Integration im Dialog in Charlottenburg-Wilmersdorf

Die Gäste bei Integration im Dialog in Charlottenburg-Wilmerdorf unterhalten sich.
Integration im Dialog in Charlottenburg-Wilmersdorf
Bild: Publiplikator GmbH

CHARLOTTENBURG-WILMERSDORF: BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT

Charlottenburg-Wilmersdorf war die fünfte Station von ‘Integration im Dialog’, der Veranstaltungsreihe des Integrationsbeauftragten von Berlin, Andreas Germershausen. Gemeinsam mit dem Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement und Demokratieförderung, Friedemann Walther, dem Pressesprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, Sascha Langenbach, der BVV-Vorsteherin Annegret Hansen und dem Integrationsbeauftragten des Bezirks, Leon Friedel, diskutierten rund 120 Bürgerinnen und Bürger am 15. November im Rathaus Charlottenburg.

Die Teilnehmenden sitzen in einer Gruppe
Unterhaltung am Thementisch.
Bild: Publiplikator GmbH

Unter anderem ging es darum, wie die Strukturen des bürgerschaftlichen Engagements gestaltet werden können, damit die Integration von Geflüchteten gelingen kann und wie die Kooperation der freiwilligen und hauptamtlichen Akteure und Akteurinnen verbessert werden kann. „Die Arbeit von Freiwilligen ist unverzichtbar, um eine wirkungsvolle Willkommens- und Anerkennungskultur für Zugewanderte in Deutschland zu etablieren”, sagte Andreas Germershausen. „Allerdings ist es wichtig, die Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements zu kennen: Freiwillige können und sollen nicht die Lückenfüller für ausbau- und verbesserungsfähige sozialstaatliche Leistungen sein.”

THEMENTISCH 1

An Tisch eins wurde besprochen, wie Bezirk und Senat die Arbeit verbessern könnten. Vor allem eine Änderung der Grundhaltung Geflüchteten gegenüber wurde gefordert, viele Teilnehmende konnten von bizarren Begegnungen mit Behörden aller Art berichten. Diese müssten sich endlich als Dienstleister begreifen und nicht länger als ‘Obrigkeit’, so die Forderung. Im Zuge einer interkulturellen Öffnung der Verwaltung müsste Geflüchteten auch der Zugang zu allen Ressourcen und der Eintritt in alle Regelsysteme bei Arbeit, Bildung und Gesundheit ermöglicht werden. Auch die Erfassung der Qualifikation Geflüchteter sei verbesserungsfähig, allzu oft würden Geflüchtete in Maßnahmen des Jobcenters vermittelt, die wenig hilfreich seien. Gelobt wurde die Arbeit des Integrationsbeauftragten von Charlottenburg-Wilmersdorf und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Dort habe man beispielsweise. das Potential von Migrant*innenorganisationen erkannt und sie einbezogen, um die Integration und Partizipation Geflüchteter zu gestalten. Auch der Dialog mit Initiativen sei sehr gut, allein in diesem Jahr hätten mehrere Austauschveranstaltungen (Zukunftstische und Zukunftstage) zu den drängenden Fragen stattgefunden.
Mehr Informationen unter dazu finden Sie unter diesem Link: Zukunftstage

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 1
Thementisch 1 "Wie gestaltet sich die Integrationsarbeit im Bezirk?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 2

Am zweiten Thementisch ging es um bürgerschaftliches Engagement. Die Teilnehmenden hatten zahlreiche Vorschläge und Anregungen für den Referatsleiter Bürgerschaftliches Engagement und Demokratieförderung, Friedemann Walther. So wurde beispielsweise kritisiert, dass es kaum Möglichkeiten gebe, Projekte kurzfristig und unbürokratisch zu finanzieren. Die allzu formalen Wege der Beantragung und Bewilligung seien für viele drängenden Bedürfnisse vollkommen ungeeignet. Auch die Vernetzung von Initiativen und Verwaltungsstellen wurde als verbesserungswürdig bezeichnet. Nach Meinung vieler Teilnehmenden kann es langfristiges Engagement nur dann geben, wenn eine enge Verzahnung zwischen unterschiedlichen Einrichtungen hergestellt wird. Auch müssten einige Aufgaben (zurück) an staatliche Stellen gegeben, andere könnten weiter durch Engagierte übernommen werden. Als Beispiel wurde die Wohnraumbereitstellung und -vermittlung genannt. Diese Aufgabe könne wirkungsvoll nur zentral durch den Senat übernommen und bearbeitet werden. Viele Teilnehmende waren auch der Meinung, dass es häufiger Austauschformate wie „Integration im Dialog” geben müsse, damit wahrgenommene Bedürfnisse direkt an den Senat kommuniziert werden könnten. Allgemein wurde eine bessere Anerkennungskultur für Engagierte gefordert, die sich auch in besserer finanzieller Ausstattung abbilden sollte. Friedemann Walther stimmte dieser Forderung zu. Er sah eine Notwendigkeit für Lobbyarbeit im Sinne von Sichtbarmachung und Druck auf die Politik, damit diese den Haushalt entsprechend aufstelle und mehr Gelder bewillige.

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 2
Thementisch 2 "Wie geht es weiter mit ehrenamtlichem und freiwilligem Engagement?"
Bild: Publiplikator GmbH

THEMENTISCH 3

An Tisch drei standen der Pressesprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Sascha Langenbach, und die Teamleiterin im Mietsachgebiet des LAF, Elke Köpp, für Fragen zur Verfügung. Lebhaft diskutiert wurde der Freizug der Notunterkunft Rathaus Wilmersdorf. Dort lebten zuletzt 550 Personen. Der geplante Umzug von 160 Bewohnerinnen und Bewohnern in eine Containersiedlung in der Fritz-Wildung-Straße scheiterte, da die Container nicht fertiggestellt wurden. Unterstützerinnen und Unterstützer befürchteten nun, dass „freigezogene“ Personen, die sie betreut haben, plötzlich verschwinden und nicht wieder auffindbar sein würden oder dass sie in einer weit entfernten Gegend unterkommen müssten. Seit mehr als zwei Jahren haben sich Freiwillige, Schulen, Kindergärten, Ärzte, Sozialdienste und Institutionen im Bezirk bemüht, die Integration dieser Menschen voranzutreiben und sie zu integrieren. Kinder und Jugendliche gehen im Bezirk zur Schule, sprechen Deutsch, viele der Geflüchteten haben Freundschaften geschlossen. Der Pressesprecher des LAF äußerte Verständnis für die Befürchtungen, vertrat aber die Meinung, dass man Geflüchteten keinen Gefallen tue, wenn man sie auch nur einen Tag länger als nötig in einer Notunterkunft wohnen ließe. Die meisten würden sich mehr Privatsphäre für sich und ihre Familien wünschen sowie wieder selber einkaufen und kochen wollen. Berlin biete zudem durch seinen öffentlichen Nahverkehr gute Möglichkeiten, dass sich Menschen weiter mit denen treffen könnten, die ihnen vertraut geworden seien. Seiner Erfahrung nach hätten sich die meisten Geflüchteten als flexibel und sehr mobil erwiesen. Gemessen an Megastädten, aus denen viele stammen, seien die Entfernungen in Berlin für sie gut zu bewältigen. Als zentrales Problem bei der Vermittlung und Bereitstellung von Wohnraum für Geflüchtete wurde die allgemeine Wohnungsnot benannt. Teilnehmende berichteten über illegale Wohnungsvermittlungen, Unterbringungen zu Tagessätzen (und damit hohen Mietkosten), und dass Bestechung normal geworden sei. Leider würden Geflüchtete auch die Erfahrung machen, dass Bestechung oft zum Ziel führt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer benannten ein weiteres Problem bei der Betreuung Geflüchteter: Anerkannte Flüchtlinge fielen aus der Zuständigkeit des Landesamtes heraus und in die Zuständigkeit der Arbeitsagentur. Aus diesem abrupten Wechsel ergäben sich neue Probleme. So würden Plätze in Gemeinschaftsunterkünften mitunter als zu teuer eingeschätzt, es drohe Obdachlosigkeit.

An einer Pinnwand stehen die Ergebnisse von Thementisch 3
Tisch 3 "Wie ist die Wohn- und Unterbringungssituation für Geflüchtete?"
Bild: Publiplikator GmbH