Berlins Industrie: Motor für die Wirtschaft

Metallbearbeitung
Bild: Kadmy - fotolia

Auf einen Blick: Berlins Industrie

INDUSTRIEBETRIEBE 702
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 106.069
Bruttoentgelte in Mrd. Euro 4,6
Umsatz in Mrd. Euro 24,9
EXPORTQUOTE 56,0
Bruttowertschöpfung in Mrd. Euro 10,2

Stand: 2015 / Quellen: Amt f. Statistik Berlin-Brandenburg, Bundesagentur f. Arbeit, Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder

Berlins Industrie ...

... ist wieder da

Nach einem tiefgreifenden Strukturwandel infolge der Wiedervereinigung gewinnt die Berliner Industrie seit einigen Jahren wieder an Dynamik und ist damit ein positiver Impulsgeber für das Wirtschaftswachstum Berlins. Trotz konjunktureller Ausschläge in den letzten Jahren, als Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der Krise im Euroraum, erweist sich die Industrie in Berlin damit als leistungsstarker Wirtschaftszweig.

Vor allem in den Bereichen Energie, Life Sciences, Informations- und Kommunikationstechnologie, Optik, Mobilität und Mikrosystemtechnik sowie Clean Technologies nimmt Berlin eine führende Position in Deutschland ein. Aufgrund der breit gefächerten Branchenstruktur ist Berlins Industrie insgesamt weniger konjunkturanfällig. Zudem ist sie stark exportorientiert.

… ist produktiv und leistungsfähig

Bildvergrößerung: Bruttowertschöpfung 2015 klein
Bild: Arbeitskreis "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder", Statistisches Bundesamt

Die Berliner Industrie erzielte 2015 eine Bruttowertschöpfung von 10,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2015 erwirtschaftete ein Industriebeschäftigter in Berlin rund 84.300 Euro. Im Bundesländervergleich liegt Berlin damit auf Platz 6 leicht über dem Bundesdurchschnitt.

… ist exportorientiert und international wettbewerbsfähig

Bildvergrößerung: Export Teaser 2015
Bild: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Statistisches Bundesamt

International ist Berlins Industrie gut aufgestellt. Die Präsenz Berliner Produkte auf internationalen Märkten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Lag die Exportquote der Berliner Industrie Mitte der Neunzigerjahre im Bereich von 15 %, fällt sie heute wesentlich höher aus: mehr als 50 % des Umsatzes werden aktuell im Ausland erzielt. Die pharmazeutische Industrie, der Maschinenbau und die Elektroindustrie erwirtschaften zusammen sogar rund zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland.

… ist ein starker Arbeitgeber

Bildvergrößerung: Sozialversicherungspflichtig Industriebeschäftigte in Berlin
Bild: Bundesagentur für Arbeit

Nach dem Strukturwandel in der Berliner Industrie in den Neunzigerjahren hat sich die Gesamtzahl der Beschäftigten in den letzten Jahren stabilisiert. In der Berliner Industrie waren Mitte 2015 rd. 106.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Damit bietet die Industrie vielen Fachkräften, Hochschulabsolventen und Auszubildenden eine aussichtsreiche Perspektive.

Bildvergrößerung: Berufsabschlüsse Sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Verarbeitenden Gewerbe
Bild: Bundesagentur für Arbeit

Berlin hat viele hervorragend ausgebildete, mehrsprachige Fachkräfte: Hier finden Unternehmen Fach- und Führungskräfte, die für ihren Erfolg maßgeblich sind. Der Arbeitsmarkt nutzt ein Einzugsgebiet von rund 6 Mio. Einwohnern in Berlin-Brandenburg.
An den 40 Universitäten und Hochschulen in Berlin studierten 2015 rund 176.000 junge Menschen, 32.000 Absolventen verließen die Berliner Hochschulen. Damit steht dem Arbeitsmarkt jedes Jahr eine Vielzahl von Hochschulabsolventen gut ausgebildet zur Verfügung. Rund 35% der Absolventen stammen aus MINT-Bereichen. Etwa die Hälfte der Fachhochschulabsolventen bleibt in Unternehmen der Region.

Schlaglicht: Berufliche Situation nach Studienabschluss mit gesondertem Fokus auf den Berliner Beschäftigungsstandort
Die Berliner Hochschulen haben mit ihren Absolventinnen und Absolventen eine erhebliche Wirkung auf den Beschäftigungsstandort Berlin. Direkt nach Studienabschluss realisierten z.B. rund 67% der Bachelor- und Masterabsolventinnen und -absolventen (Abschlussjahrgänge 2011 – 2013) der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) ihren Berufseinstieg in Berlin.
In einigen von den Berliner Unternehmen besonders stark nachgefragten MINT-Studiengängen verbleibt die überwiegende Anzahl der Absolventinnen und Absolventen nach dem Abschluss in der Hauptstadt, so z.B. im Maschinenbau
(71% Bachelor und 62% Master), der Elektrotechnik (62% Bachelor, 71%
Master), der Wirtschaftsinformatik (73% Bachelor, 78% Master) und der Angewandten Informatik (81% Bachelor, 93% Master).
Quelle: Absolventinnen- und Absolventenbefragung an der HTW Berlin im Wintersemester 2014/15.

… stellt sich den Herausforderungen des Umweltschutzes und des Klimawandels

Berlin hat sich in den letzten Jahren zu einem leistungsstarken und hoch innovativen Zentrum der Green Technology entwickelt. Zahlreiche Unternehmen sind auf den Leitmärkten der Umwelttechnik vertreten.

Berlin ist ein überragender Standort der umweltfreundlichen Kraftwerkstechnik und Turbomaschinenhersteller. Im Bereich der Kraftwerkstechnik sind industrielle Technologie­anwender Vorreiter bei flexiblen Kraftwerken und des Einsatzes von intelligenten Netzen.

Zahlreiche Unternehmen aus der Photovoltaikbranche haben sich in Berlin gegründet oder angesiedelt, deren Leistungsprofile vor allem in den Bereichen Modulherstellung und der Systemintegration liegen.

Berliner Sondermaschinenbauer finden mit ihren Anlagen zur Automatisierung von Produktionsprozessen in der Batterietechnik und der Photovoltaik weltweit große Nachfrage.

Schlaglicht: Ein Industriegebiet als Vorreiter Richtung Klimaneutralität – NEMo: Klimaschutzprojekt Null Emission Motzener Straße
Mit dem Projekt NEMo beabsichtigt das Gewerbegebiet Motzener Straße als erstes Industriegebiet in Berlin seine CO 2 -Emission schrittweise zu reduzieren.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden Maßnahmen entwickelt, deren gemeinsame Planung und Organisation Vorteile für die Unternehmen, das Quartier und die Energie- und CO 2 -Bilanz des Standortes erbringen. Das können Maßnahmen zur Versorgung des Standortes mit regenerativem Strom, Nutzung und Speicherung von Abwärme, Maßnahmen zur Reduktion des Verkehrs und Verbesserung klimafreundlicher Mobilität, Reststoffverwertung und Tausch aber auch Verbesserung des Kleinklimas durch Begrünung und Regenwasserversickerung bis hin zur Entsiegelung von Parkraum sein.
Mit diesem Leuchtturmprojekt leistet das Gewerbegebiet Motzener Straße einen wichtigen Beitrag zum vom Berliner Senat gesetzten Ziel, Berlin zu einer klimaneutralen Stadt bis zum Jahr 2050 zu entwickeln.
Das Projekt wird aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

… ist innovativ und forschungsintensiv

Berlin ist einer der bedeutendsten Wissenschaftsstandorte Europas und führend in vielen Schlüsseltechnologien.

  • 4 Universitäten und die Charité,
  • 7 Fachhochschulen
  • 30 private Hochschulen und
  • 70 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

stehen für die hohe Innovationskraft der Region.

Schlaglicht: Zahlreiche wissenschaftliche Preisträger sind eng mit Berlin verbunden, darunter: Prof. Emad Flear Aziz, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Berlin (HBZ) und an der Freien Universität Berlin, wurde 2011 mit einem der begehrten „ERC Starting Grants“ des Europäischen Forschungsrates ausgezeichnet. Er erhält insgesamt 1,5 Mio Euro für die Erforschung von Struktur und Funktion Porphyrin-basierter funktionaler Materialien in Lösung und an Grenzflächen („Structure and Dynamics of Porphyrin-Based Materials in Solutions vs. Interfaces“). Prof. Gerhard Ertl, von 1986 bis 2004 Direktor der Abteilung Physikalische Chemie am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, hat 2007 den Nobelpreis für Chemie für seine Studien von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen erhalten. Ausgezeichnet wurden seine grundlegenden Arbeiten im Forschungsfeld der Oberflächenchemie. Quellen: Pressemitteilung vom 10.10.2007, Nobelprize.org, Hermann Nachrichten der Helmholtz-Gesellschaft.

Berlin liegt bundesweit auf Platz 2 beim Anteil von Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt, beim Anteil der FuE-Aufwendungen allein im öffentlichen Sektor sogar auf Rang 1. Dies bietet eine hervorragende Grundlage für Kooperationen.

Forschung und Entwicklung spielen für Berliner Unternehmen eine große Rolle. Im Jahr 2011 gaben Berliner Unternehmen für Forschung und Entwicklung 1,40 Mrd. Euro (davon Verarbeitendes Gewerbe: 965 Mio. Euro) aus, rd. 3 % mehr als 2009. Es wurden 580 zusätzliche Forscherinnen und Forscher eingestellt, eine Steigerung von rd. 3 % gegenüber 2009. Insgesamt zählte die Berliner Wirtschaft 11.340 Beschäftigte im FuE-Bereich (2011).

Berliner Großunternehmen (mit mehr als 250 Beschäftigten) tragen drei Viertel der FuE-Ausgaben der Wirtschaft und beschäftigen 40 % des FuE-Personals. Eine Berliner Besonderheit ist der hohe Anteil forschungsaktiver KMU, der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist: Mehr als ein Viertel der Forschungsaufwendungen der Wirtschaft erfolgen durch kleine und mittlere Unternehmen, zum Vergleich: im Bundesdurchschnitt sind es nur rund 11 %.

Bildvergrößerung: Umsätze mit Neuprodukten
Bild: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, TSB

Berliner Unternehmen haben eine junge Produktpalette. Im Schnitt entfallen rund 20 % des Umsatzes auf neue und fast 24 % auf verbesserte Produkte – ein wichtiger Indikator für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Berliner Unternehmen. Noch höher ist der Umsatzanteil der FuE-intensiven Industriezweige in Berlin: Diese erwirtschaften rund 31 % ihrer Umsätze mit verbesserten Produkten und liegen damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt (26 %).

Schlaglicht: Gelungene Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft und Staat
Fraunhofer-Innovationscluster bestehen aus einer Kooperation von Wissenschaft, Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zur Sicherung der langfristigen Zusammenarbeit und des Wissensaustausches in einer Region.
Der Fraunhofer-Innovationscluster »Maintenance, Repair and Overhaul in Energie und Verkehr« (MRO) hatte zum Ziel, ressourcenschonende und energieeffiziente MRO-Prozesse und -Technologien zu erarbeiten und nachhaltig in der Hauptstadtregion zu etablieren. Der finanzielle Umfang des Clusters von rund 14 Mio. Euro wurde über einen Zeitraum von drei Jahren in etwa zu je einem Drittel von der Fraunhofer-Gesellschaft, den Ländern Berlin und Brandenburg und den beteiligten Unternehmen im Rahmen von Projekten bereitgestellt.
Mit großem Erfolg konnte der Fraunhofer-Innovationscluster zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch die Entwicklung und industrielle Umsetzung von MRO-orientierten Lösungsansätzen beitragen.
Quelle: http://www.innovationscluster-mro.de

… ist ein Industriestandort mit Tradition

Turbinenhalle
Turbinenhalle, Huttenstr. 12-16, Tiergarten; 1908/9 von Peter Behrens und Karl Bernhard, Erwei­ter­ung 1939-40 von Jacob Schallenberger und P. Schmidt; Verwaltungsgebäude, um 1956 vom AEG-Baubüro Bild: Landesdenkmalamt Berlin, Wolfgang Bittner

Berlin ist eine Industriestadt mit Tradition. Unternehmerpersönlichkeiten wie August Borsig, Johann Georg Halske, Emil Rathenau, Ernst Christian Friedrich Schering und Werner von Siemens haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich Berlin Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Industriezentrum Deutschlands entwickelte.

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Teilung der Stadt entwickelte sich – unter anderem in Folge der Abwanderung von Unternehmen sowie der Verlagerung von Hauptverwaltungen sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Großunternehmen an andere Standorte der Bundesrepublik – eine wenig wettbewerbsfähige Industrie.
Nach Jahren des einigungsbedingten Strukturwandels und eines weiteren erheblichen Abbaus von Industriearbeitsplätzen verfügt die Berliner Industrie heute über eine solide Basis an modernen und wettbewerbsfähigen Industrieunternehmen mit einer jungen Produktpalette.

So knüpft die Berliner Industrie heute mit neuem innovativem Schwung an eine erfolgreiche Tradition an.