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Pressemitteilungen des Landes

Senat

Berlin als Standort moderner Industrie

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, erklärte zum Thema „Berlin als Standort moderner Industrie“ anlässlich des Industrieforums am 1. November 2007 im Roten Rathaus unter anderem:

Ich begrüße Sie sehr herzlich zu diesem Industrieforum und heiße Sie willkommen im Roten Rathaus. Vielen Dank an alle, die zum Zustandekommen dieses Forums und der Leistungsschau moderner Berliner Industrieunternehmen beigetragen haben.

Berliner Industrie, das ist die Botschaft dieser Konferenz, ist nicht „Old Economy“. Sie ist modern und wettbewerbsfähig. Die Berliner Industrie hat Zukunft.

Lange Zeit galt das verarbeitende Gewerbe als der „kranke Mann“ der Berliner Wirtschaft. Berlin hatte im Jahr 1989 in Ost und West zusammen rund 380.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. Heute sind es noch rund 100.000, also 280.000 weniger als vor 18 Jahren.

Ein gewaltiger Aderlass: auf der einen Seite der Niedergang der Kombinate im Ostteil der Stadt, auf der anderen Seite die Arbeitsplatzverluste in den West-Berliner Industriebetrieben. Und manche Firmenschließung hat uns ja bis in die jüngste Zeit hinein beschäftigt, zum Beispiel CNH, Bosch-Siemens Hausgeräte, Samsung.

Viele hier im Saal waren aktiv dabei, haben sich an die Seite der Beschäftigten gestellt, Alternativen zur Schließung erarbeitet und für eine Perspektive gekämpft. In diskreten Gesprächen mit dem Management, mit Protesten am Werkstor und auf Belegschaftsversammlungen haben Sie sich, haben wir uns gemeinsam engagiert.
Das war wichtig, auch wenn wir an Grenzen gestoßen sind. Denn: Wo weiter Röhrenbildschirme hergestellt werden wie bei Samsung, obwohl der Markt längst Flachbildschirme verlangt, da hat das Management den Standort aufgegeben.

Die mediale Aufmerksamkeit für die vielen notwendigen Kämpfe um Jobs und Firmenstandorte hat einen anderen Teil der Realität lange Zeit regelrecht verdeckt.

In Berlin hat sich ein Wandel vollzogen, der uns nicht selbstzufrieden, aber sehr wohl optimistisch stimmen sollte.

Die Berliner Industrie ist heute nicht mehr der „kranke Mann“, sondern in weiten Teilen innovativ und wettbewerbsfähig.
Der Strukturwandel war auch mit einem Heilungsprozess verbunden. Die alte Industrie der 80er Jahre war in weiten Teilen nicht gesund.

Wenn ich also sage: Berlins Industrie hat gute Aussichten, dann hat dies nichts mit Schönfärberei zu tun, sondern beruht auf einer nüchternen Betrachtung von Fakten. Ich nenne einige Kennziffern, die verdeutlichen, auf welchem Weg sich die Berliner Wirtschaft und die Berliner Industrie befinden:

Da sind einmal kurzfristige Indikatoren:

 Die positive Konjunkturentwicklung im verarbeitenden Gewerbe hat sich im II. Quartal fortgesetzt, der Umsatz ist um 1 % zum Vorjahr gestiegen, für 2007 wird ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,7 % erwartet.
 Die Anzahl der Beschäftigten ist im ersten Halbjahr um 2,2 % gestiegen (bundesweit +1,8 %, Berlin liegt im Zuwachs auf Platz 3), 35.000 zusätzliche Arbeits¬plätze sind entstanden, die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum Vorjahr um 36.000.
 Die Zahl der Ausbildungsplätze stieg in diesem Jahr im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) um 5 % und im Bereich der Handwerkskammer um 3 %.
 Die Auftragseingänge in der Industrie stiegen im II. Quartal um 13,9 % im Vergleich zum Vorjahr, darunter die Bestellungen aus dem Ausland um
20,3 %.
Besonders hohe Zuwächse hatte mit 26,5 % die chemische Industrie, aber auch der Bereich der Elektroindustrie zeigte sich mit einem Plus von
13,1 % stabil.
 Der Geschäftsklimaindex stieg in der Konjunkturumfrage der IHK vom Oktober um zwölf Punkte auf 134. In der Industrie berichteten 46 % der Unternehmen über steigende Auftragseingänge und nur 15 % über sinkende.

Auch einige längerfristige Trends geben Anlass zum Optimismus:

 Die Exportquote ist in der Berliner Industrie von knapp
24 % im Jahr 2000 auf 31,1 % im vergangenen Jahr gestiegen. Das ist ein gewaltiger Fortschritt und zeigt, wie sehr sich die Berliner Industrie dem Weltmarkt stellt.
 Mit einem Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe von 8,5 % nimmt Berlin mit großem Vorsprung bundesweit den 1. Platz ein, vor Hamburg mit 5,9 %, Hessen mit 5,8 %, Bayern mit 5,7 % und Baden-Württemberg mit 5,6 %. Auch diese Kennziffer zeigt: Hier ist eine große strukturelle Stärke der Berliner Wirtschaft.
 Oder schauen wir auf die Kompetenzfelder Berlins: auf die Medizintechnik, die Biotechnologie, die Verkehrssystemtechnik, die Informations- und Kommunikationstechnologie und die optischen Technologien: zwischen 2002 und 2005 nahm die Zahl der Unternehmen in diesen Bereichen um 4,1 % zu. Das ist deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt von 1,0 % und bestätigt unsere strategische Ausrichtung.
 Und weil wir diesen Ansatz langfristig verfolgen, ist auch der Anteil der Fördermittel, der in die Kompetenzfelder fließt, deutlich gestiegen: von 67 % im Jahr 2005 auf 74 % im vergangenen Jahr. Für 2007 erwarten wir einen erneuten Anstieg auf dann 75 %. Diese Zahlen zeigen: Berlin hat Abschied genommen vom Gießkannenprinzip in der Wirtschaftsförderung. Wir fördern zielgerichtet und nachhaltig wirksam. Das war nicht immer so, wie sich manche im Saal erinnern werden.

*

Es ist an der Zeit, dass wir über Erfolge reden.

Was sind das für Unternehmen, die erfolgreich auf den Märkten der Welt unterwegs sind, teilweise sogar als Weltmarktführer?

Denken Sie an das BMW-Motorradwerk in Spandau, an die Motorenproduktion von Daimler in Marienfelde, an den Rasierklingen-Hersteller Gillette und an den mit 14.000 Beschäftigten immer noch größten Berliner Arbeitgeber im Bereich der Industrie, die Firma Siemens mit ihren weltweit gefragten Gasturbinen und vielen anderen erfolgreichen Produkten. Oder: Denken Sie an Pharma- und Chemieunternehmen wie Bayer-Schering und Berlin-Chemie (und demnächst auch Pfizer).
Das waren die großen, die bekannten Namen.
Aber es gibt auch eine Menge „hidden champions“ in Berlin, kleine Unternehmen, die in ihrem Segment Marktführer, oft auch Weltmarktführer sind: Firmen wie Burmester mit ihren unschlagbaren High End Anlagen, wie Gerb Schwingungsisolierungen, die weltweit Bauwerken die notwendige Stabilität gibt, wie FMB Feinwerk- und Messtechnik, die Berliner Seilfabrik, Berlin Heart, Biotronik Herzschrittmacher und die Pharma-Firmen Jerini und Dr. Mann Pharma.
Diese Firmen sind zwar nicht in aller Munde, aber auf allen Märkten der Welt. Darauf kommt es an.

Eine beeindruckende Entwicklung im Mittelstand hat der Schienenfahrzeug-Produzent Stadler aus Pankow genommen, der gerade erst einen Großauftrag über 45 Straßenbahnen für Graz erhalten hat.
Jeder hier im Raum könnte diese Liste mit Berliner Erfolgsgeschichten noch weiter fortsetzen.

Die deutsche Hauptstadt ist ein wettbewerbsfähiger und dynamischer Produktionsstandort mit hohen Qualitäten.
Es war richtig, in den 90er Jahren um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Genauso wichtig war es aber auch, einen Humus für Neues auszubreiten.

Ein Beispiel sind die Gründerzentren. Gerade vor wenigen Tagen konnte ich beim zehnjährigen Bestehen des Ost-West-Gründerzentrums (OWZ) in Adlershof dabei sein, einem von 25 Technologie- und Gründerzentren und Innovationsparks, die in den 90er Jahren in Berlin entstanden sind.

Über 100 technologieorientierte Unternehmen haben das OWZ bereits als Sprungbrett in eine erfolgreiche Zukunft genutzt. Darunter sind viele kleine, aber es sind auch große, global agierende Unternehmen dabei, denen das OWZ dazu verhilft, in Berlin Fuß zu fassen und Arbeitsplätze zu schaffen.
Zum lebenswichtigen Humus für innovative Unternehmen gehört die systematische Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof mit seinen chinesisch anmutenden Wachstumszahlen ist für viele sicherlich das Paradebeispiel.

Der innovative Funke springt schon seit Jahren von der Forschung auf die Produktion über. Und langfristige Entscheidungen zahlen sich aus, wie die Ansiedlung der Naturwissenschaften der Humboldt-Universität, das Werben um die Ansiedlung außeruniversitärer Forschungsinstitute und von Unternehmen sowie der Ausbau als Medienstandort.

Aber, so sehr wir alle vom Modell Adlershof überzeugt sind, es gibt in der Stadt noch viele andere gute Beispiele für ein enges Miteinander von Wirtschaft und Wissenschaft, z.B. den biomedizinischen Campus Buch, die enge Kooperation von Forschung und technologieorientierten Unternehmen auf dem Campus der FU und in ihrer Nähe, die auf Technologietransfer ausgerichteten Aktivitäten der TU Berlin, der Innovationspark Wuhlheide, oder auch neue Initiativen wie das Projekt „Innovation Habitat“ an der Universität der Künste. WISTA leistet dabei aktive „Geburtshilfe“ und trägt dazu bei, die Idee des Technologieparks von der Peripherie ins Zentrum der Stadt zu transportieren.

An diesen Beispielen kann man einen beiderseitigen Annäherungsprozess beobachten. Gab es bis vor kurzem noch einen nahezu undurchdringbaren Schutzzaun, eine Art „chinese wall“ zwischen Wissenschaft und Unternehmen, so haben viele Forscher ihren Elfenbeinturm verlassen und sich auf die Kooperation mit einem Unternehmen eingelassen. Und das gilt auch umgekehrt: Viele Firmenchefs haben ihre Scheu vor der akademischen Zunft überwunden und die Zufuhr von innovativen Ideen gefördert. So muss es sein!

Ein weiterer Faktor sind unsere hervorragenden Fachkräfte. Nur wenige Städte sind ein solcher Anziehungspunkt für Talente aus aller Welt und bilden so viele hochqualifizierte Menschen aus, und nur wenige Metropolen verfügen über eine solche Bandbreite an Kompetenzen wie Berlin. Unsere 20 Universitäten und Hochschulen - sie alle sind ein riesiges Pfund und ein starkes Argument für Berlin. Nicht erst seit den Erfolgen im Exzellenzwettbewerb. Aber jetzt erst recht und deutlich sichtbar.

Die Arbeitskosten sind eben in der Abwägung der Standortfaktoren nicht das einzige Kriterium – trotz Globalisierung. Man kann auch mit Qualität gewinnen. Und das muss unser gemeinsames Ziel sein!
Nicht das Drehen an der Abwärts¬spirale, sondern der Drang an die Spitze!

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die moderne Infrastruktur. Der neu errichtete Hauptbahnhof, die neue Autobahn A 113 und der Flughafen BBI: Das sind die wichtigsten Projekte dieser Zeit, die dafür sorgen, dass Berlin auf allen Wegen gut erreichbar ist.

In der Wirtschaftsförderung haben wir in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorn getan. Wir haben aus einer Vielzahl von Fördereinrichtungen eine „one stop agency“ geschaffen. Wir haben die Zahl der Ansprechpartner in der Verwaltung verringert, mit Berlin Partner eine zentrale Anlaufstelle für Investoren bei der Ansiedlung geschaffen und mit der ZAK eine Anlaufstelle für Unternehmen bei allen Problemen mit der Verwaltung eingerichtet.
Kurz: Wir sind mit dem Motto angetreten, Investoren den „roten Teppich“ auszurollen. Das war richtig, auch wenn im Detail immer noch Verbesserungen möglich und nötig sind.

Wenn ich von Humus für das Neue sprach, dann dürfen wir nicht vergessen: Berlin hat einen gravierenden Mentalitätswechsel geschafft. Ich meine damit nicht nur die Konsolidierung der städtischen Finanzen, die nie ein Selbstzweck war, sondern immer auch dem Vertrauen in den Wirtschaftstandort diente.

Mit dem Mentalitätswechsel meine ich aber vor allem, dass wir in den letzten Jahren einen höchst unfruchtbaren Streit in der Stadt überwunden haben.
Häufig wurde gesagt: Industrie ist von gestern, die Zukunft liegt in der Dienstleistungsmetropole. Ich sage: Wir brauchen beides.
Wir streiten heute nicht mehr über diesen angeblichen Widerspruch. Man muss nur die Softwarebranche ansehen, um zu erkennen: Ohne leistungsfähige, unternehmensnahe Dienstleistungen kann es heute keine erfolgreiche Industrie mehr geben.
Beide Bereiche ergänzen sich gegenseitig und sind aufeinander angewiesen. Es gibt Dienstleistungen, die essenzielle Bedeutung für die Ansiedlung von Produktion haben, und es gibt Arbeitsplätze in der Industrie, die neue Beschäftigung im Dienstleistungsbereich nach sich ziehen, also eine doppelte Wirkung haben.

Oder nehmen Sie eine andere Scheinalternative: Sollen wir auf Wissenschaft und Forschung setzen oder auf Produktion? In einer Stadt, in der fast 50 % der industriellen Arbeitsplätze in forschungsintensiven Betrieben zu finden sind, ist die Frage obsolet. Berlin lebt von der intelligenten Verknüpfung.

Noch vor ein paar Jahren wurden Branchen wie der Tourismus und die Kreativwirtschaft von manchen Wirtschaftspolitikern als zweitrangig eingestuft. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Eröffnung eines Hotels mit 400 Beschäftigten nur mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen wurde, während man auf den „dicken Fisch“ aus der Industrie wartete.

Berlins Attraktivität als Kulturmetropole ist ein Faktor, der Unternehmensansiedlungen begünstigt.

Hier sind in den letzten Jahren viele neue Arbeitsplätze entstanden. Auch das gehört zu einer wirtschaftsfreundlichen Stadt, dass wir die unternehmerische Leistung jedes Einzelnen schätzen.

Dass Berlin in den letzten Jahren zu neuer Einigkeit in der Einschätzung der eigenen Stärken und Potenziale und in der strategischen Grundausrichtung der Wirtschaftspolitik gefunden hat, zeigt sich an der „Wachstumsinitiative Berlin 2004 – 2014“, die nunmehr fortgeschrieben wurde. Diese Initiative ist eines von inzwischen vielen Zeichen dafür, dass es uns gemeinsam gelungen ist, eine Kultur der Kooperation aller relevanten wirtschaftspolitischen Akteure zu schaffen.

Mein herzlicher Dank gilt den Präsidenten der Kammern, den Vorsitzenden der wirtschaftspolitischen Verbände und den Kollegen aus den Gewerkschaften. Sie alle haben in den schwierigen Zeiten des Übergangs Kooperationsfähigkeit bewiesen, sie haben die Gesundung der Berliner Industrie durch ihr besonnenes Handeln ermöglicht. Das hat Berlin insgesamt genutzt und vorangebracht.

*

Der beschriebene Mentalitätswechsel hat sich auf verschiedenen praktischen Feldern niedergeschlagen und zu einer Kultur der Zusammenarbeit geführt.

Wir haben Abschied genommen von einem veralteten Begriff von Industrie. Das sind nicht mehr die Unternehmen mit den Schornsteinen und den großen Fabrikhallen, in die täglich die Arbeitermassen strömen.

Wer heute in Berlin von Industrie spricht, meint eine moderne Industrie des 21. Jahrhunderts, die von Kreativität und Wissen getrieben wird. Eine Industrie, die innovativ und wettbewerbsfähig ist. Eine Industrie, die sich an den globalen Märkten ausrichtet und in der Region verwurzelt ist.

Wir haben einen neuen, kohärenten Ansatz in der Innovationspolitik entwickelt. Für jedes einzelne Kompetenzfeld gibt es einen mit allen relevanten Partnern abgestimmten Masterplan, der nun systematisch umgesetzt wird.

Wir haben Abschied genommen vom Gießkannenprinzip in der Wirtschaftsförderung. Wir konzentrieren die vorhandenen Fördermittel auf die strategischen Cluster „Gesundheitswirtschaft“, „Kreativwirtschaft“ und „Verkehr/Mobilität“.

Zu der neuen Kultur der Zusammenarbeit gehört, dass es gelungen ist, große Fortschritte in der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft zu machen. In unseren Clustern und Kompetenzfeldern sind sie eng miteinander verbunden.

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Von Erfolgen dürfen wir uns weder berauschen noch beruhigen lassen. Und Stillstand ist der ärgste Feind des Erfolgs. Berlin muss den eingeschlagenen Weg entschlossen weitergehen.

Berlin gleicht einem frisch gepflügten Feld nach der Aussaat. Gehen wir sorgsam um mit den jungen Pflanzen. Pflegen wir sie. Tun wir alles, um sie mit frischem Humus zu versorgen. Sorgen wir für ein gutes Klima, in dem sich die jungen Triebe gut entwickeln.

Wir müssen die Wirtschafts- und Innovationspolitik nicht neu erfinden und auch keinen Kurswechsel einleiten. Sehr wohl gibt es Bedarf an Feinjustierungen und Optimierungen. Mein Appell an die Unternehmen ist, die Chancen einer so einzigartigen Dichte an Forschungseinrichtungen zu nutzen und sich auf Kooperationen einzulassen. Berlin hat noch Luft, was den Technologietransfer angeht.

Auch neue Akzentuierungen hinsichtlich der Kompetenzfelder erscheinen angebracht. Zum Beispiel zeigen die jüngsten Ansiedlungserfolge im Bereich der Energiebranche: Berlin ist hier bereits hervorragend positioniert. Die Region gewinnt an Profil als Standort für erneuerbare Energien. Hier lohnt es sich, neue Schwerpunkte und Anreize zu schaffen. Und ich verspreche Ihnen: Das werden wir auch tun. Nur wenn wir Klimaschutz und vorausschauende Wirtschaftspolitik zusammen denken, werden wir Erfolg haben.

Es ist gut, dass wir heute ein gemeinsames Signal für die Industriestadt Berlin setzen. Lassen Sie uns die Stadt weiter als das profilieren, was sie ist - als eine moderne und wettbewerbsfähige Industrie- und Dienstleistungsmetropole.
Lassen Sie uns an einem Ausbau von regionalen Kreisläufen und Wertschöpfungsketten arbeiten. Lassen Sie uns die Netzwerke fördern und die Kooperation in der Region Berlin-Brandenburg weiter ausbauen, damit die größtenteils sehr junge Industrie tiefe Wurzeln in der Region schlägt und die hier geschaffenen Arbeitsplätze von Dauer sind.

Hervorragende Grundlagen sind ja zum Beispiel mit Rolls-Royce in Dahlewitz, mit MTU in Ludwigsfelde und Bombardier in Hennigsdorf gelegt – allesamt „global player“, die mit der Berliner Wissenschaft kooperieren und mit modernster Produktion Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft in der Region sichern.

Lassen Sie uns gemeinsam weiter daran arbeiten, dass Erfinder beste Bedingungen vorfinden, dass die Wege zwischen Forschung und Anwendung weiter verkürzt werden, damit aus Ideen Produkte werden.
Lassen Sie uns selbstbewusst den Wettbewerb mit anderen suchen, zum Beispiel im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums, an dem sich Berlin mit dem Gesundheitscluster bewirbt.

Der Nobelpreis für den Berliner Professor Ertl und die Entscheidungen im Exzellenzwettbewerb der Hochschulen bringen Berlin kräftigen Aufwind, den wir nutzen wollen.

Mit dem Masterplan Wissenschaft haben wir die Weichen gestellt, um die über viele Einrichtungen verteilte Spitzenforschung in Berlin gebündelt nach außen sichtbar zu machen, ihre Ausstrahlung zu stärken und damit die besten Köpfe aus aller Welt nach Berlin zu locken. Spitzenforscher sind keine abgehobene Elite, sondern Zugpferde für die ganze Breite der Wissenschaft.
Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, die Ausbildung von Fachkräftenachwuchs zu forcieren. Wir brauchen mehr Ingenieure und werden daher an den Berliner Hochschulen 2.000 bis 3.000 neue Studienplätze einrichten. Das liegt in unserer Verantwortung als Senat.

Wichtig ist aber auch die klassische und bewährte duale Ausbildung. Ich danke allen Unternehmen, die in den letzten Jahren viel getan haben für die Ausbildung. Mein Appell an alle ist: Legen Sie noch eine Schippe drauf. Kommen Sie Ihrer Verpflichtung nach und bilden Sie noch mehr aus! Wer heute nicht ausbildet, versündigt sich nicht nur an der Zukunft unserer Jugend, er sägt auch am Ast des Aufschwungs.

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Berlin ist eine Stadt des raschen Wandels. Diesen permanenten Wandel finden so viele Menschen spannend an Berlin. Und der Wandel ist letztlich auch das Prägende an einer innovativen Wirtschaft im 21. Jahrhundert mit immer kürzer werdenden Innovationszyklen.

66 % der Deutschen empfinden Berlin als faszinierende Metropole mit wirklicher Strahlkraft. Das sagt Renate Köcher vom Allensbach-Institut. Allerdings denken die Menschen in Deutschland, wenn sie Berlin hören, vor allem an die Bundesregierung und unser grandioses Kulturangebot.

Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass mehr über die Spitzenprodukte „Made in Berlin“ geredet wird, dass immer mehr Menschen im In- und Ausland Berlin auch mit moderner Industrie verbinden.
Das wird ein Thema unserer Bemühungen um eine Marke Berlin sein. Und ich bin froh, dass sich mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG ein renommierter Repräsentant der modernen Industrie für das vor kurzem gegründete Berlin Board engagiert.
Und wenn wir heute in der Berliner Industrie eine Exportquote von 31 % haben, dann ist das zweifellos ein Erfolg, weil wir vor sieben Jahren noch bei 24 % lagen. Aber der Bundesschnitt liegt bei 42 %. Das sollte unsere Messlatte sein, sie zu überspringen sollten wir uns gemeinsam vornehmen.

Berlin will mit Innovation und Qualität den Wettbewerb gewinnen. Vergessen wir aber nicht: Wirtschaft und Industrie sind kein Selbstzweck. Es geht darum, den Menschen unserer Region nicht mit Dumpinglöhnen, sondern mit guter Arbeit eine Perspektive zu bieten.

Dafür tragen wir alle die Verantwortung, Unternehmen, Kammern und Wirtschaftsverbände ebenso wie Betriebsräte und Gewerkschaften und nicht zuletzt auch die Politik.

Ich bin fest davon überzeugt, die Berliner Industrie hat eine gute Zukunft, wenn sie sich auch weiterhin auf ihre Stärken besinnt.

Politisch werden wir die Anstrengungen in der Industrie flankieren, indem wir die Clusterbildung in der Berliner Wirtschaft weiter voranbringen, indem wir die Infrastruktur gezielt ausbauen, indem wir die Verwaltung als Dienstleisterin entwickeln, indem wir Berlin als internationale Metropole profilieren – als Metropole, die ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie ihren Gästen eine hohe Lebensqualität garantiert, in der Toleranz und Weltoffenheit herrschen, in der die Kreativen und die Talente der Welt willkommen sind und in der ein innovatives Klima den aktiv gestalteten Wandel beflügelt.

Das sind die Kernqualitäten einer erfolgreichen Stadt am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Das sind die Stärken Berlins.
Lassen Sie uns diese Stärken weiter ausbauen.
Lassen Sie uns gemeinsam an der Zukunft Berlins arbeiten.
Denn Berlin hat Zukunft, und an uns ist es, sie aktiv zu gestalten!

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Mitteilung vom: 01.11.2007, 11:15 Uhr
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