Landgericht Berlin Zwei Jahre und zehn Monate Jugendstrafe gegen Torben P. wegen Überfall im Bahnhof Friedrichstraße (PM 96/2011)

Pressemitteilung vom 19.09.2011

Die 39. (große) Strafkammer des Landgerichts Berlin – Jugendkammer – hat heute den 18jährigen Torben P. wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körper-verletzung sowie wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der 19jährige Mitangeklagte Nico A. wurde wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung sowie we-gen unterlassener Hilfeleistung schuldig gesprochen. Das Gericht hat ihm aufgegeben einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren und 250 Euro zu zahlen.

Nach den Feststellungen des Landgerichts hat der Angeklagte Torben P. am 23. April 2011 auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin dem ihm zuvor unbekannten Neben-kläger Markus P. eine zumindest teilweise gefüllte Hartplastikflasche in das Gesicht ge-schlagen, wodurch dieser zu Boden gegangen sei. Dem am Boden Liegenden habe er sodann mehrere heftige Tritte gegen den Kopf versetzt, was zu schweren Verletzungen geführt habe. Der Angeklagte Nico A. sei dagegen nicht eingeschritten und habe sich spä-ter auch nicht um das Opfer gekümmert. Der Nebenkläger Georg B., der den Angeklagten Torben P. von weiteren Tritten gegen das bewusstlose Opfer abgehalten habe, ist nach den getroffenen Feststellungen von beiden Angeklagten angegriffen, geschlagen und ge-treten worden. Das Gericht ist davon ausgegangen, dass die Angeklagten die Taten im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben. Die Angeklagten hatten die ihnen zur Last gelegten Taten gestanden.

Das Gericht hat entsprechend den Anträgen aller Verfahrensbeteiligten Jugendstrafrecht angewandt. Bezüglich des Angeklagten Torben P. ist u.a. strafmildernd berücksichtigt worden, dass er nicht vorbelastet ist, geständig war und sich reuig gezeigt hat. Auch seine Entschuldigung, bereits geleistete Schadensersatzzahlungen und die teilweise anpran-gernde und im Einzelfall auch sachlich falsche Presseberichterstattung und deren Auswir-kungen fielen ins Gewicht. Strafschärfend hat das Gericht insbesondere die Brutalität und Sinnlosigkeit der Tat gewertet, die die Verhängung einer Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, ausschließe.

Mit seinem Urteil ist das Gericht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Ne-benklage geblieben. Die Staatsanwaltschaft hatte die Verhängung einer Jugendstrafe von vier Jahren beantragt und die Nebenklage eine Jugendstrafe nicht unter vier Jahren ge-fordert. Die Verteidigung hatte hingegen beantragt, eine Jugendstrafe von maximal zwei Jahren zu verhängen und deren Vollstreckung zur Bewährung auszusetzen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann sowohl von den Angeklagten als auch von der Staatsanwaltschaft und dem Nebenkläger Markus P. binnen einer Woche ab Urteilsver-kündung mit der Revision zum Bundesgerichtshof angefochten werden.

Dr. Tobias Kaehne
Pressesprecher

Urteil des Landgerichts Berlin vom 19. September 2011, Az. (539) 234 Js 2053/11 (29/11)
Pressemitteilungen der Pressestelle der Berliner Strafgerichte Nr. 56/2011 vom 27. April 2011, Nr. 79/2011 vom 28. Juli 2011, Nr. 80/2011 vom 01. August 2011 und Nr. 89/2011 vom 17. August 2011.
Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Nr. 19/2011 vom 11. Mai 2011