjörg Behrendt, Organisator des Netzwerkes “Willkommen in Reinickendorf”. Ein weiteres Problem: Wer hilft den Helferinnen und Helfern, die bei ihrer Ehrenamtsarbeit auch negative Erfahrungen machen mussten? Vertreter der Johanniter-Unfall-Hilfe Reinickendorf kündigten bei der Veranstaltung an, mit einem neuen Projekt Ehrenamtlichen Unterstützung anzubieten.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 2 stehen
Thementisch 2 "Willkommen in Reinickendorf (WiR)" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 3

Am dritten Thementisch stellte der Verein ‘kein Abseits! e.V.’ Mentoringprojekte vor. Die Vereinsgründerin Gloria Amoruso machte deutlich, dass Vereine wie ‘kein Abseits! e.V.’ vor allem das Modell der projektgebundenen Förderung nicht ideal finden. Eine dauerhafte Förderung würde die Arbeit von Initiativen und Vereinen erheblich erleichtern, da Energie und Zeit, die für das Entwickeln und Beantragen immer neuer Projekte aufgewendet werden müssen, dann für die inhaltliche Arbeit genutzt werden könnten.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 2 stehen
Thementisch 3: "kein Abseits! e.V." Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 4

An Tisch vier wurde besprochen, wie Wohnraum für Geflüchtete gefunden werden kann. Rebecca de Vries, Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Reinickendorf und Fernanda da Haro, Koordinatorin des Info-Point-Reinickendorf stellten die Schwierigkeiten ihrer Arbeit vor. Sie plädierten dafür, vor allem Privatpersonen zur Vermietung an Geflüchtete aufzufordern und deshalb eine berlinweite Kampagne anzustoßen. Auch die allzu strengen Vorgaben bei der Wohnraumvergabe durch die senatseigenen Wohnungsbaugesellschaften wurden kritisiert. Es sei absurd, dass eine sechsköpfige Familie nur eine Sechs- Zimmer-Wohnung beziehen könnte, kritisierte beispielsweise eine Ehrenamtliche. “Wenn sie auch mit zwei oder drei Zimmern zufrieden sind, dann soll man die Familie doch einziehen lassen.” Schließlich sei alles eine Verbesserung zu Feldbetten in Turnhallen oder Gemeinschaftsunterkünften.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 4 stehen
Thementisch 4: "Wohnraum für Geflüchtete" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 5

An Tisch 5 stellte Felix Bergemann, Projektleiter von BENN (Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften) seine Arbeit im Märkischen Viertel vor. Er betonte die Wichtigkeit von Begegnungsmöglichkeiten.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 5 stehen
Themenisch 5: "Café International - Konversation, Kochen, Kennenlernen" Bild: Buddy Bartelsen

THEMENTISCH 6

An Tisch 6 präsentierte Salma Jreige das Projekt ‘Multaka, Treffpunkt Museum’. Syrische und irakische Geflüchtete werden zu Museums-Guides fortgebildet, damit sie Museumsführungen wiederum für arabischsprachige Geflüchtete in ihrer Muttersprache anbieten können. Die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren sich einig, dass gerade Projekte, die Geflüchtete unmittelbar einbeziehen, eine sehr wichtige Rolle bei der Partizipation und Integration spielen können.

Eine Pinnwand, auf der die wichtigsten Ergebnisse von Tisch 6 stehen
Thementisch 6: "Multaka Treffpunkt Museum - Geflüchtete als Guides in Berliner Museen" Bild: Buddy Bartelsen
Andreas Germershausen spricht ins Mikrofon.
Bild: Buddy Bartelsen

Über die konstruktive Art des Austausches bei ‘Integration im Dialog’ war der Integrationsbeauftragte sehr begeistert und versprach, die Anregungen, Ideen und Kritikpunkte, die bei der Veranstaltung deutlich wurden, in die Entwicklung des ‘Gesamtkonzepts Integration und Partizipation Geflüchteter’ einfließen zu lassen. Bei einigen Punkten sagte Andreas Germershausen direkte Hilfe zu, beispielsweise wolle er abklären, ob man die Regelung der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften noch einmal überdenken könnte.