Integration im Dialog in Treptow-Köpenick

Von hinten sieht man, wie die Gäste Andreas Germershausen zuhören.
In Treptow-Köpenick sprach Andreas Germershausen mit den Bürgerinnen und Bürgern über soziale Integration Geflüchteter.
Bild: Martin Fleischer

SOZIALE INTEGRATION IN TREPTOW-KÖPENICK

Treptow-Köpenick war die dritte Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin. Am Mittwoch, 18. Oktober, diskutierten über 100 Teilnehmende im Köpenicker Rathaus mit Andreas Germershausen darüber, wie Integration und Partizipation von Geflüchteten gelingen kann. Im Mittelpunkt stand diesmal die Frage, wie soziale Integration ermöglicht werden kann. Bezirksbürgermeister Oliver Igel eröffnete die Veranstaltung und dankte den zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in Treptow und Köpenick für ihr Engagement.

Anschließend hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, an sechs Thementischen zu diskutieren.

Menschen sitzen in einem Stuhlkreis und sprechen miteinander.
An den sechs Thementischen wurde angeregt über Integration in Treptow-Köpenick gesprochen.
Bild: Martin Fleischer

THEMENTISCH 1

Am ersten Gesprächstisch „Der Bezirk in der Verantwortung“ diskutierten der bezirkliche Integrationsbeauftragte, Gregor Postler, die Koordinatorin für Flüchtlingsfragen, Christine Herm, und der Integrationsbeauftragte von Berlin, Andreas Germershausen, mit den Teilnehmenden zunächst darüber, wem man überhaupt Integrations- und Partizipationsangebote machen solle. Einige Teilnehmende vertraten die Meinung, dass schließlich nicht alle Geflüchteten dauerhaft bleiben würden, so dass zunächst geklärt werden müsse, für wen Integrationsangebote überhaupt sinnvoll seien. Andreas Germershausen machte klar, dass es ihm um „alle, die jetzt hier sind“ gehe. Integration sei eine Aufgabe, die unabhängig vom Aufenthaltsstatus alle einbeziehen soll. Ein weiterer Diskussionspunkt war das Thema Bildung. Es gebe zu wenige Willkommensklassen in den Jahrgangsstufen 1-3, Möglichkeiten zum Spracherwerb für kleinere Kinder seien nicht ausreichend vorhanden. Der Bezirk verdeutlichte, dass man versuche, möglichst passgenaue Lösungen für unterschiedliche Zielgruppen anzubieten. Das sei recht aufwändig, aber man arbeite daran.

Lob gab es für den Umgang mit „Wutbürgern“, die Strategie des Bezirks wurde als vorbildlich gelobt: offen auf alle zugehen, immer frühzeitig informieren, ansprechbar sein vor Ort („Laufteams“), Sorgen ernst nehmen und thematisieren.

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 1
Thementisch 1 "Wie gestaltet sich die Integrationsarbeit im Bezirk Treptow-Köpenick?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 2

An Thementisch zwei wurde besprochen, wie Geflüchtete in Arbeit gebracht werden können. Einige große Unternehmen würden spezielle Ausbildungsprogramme zur Integration von Geflüchteten anbieten (z. B. die Berliner Wasserbetriebe), ansonsten seien es hauptsächlich kleine und mittelständische Unternehmen, die offen dafür seien, Geflüchtete kennenzulernen und ihnen nach einer Probe einen Ausbildungsplatz oder einen Job anzubieten. Praktika und Probearbeitszeiten wurden in der Diskussion als sehr gute Möglichkeit gesehen, um Geflüchteten den Einstieg zu erleichtern. Viele Geflüchtete würden danach übernommen. Zahlen hierzu findet man auf den Seiten des Vereins Türöffner e. V. Kritisiert wurde, dass die Kapazitäten für Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung fast aller in diesem Bereich tätigen Initiativen aufgrund fehlender Finanzmittel äußerst begrenzt seien. Oftmals würden Geflüchtete zudem in Qualifizierungsmaßnahmen ‘gesteckt’, die sie unterfordern würden. Es würde zu wenig auf die Ausbildung eingegangen, die außerhalb Deutschlands bereits absolviert wurde. Entwicklungsbedarf wurde auch bei der Integration von Frauen in Angebote/ Ausbildung/ Jobs gesehen. Insgesamt wurde gefordert, dass der Senat bewährte Initiativen und Angebote finanziell besser fördern müsse.

Link zur Seite des Türöffner e.V.: Webseite Türöffner e.V.

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 2.
Tisch 2 "Wie helfen wir beim Einstieg in Ausbildung und Arbeit?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 3

Am dritten Thementisch ging es um die Frage, wie man Geflüchteten Integration durch Sport ermöglichen könne. Es mangele an Trainerinnen und Trainern, viele Vereine seien auf die Arbeit mit Geflüchteten nicht eingestellt. Viele Geflüchtete wiederum hätten Hemmungen, in einem Verein mitzumachen. Sie müssten deshalb verstärkt durch Begleitung unterstützt werden, es müsse mehr finanzielle Hilfe für die wichtige Integrationsarbeit der Sportvereine geben. Hingewiesen wurde auf die neue Internetseite www.sportbunt.de, dort werden Sportangebote für Geflüchtete aufgeführt.

Link zum Sportangebot von Geflüchteten: Sportbunt

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 3.
Tisch 3 "Wie klappt Integration durch Sport?​"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 4

Am vierten Tisch ging es um Integration durch Kiezklubs. Hier werden Angebote für Menschen ab 55 Jahren gemacht: Sport, Computer, Musik, Tanzen, günstiges und gesundes Essen. Kiezclubs bieten Raum, um sich mit Bekannten, Freundinnen und Freunden zu treffen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Die Kiezclubs stehen auch Geflüchteten offen, werden allerdings nicht überall gut genutzt. Vor allem in örtlicher Nähe zu Gemeinschaftsunterkünften funktioniert der Austausch, woanders eher nicht. Die Teilnehmenden am Thementisch waren der Meinung, dass die Klubs in den Unterkünften besser beworben werden müssten, bspw. in verschiedenen Sprachen und auch in einfacher Sprache.

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 4.
Tisch 4 "Was können KIEZKLUBS zur sozialen Integration leisten?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 5

Am fünften Tisch wurde über die Erfahrungen mit Wohngebietspatenschaften diskutiert, die in Treptow-Köpenick in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo geflüchtete Menschen unterstützen sollen. Zurzeit gebe es ca. 30 Projekte, die Erfahrungen seien überwiegend positiv. Die Leiterin einer Sammelunterkunft äußerte die Befürchtung, dass sich die Übernahme einer Patenschaft auch negativ auswirken könne. Die Betreuung der Geflüchteten in den Einrichtungen sei bereits engmaschig und gut aufeinander abgestimmt. Konsens war, dass auf dem freien Markt so gut wie keine Wohnungen für Geflüchtete zu bekommen seien. Ein weiteres Problem scheinen immer noch mangelnde Sprachkenntnisse zu sein. Unterstützende Patinnen und Paten berichteten, dass Formulare auf Deutsch kaum verständlich seien und regten an, sie ins Englische zu übersetzen.

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 5.
Tisch 5 "Helfen Wohngebietspatenschaften bei der sozialräumlichen Integration?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 6

Wie Geflüchtete als Ehrenamtliche oder Freiwillige partizipieren können, wurde am sechsten Thementisch besprochen. Ammar Golane aus Syrien stellte die Initiative ‘Serve the City’ vor. ‘Serve the City’ sieht sich als Instrument, um Freiwillige (Geflüchtete, Singles, Familien, Erwachsene, Kinder etc.) zusammenbringt, die der Stadt Berlin auf praktische und innovative Weise dienen wollen. Ammar Golane ist fast jeden Samstag im Einsatz, er säubert Parks, liest in Altenheimen vor, betreut in Unterkünften Kinder. Als Motiv nennt er, er wolle “etwas zurückgeben”. Die Teilnehmenden der Runde fanden Initiativen wie diese sinnvoll, warnten allerdings davor, Engagement mit der Hoffnung auf Jobangebote zu verknüpfen, diese seien auf diesem Weg nicht zu bekommen. Die Leiterin einer Unterkunft berichtete zudem von Schwierigkeiten, Geflüchtete zu ehrenamtlichem oder freiwilligem Engagement zu motivieren. Ein Grund für mangelnde Bereitschaft könne allerdings auch Zeitmangel sein, Geflüchtete wären stark gefordert durch Termine bei Ämtern, Sprach- und andere Kurse. Nicht zu vergessen sei das ‘unentdeckte Ehrenamt’: Fast jeder Geflüchtete unterstütze bereits andere Geflüchtete ehrenamtlich.

Link zur Seite von ‘Serve the City’: Webseite von ‘Serve the City’.

Auf einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 6.
Tisch 6 "Wie kann ich mich engagieren? – Geflüchtete im Ehrenamt"
Bild: Publiplikator GmbH