Sicherer Zugang zu Arbeitsplätzen auf Gerüsten

ein aufgebautes Gerüst
Bild: © LAGetSi

Merkblatt für Bauherren und Firmen, die Gerüste beauftragen

Nach der Betriebssicherheitsverordnung muss begründet werden, warum der Zugang zum Gerüst über Treppen, Leitern, Aufzüge und ähnlichem erfolgen soll.

Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit TRBS 2121 Teil 1 „Gefährdungen von Personen durch Absturz – Bereitstellung und Benutzung von Gerüsten“ konkretisieren, wann solche Zugänge nötig werden können:

Auszug TRBS 2121

4.2 Zugänge zu Arbeitsplätzen auf Gerüsten

Um die Absturzgefahr bei den Zugängen zu hochgelegenen Arbeitsplätzen auf Gerüsten zu vermeiden, eignen sich Aufzüge, Transportbühnen, Treppen oder Leitern.

Erläuterung:
Aufzüge, Transportbühnen oder Treppen sollten zum Beispiel als Zugang zu Arbeitsplätzen auf Arbeits- und Schutzgerüsten während der Benutzung verwendet werden, wenn über den Zugang umfangreiche Materialien transportiert werden, die Aufstiegshöhe im Gerüst mehr als 10 m beträgt oder umfangreiche Arbeiten ausgeführt werden.

Zu den umfangreichen Arbeiten zählen zum Beispiel: Anbringen von kompletten Fassadenverkleidungen, wie zum Beispiel Verblendmauerwerk, Natursteinbekleidungen, vorgehängte Fassaden Fassadensanierung mit Vollwärmeschutz, komplette Dachsanierung, wenn das Gerüst als Zugang zur Dachfläche genutzt wird.

Sind Aufzüge, Transportbühnen oder Treppen aufgrund der baulichen Gegebenheiten oder aufgrund der Gerüstkonstruktion nicht einsetzbar, können an deren Stelle Leitern verwendet werden. Bauliche Gegebenheiten, die den Einsatz von Leitern erforderlich machen, können zum Beispiel sein:

Platzmangel zur Aufstellung eines Treppenturmes, zum Beispiel im innerstädtischen Bereich, in Industrieanlagen, Kircheneinrüstungen, wenn bis zur Traufe des Kirchendaches ein Treppenzugang und im Bereich der Turmspitze ein innen liegender Leitergang verwendet wird.

Geeignete Maßnahmen zu der Anwendung von Leitern können der TRBS 2121 Teil 2 entnommen werden.

Ende Auszug TRBS 2121

Ob es sich um einen „umfangreichen Materialtransport“, um eine „Aufstiegshöhe mehr
als 10 m 2 oder um die „Ausführung umfangreicher Arbeiten“ handelt, hat nicht der Gerüstbauunternehmer bzw. Gerüst-Ersteller zu beurteilen; das ist vielmehr Aufgabe und Pflicht des Bauherrn.

Der Bauherr ist für die Planung und Ausführung der Arbeiten verantwortlich. Er legt fest, welche Arbeiten vom Gerüst ausgeführt werden sollen. Der Bauherr hat nach Baustellenverordnung einen Koordinator zu beauftragen, der vor Beginn der Baumaßnahme im Rahmen eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes (SiGePlan) die erforderlichen Zugänge plant. Je nachdem, welche Arbeiten auf dem Gerüst auszuführen sind, legt der Bauherr – unterstützt und beraten vom Koordinator – die Anzahl und die Ausführungsart der Zugänge fest. Wird bei der Planung festgestellt, dass für die auszuführenden Arbeiten ein Treppenzugang erforderlich ist, können gegebenenfalls vorhandene Gebäudetreppen, separate Treppentürme oder Gerüsttreppen genutzt werden. Das fixiert der Bauherr in der Leistungsbeschreibung und schreibt den Gerüstbau aus.

Erlangt der Gerüstbauer bei Auftragsübernahme Kenntnis von den auszuführenden Arbeiten und stellt fest, dass entsprechende Zugänge nicht geplant und beauftragt worden sind, dann ist der Gerüstbauer auf Grundlage der VOB Teil B § 4 (3) verpflichtet, beim Bauherren Bedenken hinsichtlich der Art der Ausführung und insbesondere der Sicherung gegen Unfallgefahren anzumelden.

„Gerüstzugänge“ dürfen nicht mit innenliegenden „Leitergängen“ verwechselt werden: Das Erstellen von innenliegenden Leitergängen ist auf Grundlage der VOB Teil C DIN 18451 Abschnitt 4.1.14 eine Nebenleistung, die auch ohne Erwähnung in der Leistungsbeschreibung zur vertraglichen Leistung gehört. Hingegen ist das Erstellen von Treppentürmen oder Gerüsttreppen auf Grundlage der VOB Teil C DIN18451 Abschnitt 4.2.11 aber eine besondere Leistung und gehört nur dann zum Vertragsinhalt, wenn sie ausdrücklich vereinbart, das heißt in der Leistungsbeschreibung aufgeführt sind.

Die Pflicht, geeignete Zugänge zum Arbeitsplatz Gerüst einzurichten, liegt daher beim Bauherrn. Um Planungsänderungen, Verzögerungen und Kosten zu sparen, sollte sich der Bauherr frühzeitig mit dem Thema „Zugang zum Gerüst“ auseinandersetzen.

Nähere Auskünfte zur sachgerechten Planung und Leistungsausschreibung von Gerüsten erhalten Sie auch bei folgenden Stellen, mit denen dieses Merkblatt inhaltlich abgestimmt wurde:

  • www.bgbau.de
    Hildegardstraße 29/30, 10715 Berlin,
    Tel: 030/85 781-0

Gute Planung, sachgerechte Leistungsausschreibung und Verantwortungsbewusstsein der Verantwortlichen vermeiden die allermeisten Arbeitsunfälle auf der Baustelle.

LAGetSi-Merkblatt "Sicherer Zugang zu Arbeitsplätzen auf Gerüsten"

PDF-Dokument (183.5 kB)