Integration im Dialog in Lichtenberg

Daniel Tietze, Staatssekretär für Integration, begrüßt ankommende Gäste
Integration im Dialog in Lichtenberg
Bild: Buddy Bartelsen

Was ist Integration?

Bei unserer Veranstaltung „Integration im Dialog“ in Lichtenberg am 24. Januar hat ein Team von AMAL Berlin gedreht.

Der Staatssekretär für Integration Daniel Tietze und andere erklären einen nicht ganz einfachen Begriff.

Formate: video/youtube

Weitere Informationen:
Amal Berlin
Umfrage von Anas Khabir und Fatma: Umfrage

Am Thementisch Bildung werden Ideen zusammengetragen
Thementisch Bildung
Bild: Buddy Bartelsen

Lichtenberg – „Fühle ich mich diesem Land zugehörig?“

Lichtenberg war die siebte Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin, Andreas Germershausen. In Lichtenberg gibt es ein großes Netzwerk aus Projekten, Initiativen, Vereinen, Organisationen und Einzelpersonen, welche sich für die Belange von Migrantinnen und Migranten einsetzen. Der Integrationsbeauftragte hatte die Bürgerinnen und Bürger von Lichtenberg, Organisationen und Initiativen, die sich für die Geflüchteten einsetzen, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung am 24. Januar zu einer Dialogveranstaltung in das Kulturhaus Karlshorst eingeladen. „Integration verstehe ich als einen dynamischen Prozess, der Zuwanderinnen und Zuwanderer ebenso einbindet wie die gesamte Stadtgesellschaft. In diesem Prozess fügen sich Zugewanderte in das gesellschaftliche Leben ein“, sagte Andreas Germershausen. „Gleichzeitig verändert sich die Stadt, wird vielfältiger. Zuerst müssen aber Grundbedingungen geklärt sein wie ein sicherer Aufenthaltsstatus, eine Wohnung und Zugang zur Bildung.“ Der Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze, der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst und die Integrationsbeauftragte von Lichtenberg, Bärbel Olhagaray, diskutierten mit Initiativen, Vereinen, Geflüchteten, Vertreterinnen und Vertretern der Bezirksämter, Migrant*innenorganisationen und den Bürgerinnen und Bürgern. Mehr als 200 Teilnehmende hatten sich beteiligt und lokale Lösungsstrategien erarbeitet. Die Akteurinnen und Akteure in der Flüchtlingsarbeit haben zu den Themen Arbeit und Ausbildung, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe, Gesundheit, Wohnen, besonders Schutzbedürftige, Vernetzung, Schule und Bildung, Werte, Rollen und Normen Ergebnisse und Handlungsempfehlungen an gleich acht Thementischen erarbeitet.

Es ging darum, wie Strukturen gestaltet werden können, damit die Integration von Geflüchteten gelingen kann und wie die Kooperation aller beteiligten ehrenamtlichen, freiwilligen und hauptamtlichen Akteurinnen und Akteure verbessert werden kann. Die zahlreich versammelten Träger und Initiativen hatten sehr konkrete Vorschläge und Vorstellungen. Gefordert wurde bspw., dass die Vorschriften zur Wohnungsgröße – pro Person ein Raum – dringend flexibler gestaltet werden müssen.

Thementisch “Bildung”

Am Thementisch „Bildung“ wurde vor allem die Einstufung von geflüchteten Schülerinnen und Schülern anhand des Alters kritisiert. Weitaus sinnvoller sei eine Einstufung anhand der Fähigkeiten. Außerdem fehle es einfach an Ressourcen: Nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer zu wenig Räume, zu wenig Schulessen.

Besucher der Veranstaltung in Lichtenberg
Integration im Dialog in Lichtenberg
Bild: Buddy Bartelsen
Diskussionsrunde am Thementisch
Unterhaltung am Thementisch
Bild: Buddy Bartelsen

Thementisch “Arbeit”

Beim Thema „Arbeit“ ging es vor allem darum, dass die Erwartungen von Arbeitgeberinnen und -gebern und Geflüchteten oftmals sehr unterschiedlich seien. Die Arbeitssuchenden verstünden oft nicht, warum sie eine Tätigkeit, die sie in ihrem Herkunftsland ausgeübt haben, nicht ohne weiteres in Berlin weiter ausüben können. Die Unternehmen würden oft zu hohe Anforderungen stellen, die von den Geflüchteten kaum zu erfüllen seien. Diese Erwartungen sollten zurückgeschraubt und bei Geflüchteten müsse Verständnis für das deutsche System geschaffen werden.

Thementische “Gesundheit” und “Partizipation”

Am Thementisch „Gesundheit“ stand die Benennung struktureller Probleme im Mittelpunkt. So haben Geflüchtete ohne offiziellen Titel nur ein eingeschränktes Leistungsrecht. Es gebe zudem eine Unterversorgung an medizinischen Fachkräften (u.a. Kinderärztinnen und -ärzte, Gynäkologinnen und Gynäkologen, Psychotherapeutinnen und -therapeuten). Und das schon oft kritisierte Geburtsdaten-Prinzip erschwere auch die medizinische Versorgung. Im Zusammenhang mit der Auflösung von Notunterkünften kritisierten die Teilnehmenden, dass die bereits gelungene Integration Geflüchteter bei der Vermittlung in andere Unterkünfte so gut wie nie berücksichtigt würde. Jugendfreizeiteinrichtungen berichteten, dass ihre Arbeit, ihr Einsatz für die Schaffung eines sozialen Umfeldes durch die Zuweisung von Unterkünften in ganz anderen Bezirken zunichte gemacht würde. In diesen Zusammenhang passt auch die zentrale Forderung, die am Thementisch „Partizipation“ formuliert wurde: Geflüchteten müssten positive Erfahrungen mit Demokratie vermittelt werden. Sie müssen in die Lage versetzt werden, eine Antwort auf die Frage „Fühle ich mich diesem Land zugehörig?“ positiv formulieren zu können.

Herr Germershausen ist Teil eines Thementisches
Arbeit am Thementisch
Bild: Buddy Bartelsen
Herr Germershausen stellt die Ergebnisse der Thementische vor
Die Ergebnisse der Thementische werden vorgestellt.
Bild: Buddy Bartelsen

Die Vorbereitung

Bereits im Vorfeld von „Integration im Dialog“ hatten sich aktive Menschen mit und ohne Fluchthintergrund aus verschiedenen Unterkünften, Sprachcafés, Familienzentren und anderen Einrichtungen und Netzwerken in Lichtenberg in verschiedenen Runden – u.a. zu einem Workshop am 22.01.2018 mit ca. 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – getroffen und sich gemeinsam auf die Veranstaltung vorbereitet. Die Ergebnisse dieses Vorbereitungsprozesses spiegeln weitgehend die Wahrnehmungen und Vorschläge der teilnehmenden aktiven Menschen mit Fluchthintergrund wider.

(Ergbenisse des Vorbereitungsprozesses)

Ergebnisskarte mit der Aufschrift: "Demokratie erlebbar machen"
Bild: Buddy Bartelsen