Integration im Dialog in Steglitz-Zehlendorf

Die Teilnehmenden sitzen in einer Gruppe der Dialogveranstaltung stehen zusammen
Integration im Dialog in Steglitz-Zehlendorf
Bild: Publiplikator GmbH

Steglitz-Zehlendorf: Ein Integrationsleitbild für den Bezirk

Steglitz-Zehlendorf war die sechste Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin, Andreas Germershausen. Unter dem Titel „AN(GE)KOMMEN IN STEGLITZ-ZEHLENDORF“ diskutierten die Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit, Carolina Böhm, die Integrationsbeauftragte des Bezirks, Laura El-Khatib und der Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement und Demokratieförderung, Friedemann Walther, mit rund 100 Bürgerinnen und Bürgern im alten BVV-Saal im Rathaus Steglitz. Diesmal beschäftigte sich die Veranstaltungsreihe unter anderem mit der Partizipation geflüchteter Menschen und der Frage, wie diese sichergestellt und verbessert werden kann. „Geflüchtete müssen selbst mitreden und mitgestalten“, sagte Andreas Germershausen. „Um dies zu ermöglichen, entwickeln wir gerade im Gesamtkonzept Partizipation und Integration gemeinsam mit der Stadtgesellschaft geeignete Formen und Formate.“

Wie und wo können Geflüchtete selbst mitmachen, mitgestalten und mitbestimmen?

Als Beispiel für eine bereits bestehende Teilhabe wurde das Magazin ‚kulturTür‘ vorgestellt, das von Geflüchteten und ihren Nachbarinnen und Nachbarn zusammen herausgegeben wird. „kulturTÜR“ wurde Ende 2016 gegründet, heute arbeiten an dem Magazin 24 Redakteurinnen und Redakteure aus sieben Ländern mit. Alle drei Monate gibt es ein neues Heft mit 76 Seiten in vier Sprachen. Begonnen hatte alles mit einem Aufruf in mehreren Sprachen, der sich an alle „alten und neuen“ Einwohnerinnen und Einwohnervon Steglitz-Zehlendorf richtete. „Machen Sie mit (…) bei unserer mehrsprachigen Zeitung von, mit und für (neue) Nachbarn im Kiez“, hieß es darin. Die Reaktionen waren überwältigend. Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Zeitungsprofis und journalistische Neulinge kamen zusammen und gründeten „kulturTÜR“. Entstanden ist ein Magazin, das Türen in unterschiedliche Kulturen öffnet. Und damit Begegnung, Dialog und letztlich auch Integration möglich macht.

Mehr Informationen unter diesem Link: kulturTÜR

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 1
Wie und wo können Geflüchtete selbst mitmachen, mitgestalten und mitbestimmen?
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Wie soll das zukünftige Integrationsleitbild in Steglitz-Zehlendorf aussehen?

Ein weiteres Thema der Veranstaltung war: Wie soll das zukünftige Integrationsleitbild in Steglitz-Zehlendorf aussehen? Bei dieser Frage ging es um Interkulturelle Öffnung im Zusammenspiel von Verwaltung, Initiativen, Vereinen und Geflüchteten. Es wurde angeregt diskutiert, basierend auf den beiden Fragen: Was bedeutet Integration für Sie bzw. was sollte Integration einschließen? Und: Wie soll Steglitz-Zehlendorf in 10 Jahren (im Jahr 2027) aussehen? Welche Akteurinnen und Akteure müssen bis dahin welche Änderungen vollzogen haben? Integration wurde von den Teilnehmenden als sehr umfassendes Konzept verstanden, das vor allem auf Beid- bzw. Mehrseitigkeit beruht. Es soll nicht allein darum gehen, dass eine Seite (die Exkludierten) sich anpasst, sondern dass eine inklusive Gesellschaft entsteht. Diese sollte beinhalten: gegenseitige Akzeptanz unterschiedlicher Gruppen und gleiche Teilhabe und Partizipation aller, auch auf politischer Ebene. Dafür muss es allen möglich sein, sich im System zu orientieren und zurechtzufinden (Stichworte: Transparenz, einfache Sprache, vereinfachte Verwaltungsvorgänge). Alle Teilnehmenden konnten sich auf das Grundgesetz als Basis einigen. Notwendig sei auch ein Blick auf das Gemeinsame zusätzlich zur Akzeptanz von Unterschieden.

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 2
Wie soll das zukünftige Integrationsleitbild in Steglitz-Zehlendorf aussehen?
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Wie können wir medizinische Versorgung für alle sicherstellen?

Am Thementisch „Gesundheit“ stellten die Organisationen „Medizin Hilft“ und „XENION“ ihre Arbeit vor. Im November 2016 hatte „Medizin hilft“ in Kooperation mit „Ärzte der Welt“ eine Praxis in Zehlendorf eröffnet, „open.med“, um Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten sowie Menschen ohne Krankenversicherung medizinische Hilfe anzubieten. Die Patientinnen und Patienten erhalten in der open.med-Praxis eine medizinische Grundversorgung, bei Bedarf werden sie an Fachärztinnen und Fachärzte weitervermittelt. Alle Behandlungen sind anonym und kostenlos. Die Ärztinnen und Ärzte, die medizinischen Fachkräfte und die Dolmetscher*innen bieten ihre Hilfe ehrenamtlich an. Medizin Hilft e.V. ist ein Berliner gemeinnütziger Verein, der durch verschiedene Projekte und Aktionen dort Hilfe leistet, wo Menschen durch strukturelle Lücken keinen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung haben.
XENION ist ein psychotherapeutisches Beratungs- und Behandlungszentrum für traumatisierte Geflüchtete und Überlebende von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen. Ein Team von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die in verschiedenen Schulen/Methoden ausgebildet sind, steht jenen Menschen zur Verfügung, die besonders schutzbedürftig sind und gezielte Hilfe benötigen. Xenion versucht dies hauptsächlich mit den Mitteln einer ganzheitlich verstandenen Psychotherapie zu realisieren.

Gefordert wurde von den Teilnehmenden, dass das Gesundheitswesen für alle offen sein soll. Im Gesundheitsbereich darf niemand aufgrund von Nationalität oder Aufenthaltsstatus benachteiligt werden. Zwar erhalten Geflüchtete, anders als in vielen anderen Bundesländern, hier bereits innerhalb der ersten 15 Monate eine Gesundheitskarte einer gesetzlichen Krankenkasse und können damit zu jedem Arzt und jeder Ärztin gehen. Doch die Kasse übernimmt nur die Kosten für die Behandlungen, die das Asylbewerberleistungsgesetz abdeckt. Chronische Erkrankungen bspw. würden nicht darunter fallen. Sowohl „Medizin Hilft“ als auch XENION betonten, dass sie ihre Arbeit gern überflüssig machen und ihre Aufgaben an das staatliche Gesundheitssystem delegieren würden.

Mehr Informationen zu den Organisationen:

Medizin hilft
Xenion

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 3
Wie können wir medizinische Versorgung für alle sicherstellen?
Bild: Publiplikator GmbH

Wie kann die Arbeit von Willkommensinitiativen zukünftig aussehen?

An einem weiteren Thementisch wurde diskutiert, wie sich die Arbeit von Willkommensbündnissen gewandelt hat. Heute würde vermehrt individuelle Betreuung benötigt, um Geflüchtete bei der Suche nach Arbeit oder Wohnung und im Alltag zu unterstützen. Wie in vielen anderen Bezirken auch, setzt man in Steglitz-Zehlendorf dabei auf Patenschafts- und Mentorenmodelle. Ein wichtiger Aspekt neben konkreter Hilfestellung sei bei der Arbeit der Freiwilligen in Willkommensinitiativen vor allem die emotionale Unterstützung für Geflüchtete, die hier geleistet werden kann.

Mehr Informationen:
Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf
Ökumenisches Willkommen Wannsee

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 4
Wie kann die Arbeit von Willkommensinitiativen zukünftig aussehen?
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