Es gilt das gesprochene Wort!
Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führte anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin am 1. Oktober 2009 im Großen Saal des Roten Rathauses u.a. aus:
Ich begrüße Sie herzlich im Namen des Senats von Berlin zu dieser Feierstunde. Im Jahr 1987, als in beiden Stadthälften 750 Jahre Berlin gefeiert wurde, hat der Senat eine Tradition begründet, die über die Wiedervereinigung hinaus Bestand hat – die alljährliche Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin zur „Anerkennung besonderer Verdienste um die Stadt Berlin“, wie es in der Allgemeinen Anweisung aus dem Jahr 1987 heißt.
In diesem Jahr blicken wir auf zwei Jahrzehnte seit der Friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer zurück. Diese historischen Ereignisse sind gewiss die glücklichsten Stunden in der jüngeren Geschichte unserer Stadt und unseres Landes gewesen. Wir werden sie rund um den 9. November gebührend feiern und an diejenigen erinnern, die sie möglich gemacht haben: die Freiheits- und Bürgerrechtsbewegungen in der DDR und in ganz Mittel- und Osteuropa.
Aber die Ereignisse vor 20 Jahren sind nicht allein Geschichte. Sie haben auch enorme Energien freigesetzt und einen beispiellosen Wandel unserer Stadt ausgelöst. Einen Wandel, der kein Selbstläufer war, sondern von Menschen gemacht wurde. Ein Aufbruch in die Zukunft, in dem doch Geschichte lebendig blieb. Ein Prozess, der nicht geradlinig verlief, aber vielleicht gerade deswegen Berlin für so viele Menschen weltweit zum „place to be“ werden ließ.
Zu den herausragenden Qualitäten Berlins zählt heute zweifellos das Profil der Stadt als Sportmetropole. Der Sport hält Berlin in Bewegung, indem die Menschen sich sportlich betätigen, sich in den Vereinen engagieren, der eigenen Gesundheit dienen und zugleich das Zusammenleben in Berlin fördern. Aber der Sport ist auch ein bedeutender Imagefaktor für unsere Stadt. Und das konnten wir in diesem Jahr bei der Leichtathletik Weltmeisterschaft wieder spüren. Wir ehren daher heute im ersten Teil dieser Feierstunde Frauen und Männer, die sich um die Sportmetropole Berlin verdient gemacht haben. Anschließend kommen wir zu Persönlichkeiten, deren Verdienste in anderen Bereichen liegen.
Die Bilder der Leichtathletik-Weltmeisterschaft sind uns allen noch in guter Erinnerung. Die sagenhaften Rekorde des Usain Bolt, der mit Leistung und Show die Menschen begeisterte, die bewundernswert kämpferische Leistung von Jennifer Oeser, die sich die Silbermedaille im Siebenkampf trotz eines Sturzes im abschließenden 800 m Lauf eroberte, die menschliche Größe, mit der Jelena Issinbajewa ihre Niederlage im Stabhochsprung akzeptierte. Es waren zehn wunderbare Tage für den Sport und für Berlin. Ein fachkundiges und begeisterungsfähiges Publikum trug entscheidend dazu bei, die sportlichen Wettbewerbe zu einem Event zu machen. Die Sportlerinnen und Sportler dankten es mit Bestleistungen und packenden Wettkämpfen.
Viele haben zu dem großen Erfolg der Leichtathletik-WM beigetragen, einer aber ganz besonders: Dr. Clemens Prokop. Er hat im Jahre 2001 sein Amt als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes angetreten und seitdem mit Beharrlichkeit, Kenntnisreichtum und Charme dafür gesorgt, dass diese traditionsreiche olympische Kernsportart ihren hohen Stellenwert halten konnte – und sie in Zukunft vielleicht wieder auszubauen vermag. Als ehemaliger Leistungssportler, der es im Mehrkampf in den siebziger Jahren zu einer Berufung in die Nationalmannschaft brachte, weiß er, wie Sportler denken, was sie brauchen und was nicht. Als examinierter Jurist mit Berufserfahrung als Staatsanwalt und Richter stellte er dem Deutschen Leichtathletik-Verband schon früh seinen rechtskundlichen Erfahrungsschatz zur Verfügung. Nach seiner Tätigkeit als dessen Rechtswart von 1993 bis 1997 amtierte Dr. Prokop zunächst als Vizepräsident Recht des DLV, bevor er dann 2001 an die Spitze des Verbandes rückte.
Von den vielen Ämtern, die Dr. Prokop im Laufe seiner Karriere im Spitzensport bekleidete, möchte ich vor allem seine Tätigkeit in der Anti-Doping-Kommission des Europäischen Leichtathletik-Verbandes hervorheben. Der Kampf gegen Doping ist zu einer dauerhaften Aufgabe im gesamten Spitzensport geworden. Dass der Deutsche Leichtathletik-Verband in diesem Kampf eine Vorreiterfunktion innehat, ist nicht zuletzt dem Wirken von Dr. Prokop zu verdanken.
Die Vorbereitung einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft ist eine gewaltige Aufgabe. Das drittgrößte Sportereignis der Welt nach Olympischen Spielen und Fußball-WM verlangt organisatorische Höchstleistungen. Dr. Prokop hat als geschäftsführender Präsident Local Organizing Commitee und als Vorsitzender des Aufsichtsrates des BOC entscheidend dazu beigetragen, die Leichtathletik-WM zu einem Fest des Sportes und zu einer Werbung für Berlin zu machen.
Dr. Clemens Prokop, ich freue mich, Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu dürfen.
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Ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer lassen sich sportliche Großereignisse nicht bewältigen. 3.000 von ihnen, genannt Volunteer, trugen dazu bei, dass die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin zu einem großartigen Erlebnis für Sportler und Zuschauer wurde. Sie hielten den direkten Kontakt zu Sportlern, Zuschauern und Funktionären, sie prägten wesentlich den Eindruck der Gäste von den Sportveranstaltungen und sie schufen erst die Atmosphäre, die ein großes Sportereignis unvergesslich werden lässt.
Das alles geht nur mit großem Engagement. Die Volunteers haben die WM in ihrer Freizeit unterstützt, sie haben Schulungen absolviert, sie haben ohne Bezahlung gearbeitet. Sie haben auf der anderen Seite auch die vielen schönen Seiten des Sportes erlebt, die Atmosphäre im Stadion, die Gemeinschaft mit den vielen anderen Volunteers.
Das Verbindende des Sports gilt auch für den Bereich der freiwilligen Helfer. Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft haben gemeinsam ein Ziel verfolgt: Sportlern und Zuschauern zehn wunderbare Tage zu bereiten. Das ist Ihnen ausgezeichnet gelungen. Stellvertretend für alle möchte ich zwei von ihnen zum Dank mit dem Verdienstorden des Landes auszeichnen.
Walter Riehn war der älteste Volunteer bei der Leichtathletik-WM. Als Fahrer für Funktionäre, Sportler und Sponsoren sorgte er für Mobilität und reibungslose Abläufe. Der Sport hat es ihm ohnehin angetan. Seit 2005 hilft er beim Berlin-Marathon als Streckenposten.
Die jüngste unter den Volunteers war Marie Tegethoff. Sie war im Besucherservice tätig und betreut darüber hinaus ehrenamtlich junge Turnerinnen in ihrem Turnverein LG-Nord.
Die eine ist 16, der andere 75 – beide haben sie außerhalb des Rampenlichtes freiwillig und gerne Verantwortung übernommen und einen großen Beitrag zum Gelingen der Leichtathletik-Weltmeisterschaft geleistet. Stellvertretend für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer darf ich Sie beide nun zu mir bitten, um Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin zu übergeben.
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Der Sport braucht engagierte und potente Partner. Das beginnt bereits beim kleinen Kiezverein und dem Breitensport, der auf Spenden und ehrenamtliches Engagement seiner Mitglieder und Förderer angewiesen ist. Und das gilt auch für den Spitzensport und die großen Events. Einer, der sich seit vielen Jahren der Förderung des Sports verschrieben hat, ist Günther Troppmann.
Seit 1996 ist Günther Troppmann Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kreditbank AG (DKB). Sein Engagement ist breit gefächert. Seit 2005 fördert er als Mitglied des Kuratoriums der Deutschen Sporthilfe junge Athleten. Günther Troppmann ist maßgeblich daran beteiligt, aktive und ehemalige Spitzenathleten mit herausragenden Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zum gegenseitigen Austausch zusammenzubringen. Wir kennen ihn aber auch als engagierten Förderer des Leichtathletik-Events ISTAF, der maßgeblich zum Engagement der DKB als Großsponsor beigetragen hat. Darüber hinaus war die Bank – auch dank Günther Troppmanns Einsatz – Partner mehrerer Weltmeisterschaften – von der WM im Modernen Fünfkampf im Jahr 2007, die mit Hilfe dieses Engagements zu einer schönen Werbung für den Sport und für Berlin wurde, bis zu den Mehrkampf-Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften 2008. Auch zahlreiche Vereine - von Hertha BSC über Hansa Rostock und Energie Cottbus bis Turbine Potsdam - verdanken Günther Troppmann Rat und Unterstützung.
Erwähnen möchte ich schließlich, dass sich Günther Troppmann weit über den Sport hinaus engagiert. So wirkte er in der interdisziplinären Expertenkommission des Bundes zur Entwicklung der Städte in Ostdeutschland mit. Günther Troppmann ist im Bereich der Bildung aktiv, z.B. für die Stipendiaten der „Stiftung der deutschen Wirtschaft“ und im „Bürgernetzwerk Bildung“, das von dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) zur Förderung Berliner Grundschüler gegründet wurde. Ziel dieses Bürgernetzwerks ist die Förderung von Lesekompetenz und Lesemotivation von Grundschülern aus bildungsfernen Familien. Als Vorstandsvorsitzender der DKB-Bank hat Günther Troppmann zudem wesentlichen Anteil an der Schaffung eines Studentenbildungsfonds der DKB AG, mit dem Stipendien an Studierende aus Ostdeutschland – und damit auch Berlin – vergeben werden können.
Ich freue mich, Günther Troppmann nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ehren zu dürfen.
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Wenn der Sport eine herausgehobene Stellung bei der diesjährigen Verleihung der Verdienstorden einnimmt, so hat das nicht allein mit der Leichtathletik-Weltmeisterschaft zu tun. Der Anspruch Berlins, zu den weltweit führenden Sportstädten zu gehören, weist über die Leichtathletik hinaus.
Dr. Jochen Zinner hat sein Berufsleben - und nicht nur das - in den Dienst des Sports gestellt. Dem Studium der Mathematik folgte 1981 die Promotion an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig. Thema: „Computergestützte Verfahren zur Leistungsdiagnostik“. Wie programmiert verlief auch seine weitere berufliche Karriere: 1990 als Mitarbeiter des Olympiastützpunktes Berlin eingestellt, wurde er nur vier Jahre später Stellvertreter des damaligen Stützpunktleiters, um 1995 selbst auf den Chefsessel zu rücken. Dr. Zinner ist anerkannter Fachmann und moralische Autorität zugleich. Und diesen reichen Fundus an Erfahrungen und Kompetenz stellt er nun, nach dem Eintritt in den Ruhestand, in den Dienst der in Lichtenberg beheimateten Hochschule für Gesundheit und Sport und der dort angesiedelten Ausbildung von Trainern.
Der olympische Gedanke manifestiert sich sozusagen in seiner Person. Respekt vor der Leistung der Athleten, Achtung vor dem Menschen und ein ausgeprägter Wille, gemeinsam mit den Athleten erfolgreich zu sein, waren und sind für ihn Maßgabe des Handelns. Seine Arbeit ist erfolgreich. Auch das Land Berlin hat nicht unerheblichen Aufwand betrieben, um den Athleten optimale Sportanlagen zu bieten. Aber mit der von Dr. Zinner zu verantwortenden hervorragenden methodischen und trainingswissenschaftlichen Betreuung der Athleten wurde ein idealer Rahmen zur Leistungsoptimierung und damit für die internationale Konkurrenzfähigkeit vieler Berliner Sportler geschaffen.
Dr. Zinner war und ist immer ansprechbar für seine Athleten und nun für seine Studierenden. Denn er weiß: Leistung bedarf eines harmonischen Umfeldes. Zudem entspricht dies seinem Verantwortungsethos. Er fühlt und denkt mit seinen Sportlern, das macht ihn fachlich erfolgreich und menschlich beliebt.
Und wir brauchen Dr. Zinner auch in Zukunft. 2006 hatten wir die Fußball-WM zu Gast in Berlin, in diesem Jahr war es die Leichtathletik-WM, da kann noch was nachkommen. Ein guter Olympiastützpunkt ist dafür ebenso wichtig wie exzellente Nachwuchstrainer. Und wo die sind, ist auch Platz für Olympische Spiele. Dr. Zinner, ich bin sicher, dass Ihnen diese Vision gefällt, und freue mich, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin übergeben zu dürfen.
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Dieses Jahr ist nicht nur das Jahr der Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Es wird uns im Rückblick auch als Jahr des aufrichtigen Gedenkens in Erinnerung bleiben. Denn wir feiern rund um den 9. November nicht nur die Bürgerrechts- und Freiheitsbewegungen in der DDR sowie ganz Mittel- und Osteuropa, die mit der Friedlichen Revolution letztlich die Mauer zu Fall gebracht haben. Wir erinnern auch an das Unrecht, gegen das sich die Menschen aufgelehnt haben. Denn erst diese Erinnerung macht uns den Wert unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates bewusst.
Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat uns einmal aufgefordert, der historischen „Wahrheit so gut wir es können, ins Auge zu sehen“. Dr. Gabriele Camphausen gehört zu den Berliner Persönlichkeiten, für die dies ein Lebensmotto sein könnte. Sie hat den Grundstein für die Konzeption und den Betrieb der Gedenkstätte Hohenschönhausen gelegt und vertretungsweise die Stiftung Topographie des Terrors durch schwieriges Fahrwasser gesteuert. Neben Manfred Fischer, der bereits mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet wurde, kommen ihr entscheidende Verdienste um den Auf- und Ausbau der Gedenkstätte Berliner Mauer seit 1998 zu, den sie mit vollem Arbeitseinsatz als ehrenamtliche Vorsitzende des Trägervereins geleistet hat. Dr. Camphausen hat sich regelrecht aufgeopfert für diese Aufgabe. Die Konzeption für die neue Gedenkstätte Berliner Mauer trägt ganz wesentlich ihre Handschrift, ebenso der Aufbau der neu gegründeten Stiftung. Aber der volle Einsatz forderte von Dr. Camphausen in gesundheitlicher Hinsicht einen hohen Preis. So konnte sie selbst die Leitung der Stiftung nicht übernehmen. Als Referatsleiterin bei der Stasi-Unterlagen-Behörde bleibt Dr. Camphausen dennoch der Aufarbeitung des SED-Unrechts verbunden. Der Stiftung Berliner Mauer steht sie weiterhin als Beraterin zur Verfügung.
Wenn wir heute Dr. Camphausen ehren, dann gilt die Auszeichnung ihrem herausragenden bürgerschaftlichen Engagement über mehr als ein Jahrzehnt hinweg sowie ihren großen Verdiensten um die bewusste Aneignung unserer Geschichte. Die Ehrung gilt ihr auch stellvertretend für viele andere Personen, die sich ehrenamtlich für die Berliner Gedenkstätten engagieren, ohne dass die Öffentlichkeit immer Notiz davon nimmt.
Dr. Camphausen, ich freue mich sehr, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu dürfen.
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Wenn von Berlin als „place to be“ für Wissenschaft und Forschung die Rede ist, dann geht es schnell auch um den Biotechnologiepark in Berlin-Buch. Und zum Auf- und Ausbau dieses wichtigen Hochtechnologiestandortes hat ganz wesentlich Dr. Gudrun Erzgräber beigetragen, die zwölf Jahre lang die Geschäftsführung des Campus-Managements innehatte und 2008 in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Der Biotechnologiepark in Berlin-Buch zählt zu den größten in Deutschland und er spielt eine Schlüsselrolle für Berlin als Gesundheitsstadt. Heute sind in Buch rund 50 Firmen mit etwa 750 Mitarbeitern angesiedelt, auf dem gesamten Campus entstanden hochmoderne Arbeitsplätze für über 2.200 Menschen. Berlin-Buch ist ein Diamant unserer Forschungslandschaft, der weit über Berlin hinaus in die Welt leuchtet. In nur 15 Jahren entwickelte sich hier unter Federführung von Dr. Gudrun Erzgräber eine regelrechte Zukunftsschmiede. Die Verbindung von medizinischer Grundlagenforschung, klinischer Anwendung und wirtschaftlicher Nutzung der Ergebnisse hat nicht nur Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung geschaffen, sie setzt Synergieeffekte frei und zeigt, wo Berlins wirtschaftliche Zukunft liegt: in der Schaffung von Räumen, in denen sich kreative und innovative Akteure begegnen, wo der Funke von der Forschung zur industriellen Produktion überspringen kann und wo mutige Unternehmer angezogen werden, die nicht die kurzfristige Rendite im Blick haben, sondern den langfristigen Erfolg.
Mit einem bloßen Fax wurde bei der Jahreswende 1991 der Campus Berlin-Buch auf das Max Delbrück Centrum übertragen. So einfach war das – könnte man meinen. Zuvor aber hatte Dr. Erzgräber die erforderlichen Entscheidungsstrukturen geschaffen, Widerstände überwunden und viel Kompetenz und Know-how aus den Instituten der DDR-Akademie der Wissenschaften hinübergerettet in das wiedervereinigte Berlin. Mit Mut und Überzeugungskraft ist es ihr gelungen, Bund, Land und EU für die Unterstützung der Campus-Entwicklung zu gewinnen. Und so konnte aus einem zerfallenen Barackenstandort ein hochmoderner Technologiepark entstehen.
So etwas ist nie das Werk eines Einzelnen, aber immer braucht es Einzelne, die vorangehen, die inspirieren, die sich von Rückschlägen nicht zu Boden werfen lassen. Über eineinhalb Jahrzehnte war Dr. Erzgräber „die Seele von’s Janze“. Dafür ehren wir sie heute mit dem Berliner Landesorden.
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Wir ehren heute Bischof Dr. Wolfgang Huber. Seit 1993 ist er als Bischof der geistliche Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und seit 2003 auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bischof Huber hat sich in diesen 16 Jahren in vielfältiger Weise um Berlin und um unsere Region verdient gemacht.
Die nun zu Ende gehende Amtszeit von Bischof Huber in Berlin hat ein zentrales Anliegen geprägt: cie Besinnung der Kirche auf den Kern dessen, was evangelische Christen im Glauben miteinander verbindet und wofür die Kirche in unserer Gesellschaft steht. In dieser Hinsicht hat Bischof Huber viel bewegt. Mit Weitblick und Konsequenz hat er zudem dazu beigetragen, die evangelische Landeskirche finanziell zu konsolidieren und sie auf eine Zukunft mit schwindenden Ressourcen vorzubereiten.
Die erfolgreiche innerkirchliche Veränderung unter Bischof Huber verdient großen Respekt. Was Kirche und Kommune allerdings verbindet, ist die Suche nach „der Stadt Bestem“. Deshalb ist die Kirche auf vielen Feldern unseres städtischen Lebens ein wichtiger Partner, den man sich nur als handlungsfähigen Akteur wünschen kann. Denn was die Kirche in unserer Stadt leistet, reicht von den Kindertagesstätten über Schulen bis hin zu vielfältigen sozialen Einrichtungen. Sie kümmert sich um die Lebenschancen von Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen, um Familien, um das Zusammenleben der Generationen oder um ein Älterwerden in Würde, aber auch um Flüchtlinge. Für sie alle hatte und hat Bischof Huber stets ein offenes Ohr. Insofern danke ich Ihnen, verehrter Bischof Huber, heute für Ihr soziales Engagement und ganz besonders dafür, dass Sie sich für alle jene stark machen, die am Rande stehen und häufig keine Lobby haben. Ich danke Ihnen aber auch persönlich für Ihren Einsatz zugunsten des mit dem Senat abgeschlossenen Evangelischen Kirchenvertrages. Dieser Vertrag vom April 2007 ist Dokument einer guten und vertrauensvollen Partnerschaft.
Mit Bischof Huber hat die evangelische Kirche in der Hauptstadt und weit über diese hinaus eine hörbare Stimme im gesellschaftlichen Diskurs. Ich erinnere an seinen Einsatz für ein ordentliches Schulfach Religion und an sein Engagement im Nationalen Ethikrat. Dass wir nicht in allen Fragen einer Meinung sind, ist bekannt. Aber Ihre klaren Positionen und Ihr stringentes Argumentieren, verehrter Bischof Huber, sind ein Gewinn für unsere politische Kultur. Und dafür danke ich Ihnen.
Ich freue mich, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu dürfen.
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Anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls war auf der Berlinale 2009 eine beeindruckende Sonderreihe zu sehen: Unter der Überschrift „Winter adé“ wurden Filme aus dem letzten Jahrzehnt des Kalten Krieges gezeigt, in denen sich bereits Anzeichen der bevorstehenden Wende finden.
„Winter adé“ – so heißt auch ein Film von Helke Misselwitz von 1988. Nun hat sich also die Sonderreihe eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit den Titel dieses Dokumentarfilms geliehen. Schon das sagt viel über den Stellenwert des Filmes. Und auch über die hohe Wertschätzung gegenüber seiner Regisseurin.
Ihre filmische Laufbahn begann Helke Misselwitz als Regieassistentin beim Fernsehen der DDR. Sie studierte in Potsdam-Babelsberg Regie, arbeitete als freie Autorin und Regisseurin und war von 1985 bis 1988 Meisterschülerin bei Regisseur Heiner Carow an der Akademie der Künste der DDR.
In dieser Zeit entstand auch „Winter adé“ – eine einfühlsame Dokumentation, in der Frauen offen von ihren Sehnsüchten und Befindlichkeiten erzählen. Diese Freimütigkeit war im Jahr 1988 eine Sensation. Den Fernsehverantwortlichen der DDR konnte das nicht gefallen. Trotz Widerstand wurde „Winter adé“ zwar auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival gezeigt und dort mit der Silbernen Taube geehrt. Auf den Bildschirm durfte der Film jedoch nicht. Bis heute gilt „Winter adé“ als eine der wichtigsten Dokumentationen über Frauen in der DDR.
Auch andere ihrer Filme haben bereits zu Vorwendezeiten für einige Aufmerksamkeit gesorgt. In Biografien ist deshalb zu lesen, Helke Misselwitz gehöre zu den wichtigsten Filmemachern der letzten DEFA-Generation. Das ist ohne Zweifel richtig. Doch setzte Helke Misselwitz ihre Arbeit auch nach dem Mauerfall erfolgreich fort. Seit 1993 ist sie Mitglied der Akademie der Künste; seit 1997 Professorin für Regie an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen. Vor allem aber hat uns Helke Misselwitz noch viele weitere berührende Filme geschenkt. Man denke nur an ihr viel gelobtes Spielfilmdebüt „Herzsprung“ von 1992 oder an „Engelchen" von 1996. Fast ebenso lang wie ihr Werkverzeichnis ist auch die Liste ihrer Auszeichnungen und Preise.
Auch wir wollen Helke Misselwitz heute ehren: mit der Anerkennung Berlins. Liebe Helke Misselwitz, ich freue mich, Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu dürfen.
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Um es vorsichtig zu formulieren: Christina Rau war ein Leben in Berlin nicht in die Wiege gelegt. Ihre Wurzeln liegen weit im Westen. Aber zum Zeitpunkt der Präsidentschaft ihres Mannes Johannes Rau war Berlin schon wieder Sitz von Parlament und Regierung. Auch der Bundespräsident nahm hier seinen Sitz. Und so verlegte die Familie 1999 ihren Lebensmittelpunkt aus der Wuppertaler Heimat in die alte/neue Bundeshauptstadt.
Heute können wir sagen: Es ist ein Glücksfall für Berlin, dass unsere Stadt nicht nur das Herz von Johannes Rau für sich gewann, sondern auch das seiner Frau und seiner Kinder. „Meine Heimat ist da, wo ich gerade bin“, hat Christina Rau einmal gesagt. Und ich füge hinzu: Sie ist auch da, wo man sich engagiert. Wenn man dies als Gradmesser betrachtet, so ist ihr Berlin wirklich zur Heimat geworden. Sie hat sich schon während der Präsidentschaft ihres Mannes vielfach ehrenamtlich engagiert. So unterstützte sie das Kinderhilfswerk UNICEF, setzte sich für das Müttergenesungswerk und das Jugendrotkreuz ein, förderte den Bundesverband der Organtransplantierten und wirkte in der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung mit. 2007 wurde Christina Rau in den Verwaltungsrat der Bodelschwinghschen Anstalten berufen. Aktiv ist sie im Kuratorium der Zeit-Stiftung. Auch international hat sich Christina Rau immer wieder für Kinder eingesetzt, die unter besonders problematischen Bedingungen aufwachsen - für Aids-Waisen in Südafrika, Heimkinder in Rumänien, ehemalige Kinder-Soldaten in Sierra Leone und Minenopfer in Kambodscha. Und als im Dezember 2004 der Tsunami weite Gebiete von Südasien zerstört hatte, nahm sie den Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Schröder an, die große Partnerschaftsinitiative mit der betroffenen Region zu koordinieren und in vielen einzelnen Projekten die Saat einer möglichst dauerhaften Partnerschaft zu säen.
Christina Raus besonderes Anliegen ist die Verbesserung von Lebenschancen für Kinder. In Berlin hat sie sich entschlossen, die Rütli-Schule auf ihrem Weg vom Inbegriff des Scheiterns zu einer Modellschule in einem zusammenrückenden und sich aufrichtenden Quartier zu begleiten. Christina Rau engagiert sich für die Stiftung Zukunft Berlin und ist Schirmherrin des Campus Rütli. Sie bringt sich ein und zeigt Präsenz. Das ist für alle Beteiligten in Neukölln eine große und wichtige Ermutigung.
Leider kann Christina Rau heute nicht anwesend sein. Ich werde ihr den Verdienstorden des Landes Berlin bei nächster Gelegenheit aushändigen.
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Als er kam, dachten manche: Keine Chance, der ist gleich wieder weg. War er aber nicht. Fast 18 Jahre blieb Professor Frank Schneider Intendant des Konzerthauses Berlin. Es war eine überaus erfolgreiche Zeit. Dass die Prognose für ihn wie für das ihm anvertraute Haus so düster war, lag an besonderen Umständen. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung war für alle Berliner Kultureinrichtungen eine Phase des Neubeginns und Neubesinnens. Gewohntes stand in Frage, Neues musste gewagt und gestaltet, Bewährtes erhalten werden. Prof. Frank Schneider war der richtige Mann für diese einzigartige Herausforderung. Er ist ein Intellektueller und zugleich ein Macher – eine nicht gerade häufige Kombination. Und es kommt auch nicht oft vor, dass sich jemand selbst als „Ossi“ bezeichnet. Professor Schneider tut genau dies mit größtem Selbstbewusstsein.
Da ist insofern was dran, als Professor Schneider kämpfen kann – für sein Haus und sein Orchester. Und er war unangepasst, hat nie ein Blatt vor den Mund genommen.
Dabei war Professor Schneider stets ein verlässlicher Partner. Manch schwierigen Kompromiss hat er mitgetragen. Er wusste, es geht nicht anders. Den Sinn fürs Machbare hat er sich bewahrt. So lautet ein Bonmot von ihm: „Die großen Ideen der Menschheitsgeschichte haben die Tendenz, sich im Zuge ihrer Realisierung selbst zu vernichten. Wenn ich in der Saisonplanung 50 Prozent meines Wunschprogramms durchkriege, bin ich zufrieden.“
Ich würde fast wetten: Es waren mehr als 50 Prozent. Denn die Programmgestaltung suchte ihresgleichen, was Vielfalt und künstlerische Qualität angeht. Immer wieder gelang es, hervorragende Künstler an das Haus zu binden. So konnte sich das Konzerthausorchester zu einem exzellenten Klangkörper entwickeln.
In diesem Jahr, da das Konzerthaus sein 25. Jubiläum begeht, hat sich Professor Schneider in den Ruhestand verabschiedet. Eine bedeutende Ära endete. Aber es gibt vieles, das bleibt.
Professor Schneider, Sie haben sich um die Musikstadt Berlin verdient gemacht. Ich freue mich sehr, Ihnen den Berliner Landesorden überreichen zu dürfen.
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Zahlreiche Veranstaltungen erinnern in diesem Jahr an den 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution und des Mauerfalls. Ein Höhepunkt ist die Open-Air-Ausstellung zur Friedlichen Revolution auf dem Alexanderplatz. Die vielen Besucherinnen und Besucher erleben hier keine gut abgehangenen Geschichtsbilder. Sondern sie erleben: den heißen Atem der Geschichte, die ganze Dramatik dieser bewegten und bewegenden Zeit, direkt und ungefiltert.
Dass dies auf ein paar Stellwänden so eindrucksvoll gelingt, hat zwei Ursachen: Da sind zum einem die erlesenen Bilder und Dokumente, jedes für sich ist eine zeitgeschichtliche Preziose. Und da ist zum anderen der Kurator, der als Zeitzeuge ein Kenner ist.
Tom Sello von der Robert-Havemann-Gesellschaft hat sich schon früh für Bürgerrechte in der DDR engagiert. Als Bauarbeiter kommt er aus Riesa in die Hauptstadt der DDR. Dort schließt er sich verschiedenen oppositionellen Gruppen an, verfasst und verbreitet 1982 Flugblätter gegen die Verschärfung des Wehrdienstgesetzes, engagiert sich für die Umweltbibliothek und verschiedene Untergrund-Zeitschriften.
Er registriert als Wahlbeobachter der Bürgerrechtsbewegung die massiven Fälschungen der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989.
Er ist dabei, als am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz die größte demokratische Demonstration in der Geschichte der DDR stattfindet.
Er war einer der Organisatoren der Mahnwache vor der Stasi-Zentrale ab 4. September 1990.
Das war die Initialzündung für die Gründung des Matthias-Domaschk-Archivs 1992, das ein Kernstück des Archivs der DDR-Opposition unter dem Dach der Robert-Havemann-Gesellschaft ist. Tom Sello hält das Erbe der DDR-Bürgerrechtsbewegung lebendig.
Seine Biografie und seine Arbeit zeigen, welchen Mut Einzelne aufgebracht haben, um der SED-Diktatur die Stirn zu bieten. Wie lebendig diese Erinnerung ist, zeigt nicht nur die Ausstellung auf dem Alexanderplatz. Das zeigen auch die vielen anderen Projekte, die Tom Sello und die Havemann-Gesellschaft organisiert haben.
Lieber Tom Sello, ich freue mich sehr, Sie nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu dürfen.
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Willy Weiland ist ein Mann der Tat. Seit 1991 leitet er eines der führenden Hotels unserer Stadt. Andere würde eine solche Aufgabe auslasten. Nicht so Willy Weiland. Er engagiert sich für das InterContinental ebenso wie auch für den Tourismus in Berlin.
Willy Weiland bringt alles mit, was ein guter Hotelmanager braucht: Innovationsfreude, Mut zum Risiko und viel unternehmerisches Know-how. Hinzu kommen ein enormer Arbeitseifer und bei allem Erfolg eine fast erstaunliche Bodenhaftung. Dank dieser Eigenschaften ist es ihm seit nunmehr fast 20 Jahren gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit seines Hauses zu sichern. Mehrfach wurde das „Interconti“ ausgezeichnet. Und auch Willy Weiland durfte sich bereits über wichtige Ehrungen freuen.
Aufgrund seiner Erfahrungen im Hotelgeschäft weiß Willy Weiland: Der Wettbewerb ist hart und man braucht einen langen Atem. Das gilt auch für den Weg einer Stadt zur Tourismusmetropole. Berlin hatte einen langen Atem. Die Stadt wird als Reiseziel immer attraktiver. Und Willy Weiland trägt als Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes viel dazu bei.
Unermüdlich setzt er sich für den Hauptstadt-Tourismus ein. Das bedeutet für ihn unter anderem: vehement für Weltoffenheit und Gastfreundlichkeit zu werben, touristische Verbesserungen anzuregen, sich für die Vermarktung der Hauptstadt zu engagieren. Dem Senat ist Willy Weiland dabei ein ebenso verlässlicher wie kompetenter Partner, dem wir etwa am „Runden Tisch Tourismus“ zahlreiche wichtige Impulse verdanken.
Heute steht die Tourismusmetropole Berlin besser da denn je. Besucher- und Übernachtungszahlen steigen Jahr für Jahr. Ein derartiger Erfolg wäre ohne Persönlichkeiten wie Willy Weiland kaum möglich.
Für 2009 rechnen wir wieder mit einem guten Ergebnis. Zwar sind die Zeiten auch für das Berliner Gastgewerbe nicht einfach. Jedoch: Keine Wirtschaftskrise dauert ewig. Gerade jetzt kommt es darauf an, weiter intensiv an der touristischen Entwicklung zu arbeiten. Die richtigen Weichen sind gestellt. Gerade hat die Leichtathletik-WM zahlreiche Gäste in die Stadt gebracht. Freundlichkeit und Servicequalität wurden vielfach gelobt. Für Berlin bedeutete das erneut einen nachhaltigen Imagegewinn.
Wir haben also viele gute Gründe, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Einer heißt Willy Weiland. In diesem Sinne werde ich Willy Weiland bei nächster Gelegenheit den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen.
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