Pressemitteilungen des LandesAus der Sitzung des Senats am 22. August 2006:
Der Senat hat auf Vorlage der Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, den Bericht „Förderung des Fahrradverkehrs“ beschlossen. Die Vorlage wird dem Abgeordnetenhaus zur Kenntnisnahme zugeleitet.
Junge-Reyer: „Die verstärkte Förderung des Radverkehrs ist eine der Konsequenzen des Stadtentwicklungsplans Verkehr, der verkehrspolitischen Strategie des Senats. Radverkehr macht mobil, verbessert die Lebensbedingungen der Stadt, kann einen Teil des motorisierten Verkehrs ersetzen und fördert über dies die Gesundheit. Berlin bietet günstige Bedingungen für eine deutliche Erhöhung des Radverkehrsanteils. Bis 2010 soll ein Anteil am sogenannten ‚modal split’ von 15 Prozent (heute über 10 Prozent) erreicht werden.“
Um diese Zahl zu erreichen, wurde in den Jahren 2003/04 durch ein breit zusammengesetztes Beratungsgremium („FahrRat“) die Radverkehrsstrategie für Berlin mit 39 konkreten Maßnahmen in sieben Handlungsbereichen erarbeitet. Der Bericht listet im Detail den Stand der Umsetzung dieser Maßnahmen knapp zwei Jahre nach Fertigstellung der Strategie auf. Es kann festgestellt werden, dass in diesem Zeitraum bereits wesentliche Fortschritte in allen Handlungsbereichen erreicht wurden:
• Die Radverkehrsinfrastruktur, vor allem in der Innenstadt und im Hauptroutennetz wurde wesentlich erweitert,
• die Ausschilderung der Routen wurde begonnen,
• in öffentlichen Grünanlagen einiger Bezirke wurden ausgewählte Wege für den Radverkehr freigegeben,
• die Informationsangebote zum Radverkehr wurden wesentlich verbessert, u.a. unter www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr.
Darüber hinaus wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen, die in Zukunft die Nutzung des Fahrrads erleichtern und die Planung unterstützen: von der Regelung über bessere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Bauordnung über eine bessere Bekämpfung von Fahrradunfällen durch die neue „Unfallkommission“ bis zur Durchführung gesonderter Radverkehrszählungen als Grundlage für die erstmalige Erstellung von Radverkehrsprognosen.
Der Umsetzungsbericht weist auch auf Defizite und Probleme hin, die der Erreichung der formulierten anspruchsvollen Ziele noch im Wege stehen. Das sind beispielsweise noch nicht ausreichende Abstellanlagen für Fahrräder an wichtigen Haltepunkten von U- und S-Bahn sowie an den Fernbahnhöfen der Stadt, aber auch die eingeschränkte Benutzbarkeit vieler Radverkehrsanlagen infolge unzureichender Unterhaltung und Sanierung. Auch die mangelhafte Verkehrsdisziplin von Radfahrern wird als Problem bezeichnet, das geeignet ist, dem positiven Image des Radverkehrs zu schaden.
Der Erfolg der Radverkehrspolitik ist vor allem an der Entwicklung der Fahrradnutzung zu beurteilen. Erfreulich ist, dass während der Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft eine 25%ige Zunahme des Radverkehrs in der Innenstadt beobachtet werden konnte, der wesentlich zur Entlastung des Pkw-Verkehrs beigetragen hat. Aber auch außerhalb der Sonderbedingungen der WM kann seit 2004 eine erfreuliche Entwicklung festgestellt werden: Die jüngste Auswertung der „Pegelzählungen“ (kontinuierliche Zählstellen) für den Zeitraum 2004 bis 2006 zeigt einen Anstieg des Fahrradverkehrs um 18 Prozent. Im Zeitraum 2001 bis 2004 lag die Steigerung nur bei etwa 3 Prozent.
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