Rechtspfleger/in

Frau am Schreibtisch mit Gesetzesbüchern im Vordergrund
Bild: SenJustV

Aufgaben

Rechtspfleger/innen nehmen neben Richter/innen Aufgaben der Rechtspflege wahr, die ihnen vom Gesetzgeber übertragen wurden. Sie führen zum Beispiel Zwangsversteigerungen durch oder klären, ob es Erben für einen Nachlass gibt. Sie entscheiden über Räumungsschutzanträge von Mieterinnen und Mietern, die ihre Wohnung räumen müssen, aber wegen unzumutbarer Härte einen Aufschub erbeten haben, oder sie überwachen Insolvenzverfahren und prüfen die Arbeit der Treuhänderin oder des Treuhänders.

Rechtspfleger/innen werten Gutachten aus, setzen Termine an, berechnen Kosten, laden Beteiligte, betreuen Nachlassverfahren, unterweisen und kontrollieren bei Vormundschaften die Vormundin bzw. den Vormund und bei Betreuungen die Betreuerin bzw. den Betreuer oder sie leiten ein Gericht als Geschäftsleiter/in. In ihren Entscheidungen sind Rechtspfleger/innen unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen. Sie können als befangen abgelehnt werden und ihre Beschlüsse können nur über den Rechtsmittelweg angefochten werden. Ihre Arbeit ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll und weisungsfrei.

Neben Staatsanwält/innen nehmen Rechtspfleger/innen auch Aufgaben im Bereich der Strafvollstreckung wahr und sorgen für die Umsetzung von Strafurteilen, vorrangig von Geld- und Freiheitsstrafen.

Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt in einem dreijährigen dualen Studium. Die theoretischen Grundlagen erlernen Sie im Rahmen eines Fachstudiums an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (Campus Lichtenberg, HWR). Die praktische Unterweisung übernehmen die verschiedenen Amtsgerichte, das Landgericht und die Staatsanwaltschaft.

Ziel des Studiums ist es, in einem wissenschaftlichen Studiengang mit praktischem Bezug einen Wissensstand zu vermitteln, der es ermöglicht, Rechtsfragen zu erkennen und sachgerechte Entscheidungen zu treffen.

Zu Beginn des Studiums – dem sogenannten Vorbereitungsdienst – werden Sie in das Beamtenverhältnis auf Widerruf berufen und zur Rechtspflegeranwärterin bzw. zum Rechtspflegeranwärter ernannt.

Studienabschluss/Laufbahnprüfung

Nach Ableistung des Vorbereitungsdienstes wird die Laufbahnprüfung abgelegt. Sie kann einmal wiederholt werden. Die Hochschule verleiht nach Bestehen der Prüfung sowie Vorlage einer Diplomarbeit den akademischen Grad Diplom-Rechtspfleger/in (FH).

Verdienst

… während der Ausbildung

Der Grundbetrag für Rechtspflegeranwärter/innen beträgt zurzeit monatlich ca. 1.017,59 € brutto. Bei entsprechendem Familienstand wird ein Familienzuschlag gewährt.

… nach der Laufbahnprüfung

Das Beamtenverhältnis auf Widerruf endet bei Bestehen der Rechtspflegerprüfung kraft Gesetzes mit der Beendigung des Prüfungsverfahrens.

Nach einer eventuellen Übernahme in ein Beamtenverhältnis auf Probe, die nicht garantiert werden kann, erhalten Sie als Justizinspektor bzw. Justizinspektorin Dienstbezüge, die der Besoldungsgruppe A 9 des Bundesbesoldungsgesetzes entsprechen. Der Grundgehaltssatz beträgt zurzeit monatlich ca. 2.264,85 € brutto. Hinzu kommen unter Umständen noch vermögenswirksame Leistungen (die man beantragen muss), eine Stellenzulage und ein Familienzuschlag.

Weitere Informationen zum Beruf und Kontaktmöglichkeiten

Weitere Informationen erhalten Sie hier: Rechthaber gesucht

Voraussetzungen

  • Sie müssen die deutsche Staatsangehörigkeit (i. S. d. Art. 116 GG) sowie die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhochschulreife (FHR), ggfs. einen entsprechenden Bildungsstand (§§ 10, 11 Berliner Hochschulgesetz), besitzen.
  • Ihr Mindestnotendurchschnitt von Abitur oder Fachhochschulreife darf nicht schlechter als 3,2 sein.
  • Sie dürfen zum Einstellungszeitpunkt (01.10.2017) nach derzeitiger Rechtslage nicht älter als 39 Jahre sein (§ 5 der Verordnung über die Laufbahnen der Beamtinnen und Beamten der Laufbahnfachrichtung Justiz und Justizvollzugsdienst (Laufbahnverordnung Justiz und Justizvollzugsdienst – LVO-Just in der jeweils gültigen Fassung)).

Ausnahmen:

Menschen mit einer Schwerbehinderung (§ 29 Abs.1 LfbG, § 5 Abs. 2 Nr. 2 LVO-Just) und diesen Gleichgestellte dürfen nicht älter als 44 Jahre am Einstellungstag sein.

Soldatinnen und Soldaten auf Zeit mit einer Dienstzeit von mindestens zwölf Jahren (keine Höchstaltersbegrenzung nach § 7 Abs 6 SVG).

Die Höchstaltersgrenze ist für Bewerber/innen, die bereits im öffentlichen Dienst tätig sind, um die Zeit heraufzusetzen, die sie unmittelbar zuvor im öffentlichen Dienst Berlins verbracht haben (§ 32 Abs. 1 LfbG).

Bewerberinnen und Bewerber, die zum Einstellungszeitpunkt (1. Oktober 2017) bereits 40 Jahre und älter sind und die oben genannten Ausnahmeregelungen nicht erfüllen, können bereits jetzt am Auswahlverfahren unter Vorbehalt teilnehmen. Tritt vor dem Einstellungszeitpunkt der Wegfall der Höchstaltersgrenze durch den Verordnungsgeber in Kraft, fällt dieser weg.

Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

Die Bewerbung von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen, ist ausdrücklich erwünscht.

Neben den oben erwähnten Voraussetzungen sollten Sie für den Beruf außerdem folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Interesse an der Klärung von Rechtsfragen und der Anwendung von Rechtsvorschriften
  • Fähigkeit zu systematischem Denken und wissenschaftlichem Arbeiten
  • Einsatz- und Verantwortungsbereitschaft, Flexibilität
  • Team-, Konflikt- und Kritikfähigkeit
  • Sorgfalt und Zuverlässigkeit
  • Belastbarkeit und die gesundheitliche Eignung für den Beruf
  • Sicheres Auftreten, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit im Umgang mit Publikum

Der Präsident des Kammgerichts behält sich entsprechend der Anzahl der eingehenden Bewerbungen vor, nur einen Teil der Bewerber/innen nach dem Prinzip der Bestenauslese am weiteren Auswahlverfahren teilnehmen zu lassen.

Karrierechancen

Beförderungsmöglichkeiten bestehen zur Justizoberinspektorin und zum Justizoberinspektor, Justizamtfrau und Justizamtmann, Justizamtsrätin und Justizamtsrat sowie zur Justizoberamtsrätin und zum Justizoberamtsrat. Nach einer zusätzlichen Ausbildung und bestandener Prüfung können Sie auch Amtsanwältin bzw. Amtsanwalt werden.