Ausbildung als Gerichtsvollzieher/in

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Bild: Hackmann/Depositphotos.com

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher sind Beamte der Justiz. Sie treiben im Rahmen des Gesetzes die Schulden von Gläubigern ein, indem sie Urteile oder andere Titel vollstrecken. Kann der Schuldner eine Geldforderung nicht erfüllen, dann pfändet die Gerichtsvollzieherin oder der Gerichtsvollzieher im Rahmen des rechtlich Erlaubten bewegliche Gegenstände aus der Wohnung des Schuldners. Bei dieser Tätigkeit braucht man nicht nur juristischen Sachverstand, sondern auch Fingerspitzengefühl. Denn Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher müssen mit Menschen umgehen können, die sich in einer schwierigen Situation befinden. Was sie pfänden, hängt auch von ihrer Entscheidung ab. Sie greifen damit tief in das Leben von Menschen ein.

Aufgabenbereiche

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher haben die Aufgabe, Urteile und Beschlüsse des Gerichts insbesondere bei Geldstreitigkeiten durchzusetzen. Sie nehmen Pfändungen und Versteigerungen von beweglichen Sachen vor, um Gläubigern zu ihren vom Gericht beschlossenen Forderungen zu verhelfen. Zudem stellen sie Pfändungs- und Vollstreckungsbescheide zu und nehmen Schuldnern die eidesstattliche Versicherung im Hinblick auf die Richtigkeit und Vollständigkeit ihrer Vermögensauskunft ab.

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher übernehmen eine verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe, denn sie dürfen den Schuldnern nicht die Lebensgrundlage nehmen. Den Schuldnern Anregungen zu geben, wie sie aus der prekären Situation wieder herauskommen, gehört auch zu ihren Aufgaben. Dabei haben sie jedoch immer das Gebot der Neutralität zu wahren.

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher arbeiten eigenständig, unterstehen dabei aber immer der Aufsicht der Gerichte. Sie haben ihr eigenes Büro und können sich ihre Termine selbst einteilen.

Ausbildung

Die Ausbildung zur Gerichtsvollzieherin bzw. zum Gerichtsvollzieher dauert 18 Monate, der sich das Prüfungsverfahren (ca. 2 Monate) anschließt.

Sie gliedert sich in drei Abschnitte:

  • 1. Abschnitt: 4 Monate (zunächst zwei Wochen Lehrgang, die restliche Zeit in der Praxis)
  • 2. Abschnitt: 10 Monate Unterricht an verschiedenen Gerichten
  • 3. Abschnitt: 4 Monate (zunächst in der Praxis, die letzten beiden Wochen in einem Lehrgang)

In den praktischen Phasen der Ausbildung sind Sie einer bereits ausgebildeten Gerichtsvollzieherin oder einem bereits ausgebildeten Gerichtsvollzieher zugeteilt.

Während der Ausbildung behalten die Auszubildenden ihre bisherige Rechtsstellung (§ 3 Abs. 3 APOGV).

Nach erfolgreicher Ablegung der Gerichtsvollzieherprüfung werden die Beamtinnen und Beamten zunächst als Hilfsbeamte des Gerichtsvollzieherdienstes eingesetzt; ihre Ernennung zu Gerichtsvollzieher/innen/n nach erfolgreicher Bewährung gem. § 13 Abs. 3 LVO-Just von einem Jahr erfolgt nach Maßgabe der dann hierfür verfügbaren Planstellen. Wann dies möglich sein wird kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht übersehen werden.

Die mit Erfolg geprüften Justizfachangestellten werden im Anschluss an die Ausbildung unter Berufung in ein Beamtenverhältnis auf Probe, das regelmäßig drei Jahre dauert, zu Gerichtsvollzieherinnen oder Gerichtsvollziehern ernannt und nach der Besoldungsstufe A 8 vergütet. Die regelmäßig dreijährige Probezeit im Beamtenverhältnis auf Probe dient der Bewährung vor einer Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit (§ 10 Satz 1 BeamtStG, § 11 Abs. 1 LfbG). Hierbei ist eine Anrechnung der Zeit einer Tätigkeit als Justizfachangestellte/r nicht vorgesehen (§ 11 Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 bis 3 LfbG, § 6 LVO-Just).
Die Probebeamtinnen und -beamten werden bei dem Präsidenten des Kammergerichts eingestellt und sodann im Zuweisungswege bei den Gerichten der ordentlichen Gerichtsbarkeit eingesetzt.

Verdienst

Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher sind Beamte der Justiz. Sie erhalten ein Grundgehalt, das der Besoldungsgruppe A 8 entspricht. Das bedeutet in der Stufe 3 ein Bruttogrundgehalt von etwa 2.300 Euro, in der letzten Stufe von rund 2.718 Euro im Monat. Zusätzlich erhalten Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher Zulagen und einen Auslagenersatz.

Anforderungen

1. Erfüllung der allgemeinen beamtenrechtlichen Voraussetzungen,
2. erfolgreicher Abschluss der Ausbildung nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Justizfachangestellten / zur Justizfachangestellten vom 26. Januar 1998 (BGBl. I S. 195) gemäß § 7 Abs. 2 Nr. 2 lit. b), Abs. 3 LfbG i. V. m. § 13 Abs.1 Satz 1 lit. b LVO-Just,
3. Zulassung zur Gerichtsvollzieherausbildung und deren erfolgreicher Abschluss.
Ferner kann nur zugelassen werden, wer
4. nach seiner Persönlichkeit, den Fähigkeiten und den bisherigen fachlichen Leistungen für den Gerichtsvollzieherdienst geeignet erscheint und in der Regel über eine mindestens dreijährige berufliche Erfahrung verfügt; die Zeit der Ausbildung kann nicht angerechnet werden,
5. den besonderen körperlichen Anforderungen des Gerichtsvollzieherdienstes gewachsen ist. Die körperliche Eignung wird durch ärztliche Untersuchung festgestellt, für die die „Allgemeine Verfügung zur Durchführung von Einstellungsuntersuchungen bei Beamtinnen und Beamten des Allgemeinen Vollzugs-, Krankenpflege- und Werksdienstes sowie anderen Dienstkräften (oder Beschäftigten) im Vollzugsdienst“ (SenJustV II B 3) in der jeweils gültigen Fassung maßgeblich ist, mit der Abweichung, dass die Werte der Sehfähigkeit nicht schlechter als -7 Dioptrien bemessen sein dürfen. Der Nachweis der Sehstärke (Rohvisus) ohne und mit Linsenkorrektur in der Ferne ist durch ein augenärztliches Attest nachzuweisen,
6. in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt,
7. zum Ausbildungsbeginn das Höchstalter von a) 40 Jahren b) 45 Jahren bei schwerbehinderten Menschen nicht überschritten hat.
Bewerberinnen und Bewerber, die zum Einstellungszeitpunkt in den Vorbereitungslehrgang die derzeit geltende Höchstaltersbegrenzung von 40 Jahren überschreiten werden, jedoch das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet haben werden, können am Auswahlverfahren unter Vorbehalt teilnehmen. Tritt vor dem Einstellungszeitpunkt die Änderung der Höchstaltersgrenze durch den Verordnungsgeber in Kraft, fällt dieser Vorbehalt weg.

Schwerbehinderte Menschen oder diesen Gleichgestellte werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. Die Bewerbung von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen, ist ausdrücklich erwünscht.

Bewerbung

Die Bewerbungsfrist für den Lehrgang ab Dezember 2017 ist abgelaufen.

Etwaige weitere Lehrgänge und die Bewerbungsfristen werden zu gegebener Zeit auf dieser Seite veröffentlicht.