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Landespressedienst

Inneres

Innensenator Dr. Ehrhart Körting legt den Bericht zur Kriminalität in Berlin 2008 vor

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport teilt mit:

Innensenator Dr. Ehrhart Körting hat heute den Bericht des Polizeipräsidenten über die Kriminalität für das Jahr 2008 vorgestellt.

Der Trend der letzten Jahre hat sich fortgesetzt, die Gesamtfallzahl ist weiter gesunken und stellt mit 482.765 Fällen erneut die niedrigste Fallzahl seit der Wiedervereinigung 1990 dar.
Die Gesamtaufklärungsquote ist mit 49,5% leicht gefallen.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2008 zeichnet sich insbesondere durch einen Rückgang der Raubstraftaten um 19,5% aus. Ist die Gesamtzahl der Rohheitsdelikte 2007 noch angestiegen, bewirkt die niedrige Zahl der Raubtaten, aber auch die sinkende Zahl der Körperverletzungen, dass 2008 insgesamt 4,3% weniger Rohheitsdelikte begangen wurden. Im Vergleich zum Jahr 2002, in dem statistisch alle 60 Minuten eine Raubtat begangen wurde, war dies 2007 nur noch alle 82 Minuten der Fall.
Ein weiterer erfreulicher Rückgang von 15% kann bei den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen verzeichnet werden.
Insbesondere dem Engagement der in Berlin ansässigen Unternehmen ist ein bedeutsamer Rückgang der Taten in den Bereichen des Betruges im Lastschriftverfahren (-27,4%) und des Überweisungsbetruges (-46,6%) zu verdanken.
Weitere bedeutsame Rückgänge sind für folgende Delikte zu verzeichnen:

• Sexualdelikte (-12,9%)
• Diebstahl aus Kellerräumen (-8,7%)
• Taschendiebstahl (-8,6%)
• Geld- und Wertzeichenfälschung (-6,7%)
• Handel von und Schmuggel mit Rauschgiften (-6,5%)
• Tötungsdelikte (-6,5%)


Trotz einer deutlichen Steigerung von 23,9% ist die Entwicklung bei den Fallzahlen der Häuslichen Gewalt nicht nur negativ zu werten, da hier nicht von einem tatsächlichen Anstieg begangener Taten, sondern vielmehr von einem Effekt der Dunkelfeldaufhellung auszugehen ist. Die erfolgreiche Arbeit von Opferschutzverbänden und anderen betreuenden Akteuren sowie die erhöhte Sensibilisierung in der Bevölkerung dürften ursächlich für diese Entwicklung sein.

Eine starke Fallzahlsteigerung ist bei den Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern (+7,6%) zu verzeichnen, die auf ein Großverfahren zurückzuführen ist, das 2008 abgeschlossen wurde. Auch der Fahrraddiebstahl weist eine bedeutende Steigerung von 16,8% auf, hier dürfte die veränderte Tatgelegenheitsstruktur ursächlich sein, die durch die vermehrte Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel in der Stadt entsteht.
Immer mehr Taten des Warenkreditbetrugs verlagern sich von den klassischen Bestellungen bei Versandhäusern hin zu der Nutzung von Onlineauktions- oder Internetwarenhäusern. Durch diesen Umstand ist eine wichtige Hemmschwelle genommen, die mit ursächlich für die Steigerung von 16,7% in diesem Bereich sein dürfte.

Bedenklich ist der Anstieg der Wohnraumeinbrüche von 18,7%. Betroffen sind hiervon insbesondere einfache und mittlere Wohnlagen im Innenstadtbereich, aber auch Einfamilienhäuser in Stadtrandlage. Allen Bürgern, die in Sachen technischen Diebstahlsschutzes eigenen Nachbesserungsbedarf erkennen, kann nur empfohlen werden, den Kriminalpolizeilichen Beratungsladen in der Otto-Braun-Straße 27 (Nähe Alexanderplatz), 10178 Berlin, Öffnungszeiten: Montag, 10.00 - 18.30 Uhr, Dienstag-Donnerstag, 08.00 – 15.00 Uhr, aufzusuchen oder sich im Internet unter www.polizei-beratung.de(Externer Link) zu informieren.

Die Zahl der als tatverdächtig ermittelten Kinder ist um 1,2%, die der als tatverdächtig ermittelten Jugendlichen um 8,2% gesunken. Der Rückgang bei den Jugendlichen entspricht dabei auch ungefähr dem rückläufigen Anteil (-7,6%) der Jugendlichen an der Wohnbevölkerung Berlins.

Im Jahr 2008 wurden 31.861 Tatverdächtige unter 21 Jahre ermittelt, was einem Anteil von 23,6% an allen Tatverdächtigen entspricht. Der Bevölkerungsanteil der unter 21-Jährigen liegt hingegen bei 17,8%.
Somit hat der Anteil der unter 21-jährigen Tatverdächtigen ein Rekordtief erreicht. Noch nie seit der Wiedervereinigung 1990 befand er sich auf derart niedrigem Niveau. Interessant ist dabei der direkte Abgleich über die Tatverdächtigenbelastungszahl (die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils, jeweils ohne Kinder unter 8 Jahren) der unter 21-Jährigen, die für das Jahr 2008 bei 8.452 liegt und somit gegenüber dem Vorjahr (8.659) gesunken ist. Erstmals seit dem Jahr 2005 ist die Tatverdächtigenbelastungszahl bei den unter 21-jährigen Rohheitstätern auch wieder rückläufig und befindet sich gleichzeitig bereits unter dem Niveau der beiden Vorjahre.

Auch bei den Opfern von Straftaten ist der Anteil der unter 21-Jährigen überproportional zur degressiven Bevölkerungsentwicklung gesunken. Lag die sog. Bevölkerungsgefährdungszahl (Zahl der erfassten Opfer errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils) im Jahr 2007 noch bei 4.022, liegt sie für das vergangene Jahr 2008 nur noch bei 3.670.


Für den Bereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) wurden für 2008 insgesamt 2.620 Fälle registriert. Das entspricht einem Rückgang der Fälle um insgesamt 8,6%.
Der allgemeine Rückgang spiegelt sich in den einzelnen Deliktsbereichen der politisch motivierten Kriminalität wider, so ist sowohl bei den Gewaltdelikten (-8%), bei den Propagandadelikten (-8,8%) als auch bei den sonstigen Delikten (-8,5%) ein Rückgang zu verzeichnen.
Die Zahl der rechtsmotivierten Straftaten ist um 6,4% zurückgegangen und bildet somit den niedrigsten Wert der letzten vier Jahre. Die rechten Gewaltdelikte sind im Vergleich zum Vorjahr um 17 Fälle angestiegen.
Drei Fälle von versuchten Tötungsdelikten aus ausschließlich fremdenfeindlichen Motiven sollen hier nicht unerwähnt bleiben. Durch effektive polizeiliche Ermittlungsarbeit wurden diese Taten letztendlich aufgeklärt, einige Täter wurden bereits rechtskräftig zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Zahl der linksmotivierten Straftaten ist ebenfalls um 7,6% gefallen. Ähnlich gestaltet sich auch der Rückgang bei der politisch motivierten Ausländerkriminalität mit einem Rückgang von 7,4%.

Senator Dr. Ehrhart Körting:

„Die Straftatenzahlen in Berlin sind mit 482.765 Fällen auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Diese Entwicklung ist überaus erfreulich und zeigt auch, dass die Hauptstadt dank der guten Polizeiarbeit sicherer geworden ist.

Insgesamt hat die Berliner Polizei im vergangenen Jahr hervorragende Arbeit geleistet und auch Großereignisse erfolgreich bewältigt. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner Polizei für die geleistete Arbeit! Mein Dank richtet sich in diesem Jahr jedoch ausdrücklich auch an alle nichtstaatlichen Organisationen, wie beispielsweise den Opferschutzverbänden, sowie nicht zuletzt an alle Berlinerinnen und Berliner, die durch das gestiegene Maß an Aufmerksamkeit und Engagement bei der weitergehenden Aufdeckung von Straftaten und somit der Aufhellung des Dunkelfelds beteiligt waren.“


Mitteilung vom: 30.03.2009, 13:30 Uhr
Rückfragen: Nicola Rothermel
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