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Pressemitteilungen des Landes

Frauen

Start der Kampagne „Verantwortlicher Freier“ gegen Zwangsprostitution: Verantwortung kann man nicht in Zentimetern messen

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen teilt mit:

Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, Innensenator Dr. Ehrhart Körting, Polizeipräsident Dieter Glietsch und Nivedita Prasad von der Hilfsorganisation Ban Ying haben heute eine Werbekampagne vorgestellt, die potenzielle Kunden von Prostituierten dafür sensibilisieren soll, dass sie Anzeichen für Zwangsprostitution wahrnehmen und melden. So sollen Opfer von Frauenhandel und Zwangsprostitution besser erreicht werden. Sie wagen es aus Angst vor Repressionen und wegen oft unsicheren Aufenthaltsstatus selten, die Polizei einzuschalten.

Menschenhandel ist daher ein Delikt mit einer hohen Dunkelziffer. Die in Berlin bekannt gewordenen Delikte mit 57 Opfern aus dem Jahr 2004 sind nur die Spitze des Eisbergs. Entscheidend für die Identifizierung von Opfern und somit für die Bekämpfung des Menschenhandels können Freier sein. Sie sind diejenigen, die am ehesten einen Eindruck von den Bedingungen erhalten, unter denen die Frauen arbeiten müssen. Sie können am ehesten Hinweise wahrnehmen, dass es sich um einen Fall von Zwangsprostitution handelt.

Ban Ying hat eine Kampagne konzipiert, die auf provokante und direkte Art potenzielle Freier auf die Problematik hinweist und an ihr Verantwortungsbewusstsein appelliert. Männer sollen ermutigt werden, auf Anzeichen dafür zu reagieren, dass eine Frau sich unfreiwillig prostituiert oder ausgebeutet wird. Über eine Internetseite erhalten sie weitere Informationen.

Die Kampagne wurde in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur schiebe preil & bayer erarbeitet und versucht provokant und spielerisch den potenziellen Freier zu erreichen, ohne ihn zu verurteilen. Der Slogan lautet „Verantwortung kann man nicht in Zentimetern messen.“ Der Text fährt fort: „Denn egal wie groß Dein Schwanz ist, Du bist der einzige, der erkennen kann, ob eine Frau zur Prostitution gezwungen wird.“ Im Laufe des Jahres werden 9 000 Plakate mit diesen Texten in Berliner Herrentoiletten aufgehängt, 20 000 Tüten mit Fruchtgummis verteilt und eine fünfsprachige Website geschaltet. Die Adresse lautet:

http://www.verantwortlicherFreier.de(Externer Link)

Die Schirmherrschaft für diese Kampagne hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit übernommen. Unterstützung erfährt Ban Ying darüber hinaus durch die Senatoren Harald Wolf und Dr. Ehrhart Körting, den Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch sowie den DGB, die Gewerkschaften ver.di, transnet, IG BAU, IG BCE, GEW und NGG.

Für die Bekämpfung des Menschenhandels sind jedoch neben Öffentlichkeitsarbeit umfassende und nachhaltige Maßnahmen erforderlich. Bereits 1995 wurde daher die interdisziplinäre Fachkommission Frauenhandel unter dem Vorsitz der für Frauen zuständigen Staatssekretärin eingerichtet. Sie hat bisher Maßnahmen für eine effektivere Strafverfolgung und für eine bessere Situation der Opfer erarbeitet und wird diese Arbeit auch fortsetzen. So unterzeichneten Polizei und Fachberatungsstellen eine Vereinbarung, die ihre enge Zusammenarbeit verbindlich regelt.

Harald Wolf, Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen: „Prostitution ist in Deutschland legal. Zwangsprostitution ist ein schweres Verbrechen, das mit Delikten wie Menschenhandel, Nötigung, Körperverletzung und Vergewaltigung einhergeht. Opfer sind die Prostituierten. Viele Männer, die diese Prostituierten frequentieren, machen sich das nicht bewusst. Ich unterstütze die Kampagne von Ban Ying, weil sie Freier daran erinnert, dass sie ihre Verantwortung nicht an der Garderobe abgeben können.“

Nivedita Prasad, Ban Ying: „Ziel der Kampagne verantwortlicherFreier.de ist es, Freier darüber zu informieren, wie sie ein Opfer von Menschenhandel erkennen können. Opfer von Menschenhandel sind über alltägliche Kommunikationswege kaum bis gar nicht zu erreichen. Daher der neue Weg über den Kunden. Er ist der Einzige, der unbeobachtet im direkten Kontakt mit potenziellen Opfern von Menschenhandel steht.“

Dr. Ehrhart Körting, Senator für Inneres: „Menschenhandel und Zwangsprostitution sind, unabhängig von solchen Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft, Kriminalitätsformen, denen wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln begegnen müssen. Beim Berliner Landeskriminalamt wird in Abstimmung mit verschiedenen Bundes- und Landesinstitutionen ein umfassendes Bekämpfungskonzept zur Eindämmung von Zwangsprostitution und Menschenhandel verfolgt. Dazu gehören neben einem repressiven Verfolgungsdruck auf die Strukturen organisierter Kriminalität auch der Schutz und die Betreuung von Opferzeuginnen. Die Kampagne von Ban Ying trägt zur Sensibilisierung und Aufklärung bei.“

Dieter Glietsch, Polizeipräsident in Berlin: „Menschenhandel und Zwangsprostitution werden bisher nur in seltenen Fällen angezeigt. Die Frauen sind eingeschüchtert und abgeschottet und die meisten Freier unwissend bzw. desinteressiert. Da die Freier jedoch den direkten Zugang zu den Opfern haben, ist ein Appell an diese Personengruppe ein viel versprechender Ansatz. In provokanter und sehr anschaulicher Art und Weise werden sie mit der Kampagne von Ban Ying für die Anzeichen von Zwangsprostitution sensibilisiert und auf ihre Verantwortung gegenüber den Opfern dieser schwerwiegenden Gewaltverbrechen hingewiesen. Wenn damit nur ein Teil der Freier zu mehr Aufmerksamkeit bewegt werden kann, haben wir die Chance, in Zukunft mehr Frauen zu helfen.“

Andreas Köhn, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft ver.di Berlin-Brandenburg und Sprecher des DGB und der Einzelgewerkschaften: „Prostitution als Gewerbe ist mit der Verabschiedung des Prostitutionsgesetzes im Jahre 2002 auch als Beruf anerkannt worden. Das ist die Basis, um für die Arbeitenden in diesem Gewerbe gesetzliche Mindeststandards zum Beispiel in Fragen der Bezahlung oder der Arbeitszeit durchsetzen zu können. Das Gesetz war auch ein Schritt zur Legalisierung der Prostituierten und eröffnet so weitere Möglichkeiten, die Abhängigkeit von Zuhältern oder Menschenhändlern zu verringern. Wie immer man zu Prostitution steht – für ein menschenwürdiges Auskommen der Prostituierten ohne Zwang und Gewalt einzutreten, ist das Mindeste.“

Mitteilung vom: 03.03.2006, 10:25 Uhr
Rückfragen: Christoph Lang
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