Jahresbericht 2017 des Landesamtes für Gesundheit und Soziales vorgestellt

Pressemitteilung vom 11.07.2018

Gestern wurde von Präsident Franz Allert, Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) der Jahresbericht 2017 des LAGeSo vorgestellt. Dazu einige interessante Fakten:

Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen: Seit Inkrafttreten des Berufsanerkennungsgesetzes 2012 kam es zu einem sprunghaften Anstieg der jährlichen Antragszahlen bei der Anerkennung ausländischer Ausbildungen. 2017 wurden insgesamt 1.643 Approbationen (2016: 1.522) für Ärzte, Apotheker u. a., davon Ausländer 412 (2016: 304) erteilt. Erteilte Berufserlaubnisse waren es 192 (2016: 129). Im Zusammenhang mit diesen Antragszahlen gab es 2017 ein großes Beratungs- und Informationsaufkommen im Landesprüfungsamt: 15.000 telefonische, elektronische und persönliche Beratungskontakte. Um damit einhergehende längere Wartezeiten zu vermeiden, wurde ein online-basiertes Termin- und Zeitmanagementsystem (ZMS) eingeführt.

Ein besonderes Ereignis beim Infektionsschutz war in 2017 das Ausbruchsgeschehen von Hepatitis A in Berlin mit insgesamt 213 übermittelten Fällen (Jahresdurchschnitt 2011-2015 52 Fälle) in Europa 3.813. Der Ausbruch begann im November 2016 und setzte sich in 2017 fort. Das LAGeSo startete eine Impfkampagne mit 15.000 Postkarten, 250 Postern in Berliner Clubs, Darkrooms, Gay-Saunas sowie in Cafés und Apotheken in relevanten Kiezen sowie einem Info-Stand auf dem „Motzstraßenfest“ und erstmals auch mit Infos auf acht mobilen Websites und in social media (international nutzbare Dating-Apps).
Außerdem gab es eine starke Influenza-Saison 2017/2018 mit 11.262 Erkrankungen, höchste Zahl seit Einführung des IfSG im Jahr 2001 (Grippewelle Saison 2016/2017 mit 3.517 Fällen).
Fazit: Impfen schützt – verantwortlicher Umgang mit der eigenen Gesundheit und der Anderer.

Umweltbezogener Gesundheitsschutz: Es gibt derzeit an allen 39 Badestellen sehr gute Badegewässerqualität, zurzeit keine Blaualgenbelastung. Standardmäßig erfolgt 14-tägige Beprobung durch das LLBB vom 15. Mai bis 15. September. Im Frühjahr 2018 startete ein Sondermessprogramm Cyanobakterien „Tychonema“ (scheidet das Gift Anatoxin-a aus, 2017 zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen).
Zum Ferienstart gab es die Note „sehr gut“ für Berliner Badegewässer und eine neue Web-Anwendung mit Infos zu Badestellen und Qualität online http://www.badegewaesser-berlin.de/
Das LAGeSo hat in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB), der Technologiestiftung Berlin (TSB) und der Berliner Wasserbetriebe die Webanwendung realisiert: Die Informationen für die Badenden sind nun schneller, aktueller und serviceorientierter abrufbar.

Dilek Kolat, die Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sagt dazu: „Ob es um die Überwachung der Badegewässer geht, den Infektionsschutz oder die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse oder die Aufsicht über Pflegeheime – das LAGeSo spielt eine herausragende Rolle in Gesundheitsschutz und Gesundheitsversorgung für alle Berlinerinnen und Berliner. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr das LAGeSo mit 31 zusätzlichen Stellen für seine Aufgaben im Gesundheitsbereich personell gestärkt.“

Integrationsamt: Menschen mit Behinderung werden durch die Ausgleichsabgabe bei der Arbeitsfindung unterstützt. Es gibt eine Beschäftigungspflicht der Arbeitgeber, nach der bei mehr als 20 Arbeitsplätzen 5% der Arbeitsplätze an schwerbehinderte Menschen vergeben werden müssen. Ansonsten wird eine Ausgleichsabgabe fällig: In 2017 zahlten Arbeitgeber in Berlin rd. 34,9 Mio. €. Die Mittel aus der Ausgleichsabgabe werden für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen eingesetzt. In 2017 wurden insgesamt 30.374.254 Mio. €, (2016: 30.105.448 Mio. €) ausgezahlt, davon 6.468.409 Mio. € an Arbeitgeber (2016: 8.120.185 Mio. €), 6.016.440 Mio. € an schwerbehinderte Menschen (2016: 5.361.243 Mio. €),
4.756.675 Mio. € an Integrationsfachdienste (2016: 4.776.801 Mio. €) und 599.306 € für das Sonderprogramm „Alle im Betrieb“ (2016: 13.605 €).
In Berlin sind 51.969 schwerbehinderte Menschen beschäftigt, im Mai 2018 waren 7.830 schwerbehinderte Menschen arbeitssuchend (5% der insgesamt Arbeitssuchenden), das ist ein Rückgang um 7,5% gegenüber Mai 2017).
Um gute Beispiele einer inklusiven Beschäftigung bekannt zu machen und mehr Arbeitsstellen für Menschen mit Handicap zu schaffen, vergibt das Land Berlin seit 2003 jährlich den Inklusionspreis an Berliner Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die schwerbehinderte Menschen vorbildlich ausbilden oder beschäftigen. Die diesjährige Preisverleihung und daran anschließende Fachtagung findet am 12. November 2018 unter dem Motto „Teilhabe am Arbeitsleben für alle!“ statt. Der Bewerbungsschluss für den Inklusionspreis für Unternehmen ist der 31. Juli 2018.

Heimaufsicht: In Berlin lebten 2017 rd. 39.500 Menschen in 584 (2016: 579) stationären Einrichtungen und knapp 14.000 Menschen in insgesamt 1.479 Wohngemeinschaften (645 für pflegebedürftige Menschen, 834 für Menschen mit Behinderung). Während die Zahl der stationären Einrichtungen seit Jahren auf etwa gleichem Niveau bleibt, hat sich die Zahl der Wohngemeinschaften seit 2012 um 26,7% erhöht. Seit dem Inkrafttreten des Wohnteilhabegesetzes 2010 kann die Heimaufsicht auch die ambulant betreuten Wohngemeinschaften beraten und Beschwerden dort anlassbezogen nachgehen. In den stationären Einrichtungen wurden in 2017 463 Regelprüfungen und 45 Anlassprüfungen durchgeführt.

Opferentschädigungsgesetz: In 2017 wurden 1.324 Anträge gestellt, es gab 1.689 laufende Rentenzahlfälle. Für einmalige und dauerhafte Leistungen wurden 2017 insgesamt rd. 21 Mio. € aufgewendet. Die Möglichkeiten für die Inanspruchnahme der Leistungen der OEG-Traumaambulanz (Psychologische Soforthilfe) wurden erweitert (Ausgaben 2017: 87.000 €).

Schwerbehindertenrecht: In 2017 lebten in Berlin 621.892 Menschen mit Behinderung, davon 413.473 schwerbehindert und 208.419 Menschen mit Behinderung mit einem GdB von 20-40. Es wurden 68.840 (2016: 70.063) Antragseingänge registriert, davon 31.298 Anträge auf Erstfeststellung und 37.542 auf Neufeststellung der Schwerbehinderteneigenschaft. 79.306 (2016: 74.493) Anträge wurden erledigt. Ein verbesserter Service im Kundencenter mit Gebärdensprechstunde auch via Skype, ZMS (Online-Terminvergabe), Ratgeber für Menschen mit Behinderung auch in leichter Sprache und kostenlose Fotos direkt vor Ort werden im Kundencenter im Versorgungsamt zur Verfügung gestellt.

„Mit seinen vielfältigen Aufgaben im Sozialbereich leistet das LAGeSo auch einen wichtigen Beitrag, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Berlin zu stärken. Damit unterstützt das Amt die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft in unserer Stadt“, so Senatorin Elke Breitenbach anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2017.

Da das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin 2018 sein 20jähriges Jubiläum feiert,
sind unter dem Motto „20 Jahre LAGeSo – Verwaltung im Dialog“ einige Veranstaltung geplant: Im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Moskau findet ein intensiver Fachaustausch statt, am 8. November wird das Symposium für „Alternativen zu Tierversuchen“ realisiert, die Inklusionspreisverleihung mit Fachtagung am 12. November, die Präsidententagung der Landessozialämter, Lesungen, Bemalung eines Buddy Bären und eine Bücher Tankstelle auf dem LAGeSo-Campus.

Weitere Informationen: http://www.lageso.berlin.de