Informationen zu Meldepflichten und Meldeformulare v.a. für klinisch tätige Ärzte/-innen in Bezug auf meldepflichtige Krankheiten gemäß § 6 (1) und § 8 (1) IfSG sowie Berliner IfSG-MeldepflichtV (betr. Borreliose)

Im Infektionsschutzgesetz – IfSG ist für meldepflichtige übertragbare Krankheiten ein konkretes Verfahren festgelegt, das wir Ihnen auf dieser Seite mit Unterstützung durch das beigefügte Meldeschema nahebringen möchten.

Die namentlichen Meldungen von meldepflichtigen Krankheiten (und der Verdacht einer über das übliche Ausmaß hinausgehenden Impfreaktion) gemäß § 6 (1) IfSG und
§ 1 (1) IfSG-MeldepflchtV sind entsprechend den Regelungen des § 9 (1) IfSG vorzunehmen. Die Meldung muss unverzüglich (d.h.: „ohne schuldhaftes Zögern“) erfolgen und spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis dem zuständigen Gesundheitsamt vorliegen. Diese kurze Übermittlungsfrist gilt für alle Fälle, die der Falldefinition des § 4 (2) Nr. 2 IfSG entsprechen. Hierzu stellt das Robert Koch-Institut Kriterien auf und veröffentlich sie im Bundesgesundheitsblatt. Die Berliner Gesundheitsämter leiten die Meldungen anonymisiert an das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) weiter (im IfSG als Übermittlung bezeichnet). Hier werden Sie zusammengefasst, ausgewertet und an das RKI übermittelt.

Die Melde- und Übermittlungswege sind dem folgenden Schema zu entnehmen.

Meldeschema Ärzte für übertragbare Krankheiten bzw. Erreger nach dem IfSG und der IfSG-MeldepflichtV einschließlich Impfschäden

PDF-Dokument (16.0 kB)

LINK Die zeitnahen Meldungen und Übermittlungen gemäß IfSG dienen dazu, schnellstmöglich die zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung notwendigen Maßnahmen einleiten zu können (u. a. Feststellung des Infektionsweges und Einleitung von Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung, ggf. auch Isolierung von Erkrankten zur Verhinderung der Weiterverbreitung, Umsetzung von Postexpositionsprophylaxen, Einleitung von Impfmaßnahmen, nationale und internationale Berichterstattung). Die landesspezifischen Auswertungen werden der Senatsverwaltung für Gesundheit, den Gesundheitsämtern, niedergelassenen Ärzten und ärztlichen Fachverbänden zur Verfügung gestellt.

Was muss gemeldet werden?

Namentlich zu melden sind gemäß § 6 (1) IfSG an das zuständige bezirkliche Gesundheitsamt folgende meldepflichtige Infektionskrankheiten:

  • der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod bei
    • Botulismus
    • Cholera
    • Diphterie
    • humaner spongiformer Enzephalopathie, außer familiär-hereditärer Formen
    • akuter Virushepatitis
    • enteropethischem hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS)
    • virusbedingtes hämorrhagischen Fieber
    • Masern
    • Meningokkoken-Meningitis oder -Sepsis
    • Milzbrand
    • Mumps
    • Pertussis
    • Poliomyelitis (jede akute schlaffe, nicht traumatisch bedingte Lähmung)
    • Pest
    • Röteln einschließlich Rötelnembryopathie
    • Tollwut
    • Tuberkulose (auch wenn ein bakteriologischer Nachweis nicht vorliegt)
    • Typhus abdominalis und Paratyphus
    • Varizellen
    • Zoonotische Influenza
  • der Verdacht oder Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer akuten infektiösen Gastroenteritis bei
    • Personen mit Tätigkeit im Sinne des § 42 (1) IfSG
    • zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen mit epidemiologischem Zusammenhang
  • Exposition eines Menschen durch oder ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder ansteckungsverdächtiges Tier (Verletzung oder Berührung)
  • andere bedrohliche Krankheiten oder mindestens zwei gleichartige Erkrankungen, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird

Den vollständigen Gesetzestext zu den meldepflichtigen Krankheitserregern finden Sie hier: § 6 (1) IfSG

Namentlich zu melden ist darüber hinaus in Berlin gemäß § 1 Absatz 1 IfSG-MeldepflichtV an das zuständige bezirkliche Gesundheitsamt folgende Krankheit:

Erkrankung und Tod an Lyme-Borreliose.

Wer ist gemäß IfSG meldepflichtig?

  • der feststellende Arzt, auch in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen der stationären Pflege; ggf. auch der leitende Arzt, der leitende Abteilungsarzt, der behandelnde Arzt
  • Leiter von Einrichtungen der pathologisch-anatomischen Diagnostik
  • Tierarzt (bei Tollwut bzw. Tollwutverdacht)
  • Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs mit einer Berufsbezeichnung durch staatlich geregelte Ausbildung oder Anerkennung
  • die Leiter von Pflegeeinrichtungen, Justizvollzugsanstalten, Heimen oder ähnlichen Einrichtungen
  • der Heilpraktiker
    Den vollständigen Gesetzestext zu den meldepflichtigen Personen finden Sie hier: § 8 (1) IfSG

Hier finden Sie den sogenannten Arztmeldebogen:

Arztmeldebogen - Meldeformular für Meldepflichtige Krankheiten gemäß §§ 6, 8, 9 IFSG

PDF-Dokument (261.2 kB)

An wen muss gemeldet werden?

Die Meldung muss an das für den Wohnsitz des Patienten zuständige Gesundheitsamt erfolgen, nicht an das LAGeSo. In besonderen Fällen kann auch an das für einen vom Wohnsitz abweichenden Aufenthaltsort des Patienten zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden (z. B. bei stationärer Behandlung in einem Krankenhaus).

Hier finden Sie die Kontaktdaten für Ihre Meldung an Ihr zuständiges Berliner Gesundheitsamt – Bereich Hygiene / Infektionsschutz:

Link zu den Berliner Gesundheitsämtern