Integration im Dialog in Pankow

Viele Menschen sitzen in im Kreis um eine Diskussionsrunde.
Bei der Dialogveranstaltung in Pankow wurde das Gesprächsformat der fishbowl-Diskussionsrunde gewählt.
Bild: Hans Martin Fleischer

PANKOW: VON WEGEN AMTSSCHIMMEL

Pankow war die vierte Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin, Andreas Germershausen.

Gemeinsam mit der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach, Bezirksbürgermeister Sören Benn und der Integrationsbeauftragten von Pankow, Katarina Niewiedzial, wurde am 07. November in der Aula des ‘Kultur- und Bildungszentrums Sebastian Haffner’ lebhaft diskutiert, wie die Zusammenarbeit zwischen dem bezirklichen Willkommensbündnis ‘Pankow Hilft!’ und der Verwaltung weiter verbessert werden und wie der Einsatz für die Belange der neu Zugewanderten in neue Kooperationsformen zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung münden kann.

Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales
Elke Breitenbach, Senatorin Integration, Arbeit, Soziales
Bild: Hans Martin Fleischer

220 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um zu diskutieren, wie erfolgreiche Modelle der Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung aussehen können. Was läuft gut, was schlecht? Und vor allem: wie kann die Partizipation Geflüchteter bei Verwaltungsaufgaben gestaltet werden?
In Pankow engagieren sich Geflüchtete mittlerweile selbst für ihre Belange und verbünden sich dazu mit engagierten Bürger* innen von ‘Pankow Hilft!’ und Migrant*innenselbstorganisationen.

Viele Gäste sind zur Veranstaltung Integration im Dialog in Pankow erschienen.
fishbowl-Diskussionsrunde zu Integration im Dialog in Pankow
Bild: Hans Martin Fleischer

Die fishbowl-Diskussionsrunde wurde auch genutzt, um von Missständen in Unterkünften zu berichten. So werden Raummindestgrößen unterlaufen, Frauen klagten über Übergriffe durch Security-Mitarbeiter, von denen kaum Notiz genommen werde.

In einer Unterkunft in der Treskowstraße hat eine Frauengruppe inzwischen ein eigenes Beschwerdemanagement aufgebaut – das es in Berlin bisher gar nicht gibt. Ein erster Gesprächsfaden zum Integrationsbeauftragten und der Senatorin war schon vor der Veranstaltung geknüpft. Die Initiative könnte zum Modellprojekt werden.

Sehr engagiert sind in Pankow auch Migrantinnen und Migranten, die schon länger in Deutschland leben und ihre Erfahrungen nun an Geflüchtete weitergeben. Welche Rolle Migrant*innenorganisationen im Integrationsprozess spielen können, wurde am Beispiel des Projekts ‘Bewegung in BuKa’ (Buch und Karow) von ‘MaMis en Movimiento e.V.’ und geflüchteten Frauen besprochen.

Wortbeitrag vom 'MaMis en Movimiento e.V.'
Die fishbowl-Diskussionsrunde wurde auch genutzt, um von Missständen in Unterkünften zu berichten.
Bild: Hans Martin Fleischer

Laut Andreas Germershausen kann Berlin wie keine andere Stadt in Deutschland auf solche Strukturen aufbauen. „Das ist mal etwas, das in Berlin richtig gut funktioniert.“ Er will Migrantenorganisationen stärker fördern.

Die Zusammenarbeit im Alltag zwischen Verwaltungen und Unterstützernetzwerken läuft indes nach wie vor nicht immer reibungslos. Gleiches gilt für die Abstimmung zwischen Bezirk und Senat.

Bezirksbürgermeister Sören Benn machte deutlich, dass sich dies nicht völlig abstellen lässt. „Verwaltungsabläufe sind nun einmal komplex“, sagte er. Er will in Pankow ein Beteiligungsbüro einrichten, das als Schnittstelle fungieren soll.

Bei der mitunter sehr turbulenten Veranstaltung wurde auch besprochen, ob dort, wo Ämter untereinander und mit der Stadtgesellschaft gut kooperieren, nicht auch soziale Innovation entstehen kann. Das heißt: Es können Lösungswege und Verbesserungen entstehen, die einem einzelnen Amt gar nicht einfallen können, weil sie über die eigene Zuständigkeit und Fachlichkeit hinausweisen. Unterm Strich bedeutet das, dass Berlin durch gute Kooperationen der Behörden untereinander und mit der Stadtgesellschaft nicht nur die großen Herausforderungen bei der Integration der Geflüchteten bei gleichbleibenden Ressourcen besser meistern kann, sondern auch, dass Verwaltung sich insgesamt verändert und auch andere Aufgaben besser bewältigen kann.