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Stiefmutter Heimat. Meine Mutter das gestohlene Kind

Eine Stückentwicklung von Wicki Kalaitzi und Joanna Lewicka

Theater unterm Dach Berlin und Grotowski Institut Wrocław

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Stiefmutter Heimat. Meine Mutter das gestohlene Kind
Bild: Produktion

Regie: Joanna Lewicka
Spiel: Wicki Kalaitzi
Ausstattung: Marta Góźdź (El Bruzda)
Multimedia: Aleksander Janas
Musik: Tomasz Krzyżanowski
DJ-Set: Anka Pitu (Gast)
Licht: Karol Rębisz
Plakat: Michał Jadczak
Foto-Dokumentation: José-Luis Mendoza
Regieassistenz: Olga Osuchowska

Premiere: Donnerstag, 01.10.2020

“Wickuschka, wer will das denn heute hören, was wir als Kinder durchgemacht haben und was uns angetan wurde, keiner!”

Stiefmutter Heimat. Meine Mutter das gestohlene Kind ist ein Theater­abend, der von Wicki Kalaitzi (Wickuschka) initiiert wurde und auf der wahren Geschichte der Lenka, ihrer Mutter, einem Opfer der Kinder­ver­schickung im griechischen Bürger­krieg nach Mittel­ost­europa, basiert. Die Zuschauer_innen werden auf eine künst­lerisch dokumenta­rische Zeitreise mit­genommen, rund um die Themen Vergan­gen­heits­bewälti­gung, Herkunft(-en), Heimat(-en) und der Suche nach dem Zuhause. “Erinnerung-Ent­führung-Mutter Europa”, Lenkas Odyssee führt uns durch Albanien, Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien in ein Breslauer Kinder­heim, Leipzig und 1981 nach West-Berlin, wo sie bis heute lebt. Lenkas Tochter, Wicki, erzählt an dem Abend von Kontexten und dem Um­gang mit ihren Familien­erinnerungen. Die Narrative ver­weisen, zusammen mit dokumenta­rischen, tanz­per­forma­tiven theatralen und musikali­schen Elementen auf die aktuelle und zeitlose Situation Schutz­suchender in Europa. Die Stück­entwick­lung thematisiert somit einen generationsübergreifenden Prozess zu Fragen der Ver­gangen­heitsbewäl­tigung unserer Töchter, Mütter, Groß­mütter, Urgroß­mütter und schließ­lich auch der Einen: Mutter Europa. Das Stück spielt in der Gegen­wart und setzt die Geschichte in einen direkten Bezug zum gegen-wärtigen Diskurs zu Heimat und Ent­fremdung.

Wir leben in einer Zeit, in der die Vergangen­heits­be­wältigung und das (un)bewusste “Noma­den­tum” zur all­täg­lichen Realität geworden ist. Dies ver­binden wir oft mit Angst­ge­fühlen, Obdach­losig­keit und nega­tiven Emotionen. Das Erzählen von persön­lichen und intimen Geschichten, der Aus­tausch, er­möglichen uns, uns für weitere Geschichten zu öffnen und zurück­zu­kehren zum Thema Opfer, sowohl polnischer, deut­scher als auch griechi­scher Zeit­zeugen und ihrer Er­fahrungen. Das Erzählen erlaubt uns, Fragen zu stellen: Was bedeutet Sehn­sucht nach einer Heimat, einem Zuhause, einem Zugehörig­keits­gefühl heute, ganz egal wo wir leben? Und wie über­setzt sich diese eine persön­liche Zeugen-Perspek­tive in eine universelle Perspek­tive und einen zeit­losen, inter­kulturellen Dialog? Es scheint uns sehr wichtig, diese Fragen zu stellen.

Die Stückentwicklung wird Teil des Projekts “Stepmother Motherland” von Joanna Lewicka, das sich in Polen dem Thema Herkunft, Ent­wurzelung und mangelnder Zugehörig­keit widmet.

Stiefmutter Heimat, Mit: Wicki Kalaitzi und Lenka Kalaitzi
Bild: Wicki Kalaitzi