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Haus Luckhardt

Wohnhaus Am Rupenhorn 25
Wohnhaus Am Rupenhorn 25
Bild: Landesdenkmalamt Berlin
  • Am Rupenhorn 24, Wohnhaus, 1929-32 von Hans und Wassili Luckhardt und Alfons Anker, Garten, um 1932 von Berthold Körting
  • Am Rupenhorn 25, Wohnhaus, 1929-30 von Hans und Wassili Luckhardt und Alfons Anker, Garten, um 1930 von Berthold Körting

Die beiden Wohnhäuser Am Rupenhorn 24 und 25 sind nach Entwürfen von Hans und Wassili Luckhardt und Alfons Anker zwischen 1929 und 1932 erbaut worden und zählen zu den Inkunabeln des “Neuen Bauens” in Deutschland. Charakteristisch sind die strenge Einfachheit und die Kompromisslosigkeit der kubischen Baukörper, die durch subtile Proportionierung von Flächen und Öffnungen gegliedert sind. Die innovative Bautechnik, die hohe Qualität des künstlerischen Entwurf, die radikale Neugestaltung des Wohnens gleichermaßen ließen die Häuser zu Inbegriffen der modernen Architektur der 20er Jahre werden.

Insbesondere die Außenbauten wiesen erheblicher Bauschäden durch langen Leerstand und zeitweilige Vernachlässigung auf, sodass 1997 und 1998 umfangreiche Instandsetzungen der Gebäudehüllen unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten durchgeführt werden mussten.

Vor Beginn der handwerklichen Leistungen erfolgte eine Bestandserfassung und Zustandsbewertung. Dabei zeigte sich, dass an den beiden gebauten Häusern in den zurückliegenden siebzig Jahren unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Die Häuser sind als Stahlskelettkonstruktion ausgeführt. Zwischen Baukörper und Außenhaut ist eine Luftschicht vorhanden. Die Außenhaut wird von einer Holzverlattung auf dem Baukörper getragen. Als Putzträger für die Außenhaut dienen Holzwolleleichtbauplatten und unterschiedlich dimensionierte Streckmetalle. Die Farbuntersuchungen an beiden Häusern belegen, dass die Fassaden ursprünglich mit weißer Öl-Wachsfarbe gestrichen waren. Bei zurückliegenden Sanierungsmaßnahmen aus den 50er und 70er Jahren erfolgten unterschiedlich starke Eingriffe in die Außenschale der beiden Häuser.

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Wohnhaus Am Rupenhorn 24
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Wohnhaus Am Rupenhorn 24

Der Gesamterhaltungszustand dieses Hauses war durch intensivere Erhaltungspflege besser. Es waren im Putzbereich einige 0,5 bis 1 m² große unsachgemäße Putzausbesserungen erkennbar und kleinere Putzfehlstellen im Bereich der Balkonanschlüsse. Die gesamte Fassadenfläche war mit einem Dispersionsdickschichtanstrich gestrichen worden. Dieser Anstrich, ebenfalls aus den 70er Jahren, wurde auf seine Festigkeit und Haftung zum Untergrund hin untersucht. Dabei zeigte sich, dass der Anstrich noch großflächig gute Haftung zum Untergrund hatte. Daraufhin wurde entschieden, diesen Anstrich nicht abzubeizen. Die Untersuchung des Putzbestandes zeigte, dass große Teile der Fassade noch ursprünglichen Putz tragen. Die Putzausbesserungen erfolgten ebenfalls mit der Putzgruppe PIIa. Vor dem Beginn der Arbeiten am Fassadenputz wurden die Handwerker über die Befunde und den Bestand informiert, die zu entfernenden Bereiche erhielten eine Markierung. Nach Abschluss der Putzarbeiten wurde die gesamte Fassade mit Wasser von Hand abgewaschen. Drucksprühgeräte kamen nicht zum Einsatz. Nach vier Wochen erfolgte entsprechend dem Bestandsanstrich wieder ein Dispersionsanstrichs. Die aufgetragenen Schichtdicken wurden jedoch wesentlich dünner gehalten als beim Vorgängeranstrich.

Aus denkmalfachlicher Sicht handelt es sich um eine vorbildliche, substanzerhaltende Maßnahme, die mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Landesdenkmalamtes Berlin gefördert wurde und durch die zwei herausragende Zeugnisse des sogenannten “International Style” der ausgehenden 20er Jahre in Berlin wiedergewonnen und dauerhaft gesichert werden konnten.

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Wohnhaus Am Rupenhorn 25
Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Reuss

Wohnhaus Am Rupenhorn 25

Am Haus Rupenhorn 25 / Ecke Heerstraße wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten die stärksten Eingriffe an der Außenhaut vorgenommen. Der gravierendste Eingriff in die ursprüngliche Substanz war die weitestgehende Entfernung der Außenschale und deren Ersatz durch eine Verkleidung mit Holzwolleleichtbauplatten. Dieser Eingriff ist zeitlich nicht genau bestimmbar. Die materialbedingten unterschiedlichen Ausdehnungsfaktoren müssen jedoch bald zu einer starken Haarrissbildung im Außenputz an den Versatzkanten der Holzwolleleichtbauplatten geführt haben. Um diesen bauphysikalischen und ästhetischen Mangel zu beheben, hatte man sich in den 70er Jahren entschlossen, die Fassade mit einem Polyestergewebe zu bekleben und mit einem weißen Dispersionsanstrich zu beschichten. Dieses System war nach zwanzig Jahren verschlissen.

Bei der Entwicklung eines Sanierungskonzeptes für das Haus Am Rupenhorn 25 wurden verschiedene Möglichkeiten erwogen. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden erfolgte die Erarbeitung eines denkmalpflegerischen Rahmenkonzeptes. Dieses Konzept sah vor, dass die Sanierungsarbeiten an der Fassade unter weitestgehender Schonung der vorhandenen Substanz erfolgen sollten.

Vor Beginn der Sanierungsarbeiten an den Fassadenflächen erfolgte eine Untersuchung des Bestandsputzes. Am Haus Am Rupenhorn 25 / Ecke Heerstraße war es notwendig, die verschlissene und nicht mehr haftende Polyesterbeklebung zu entfernen. Nach der Entfernung der Beklebung erfolgte eine visuelle Untersuchung des Putzbestandes. Die Untersuchung ergab, dass eine starke, netzartige Rissbildung in den Bereichen der HWL-Plattenstöße vorhanden war. Der größte Teil des Bestandsputzes war fest mit dem Trägersystem verbunden.

Auf der Grundlage einer Zustandskartierung wurden die zu entfernenden Putzflächen vor Ort gekennzeichnet und erst dann freigegeben. Die Putzausbesserungen erfolgten mit einem Putzsystem der Putzgruppe PIIa. Die netzartigen, über die gesamte Fassade verteilten Risse konnten nicht mit dem Putzsystem geschlossen werden. Deshalb entschied man sich, die feinen Haarrisse mit einem feinen, sehr dünnen Polyesterflies zu überkleben. Dabei wurde ein Silikonharzsystem angewendet. Gröbere Unebenheiten wurden mit einem Silikonharzspachtel ausgeglichen. Der Zwischen- und Deckanstrich der Fassade erfolgte ebenfalls in einem Silikonharzsystem. Alle zugänglichen Metallteile wurden mit Korrosionsschutz behandelt. Die Farbuntersuchung an den Metallgeländern zeigte, dass ursprünglich ein mittelgrauer Anstrich vorhanden war. Der Neuanstrich erfolgte gemäß Untersuchungsbefund.